CD-Rezension: Belcanto aus dem Baltikum

CD-Besprechung, Vincenzo Bellini, I Puritani  klassik-begeistert.de

Die Aufnahme ist eine wertvolle Ergänzung der nicht gerade üppigen Diskographie dieser Oper, durch Brownlee und Coburn ist sie eigentlich ein „Must-have“!

Vincenzo Bellini, I Puritani

Constantine Orbelian, conductor
Kaunas City Symphony Orchestra
Kaunas State Choir

Delos DE 3537

von Peter Sommeregger

Diese 2017 entstandene, aber erst jetzt veröffentlichte Einspielung von Bellinis letzter Oper hätte man eher anderswo verortet, als ausgerechnet im litauischen Kaunas. Es ist allerdings nicht die erste Aufnahme aus der zweitgrößten Stadt Litauens, die aufhorchen lässt. Der gefeierte Tenor Lawrence Brownlee hat mit diesem Orchester bereits ein preisgekröntes Rossini-Album eingespielt.

Brownlee ist es auch, der dieser Aufnahme den Rang des Besonderen verleiht. Innerhalb weniger Jahre hat sich der Afroamerikaner in die erste Reihe der raren Belcanto-Stars gesungen. Sein agiler Tenor, der scheinbar mühelos auch schwindelnde Höhen erreicht, verfügt darüber hinaus über ein ausgesprochen schönes Timbre, saubere Diktion und jene Italianità, die gerade für die Opern Bellinis unverzichtbar ist. Im Finale singt er das gefürchtete F im Falsett, aber hält den Ton sicher und bettet auch diese extreme Note geschmackvoll in seine Gesangslinie ein. Man muss in der Interpretationsgeschichte dieser Oper weit zurückgehen, um Vergleichbares zu finden. Selbst Giuseppe Di Stefano transponiert den Ton in der legendären Aufnahme als Partner der Callas. Brownlee kann man als Vertreter einer neu etablierten Generation von Belcanto-Tenören einordnen, die sich beginnend mit Rossini dieses Repertoire neu erobert haben.

Seine Partnerin als Elvira ist Sarah Coburn, eine ebenfalls amerikanische Sängerin, die von Timbre und Technik sehr an Beverly Sills und Renée Fleming erinnert. Ein „all-American-Soprano“ also, was durchaus positiv zu verstehen ist. Coburns Stimme blüht speziell in den Ensembles zart aber gleichzeitig sicher auf und verbindet sich mit Brownlees Tenor zu einem wahren Dream-Team.

Gegen die beiden Protagonisten hat es der Rest des Ensembles schwer. Aber Azamat Zheltyrguzov, Tadas Girininkas, Liudas Norvaišas, Tomas Pavilionis und Jovita Vaškevičiūtė sind durchaus gestandene Sänger, die ihren Rollen durchweg gerecht werden.

Das Kaunas City Symphony Orchestra unter Constantine Orbelian wird seiner Aufgabe mehr als gerecht und trifft den Ton des begnadeten Komponisten auf den Punkt. Orbelian ist ein sensibler Begleiter, der in dieser Oper dominierende Gesang kommt voll zu seinem Recht. Dass dieses letzte Bühnenwerk Bellinis von je unter seinem verquasten Libretto und einer etwas sperrigen Dramaturgie gelitten hat, kann auch dieses grandiose Ensemble nicht ganz vergessen machen, aber die Aufnahme ist eine wertvolle Ergänzung der nicht gerade üppigen Diskographie dieser Oper, durch Brownlee und Coburn ist sie eigentlich ein „Must-have“!

Peter Sommeregger, 25. August 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.