CD/Blu-ray Besprechung:
Krönender Abschluss der CD ist eine interessante Version von Isoldes Liebestod. Der von Franz Liszt erstellten Transkription wird die originale Gesangslinie hinzugefügt, eine reizvolle, und so noch nicht gehörte Version.
L’Amour et la Mort
Henri Duparc
Richard Wagner
Hermine May mezzo-soprano
Manuel Lange piano
DG Reciatal
MDG 908 2378-6
von Peter Sommeregger
Der französische Komponist Henri Duparc war, obwohl um einige Jahre jünger, Zeitgenosse Richard Wagners und war in seinen Kompositionen deutlich von dem deutschen Meister inspiriert und beeinflusst. Das eher schmale Oeuvre Duparcs besteht hauptsächlich aus Liedkompositionen, die bis heute Eingang in das Lied-Repertoire vieler Sänger finden.
Die rumänische Mezzosopranistin Hermine May stellt auf ihrer neuen CD die beiden Komponisten direkt gegenüber, was das Aufspüren von Wagners Einfluss auf Duparc erleichtert, und zu Vergleichen einlädt.
Die hier eingespielten neun Lieder Duparcs nach Texten verschiedener zeitgenössischer Literaten, darunter Baudelaire, kreisen in impressionistischer Tonsprache um tiefe Gefühle, wobei sie immer wieder Motive von Wagners Tristan und dem ikonischen Tristan-Akkord aufnehmen.
Richard Wagners fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck stellen den idealen Widerpart zu Duparcs Liedern dar, sind sie zum Teil doch Studien zur Tristan-Komposition. Die unerfüllte, gesellschaftlich unmögliche Liebe von Richard und Mathilde findet darin, wie später verstärkt in der kompletten Oper, ein thematisches Leitmotiv dar.
Die Mezzosopranistin Hermine May, als Konzert- und Opernsängerin international unterwegs, wird sowohl der Tonsprache Duparcs, als auch den Wesendonck-Liedern mit ihrem reifen, voll tönenden Mezzosopran gerecht, und verleiht den Stücken ihren persönlichen Stil.
Unterstützt wird sie vom Berliner Pianisten Manuel Lange, der sich als sensibler Begleiter erweist, und darüber hinaus auch eigene Akzente setzt. Krönender Abschluss der CD ist eine interessante Version von Isoldes Liebestod. Der von Franz Liszt erstellten Transkription wird die originale Gesangslinie hinzugefügt, eine reizvolle, und so noch nicht gehörte Version.
Mit diesem außergewöhnlichen und reizvollen Programm gelingt Hermine May und Manuel Lange eine im positiven Sinne aus dem Rahmen fallende Produktion.
Peter Sommeregger, 22. Januar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Liederabend Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch Wiener Konzerthaus, 12. Januar 2026
Liederabend Vokalensembles ART’N’VOICES Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 3. Dezember 2025.