CD-Besprechung: Debütalbum mit reizvollen Entdeckungen

CD-Besprechung: Sarah Traubel – Arias for Josepha  klassik-begeistert.de

Sarah Traubel : Arias for Josepha

Es ist ein Debüt-Album dessen klug gewähltes Programm aufhorchen lässt, gerne möchte man bald mehr von Sarah Traubel zu hören bekommen!

von Peter Sommeregger

Der geschichtsbewusste Opernfreund denkt bei dem Namen sofort an die amerikanische Wagner-Heroine Helen Traubel. Nicht zu Unrecht, denn die hier auf ihrem Debüt-Album zu erlebende junge Sängerin ist eine Großnichte der amerikanischen Traubel, hat sich aber einem gänzlich verschiedenen Repertoire zugewandt.

Arias for Josepha ist Programm, und ein interessantes dazu. Josepha war eine Schwägerin Mozarts, etwas weniger berühmt und erfolgreich als Aloysia Weber, aber immerhin hat sie als erste Königin der Nacht Operngeschichte geschrieben. Die Schwestern Weber scheinen allesamt gesanglich begabt gewesen zu sein, ist doch auch Mozarts Ehefrau Konstanze zeitweise solistisch aufgetreten.

Sarah Traubel hält sich bei der Zusammenstellung dieser CD streng an Partien, die nachweislich von Josepha Hoffer gesungen wurden. Das macht uns nicht nur mit hörenswerten Ausgrabungen bekannt, sondern demonstriert auch anhand der Mozart-Partien, dass Fachgrenzen zu Josephas Zeit nicht so eng gesehen wurden. Königin der Nacht und Figaro-Gräfin würde man heute wohl selten gleichzeitig im Repertoire einer Sängerin finden.

Das Wagnis, ein solches koloraturen-lastiges Programm gleichzeitig mit lyrischen Arien aufzunehmen findet in Sarah Traubel eine Interpretin, die diese Herausforderung bestehen kann. Gestochen scharfe Koloraturen schon in den beiden ersten Arien der CD, „Alles will ich brechen, beugen“ von Jacob Haibel und „Bella Fiamma“ von Vincenzo Righini leiten über zur Arie der Königin der Nacht. Mozart ist insgesamt der am stärksten vertretene Komponist auf dieser CD, aber zusätzlich sind auch noch interessante Kompositionen von Franz Xaver Süßmayr, Peter von Winter, Paul Wranitzky und Benedikt Schack zu hören, die teilweise zum ersten Mal auf Tonträgern erscheinen.

Traubels Timbre entbehrt vielleicht den Liebreiz berühmter Fach-Kolleginnen, verfügt aber über eine starke persönliche Note, die sie davor bewahrt, in ein soubrettenhaftes Zwitschern zu verfallen. Wenn man liest, dass sie bereits die Donna Anna ihrem Repertoire hinzugefügt hat, sieht man die Künstlerin auf einem konsequent selbstbewussten Weg.

Begleitet wird die Sängerin von der Prager Philharmonia PKF unter Jochen Rieder.

Es ist ein Debüt-Album dessen klug gewähltes Programm aufhorchen lässt, gerne möchte man bald mehr von Sarah Traubel zu hören bekommen!

Peter Sommeregger, 14. Mai 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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