Eine Fülle des Wohllauts

CD-Rezension: Rossini – Amici e Rivali, Lawrence Brownlee, Michael Spyres, I Virtuosi Italiani, Corrado Rovaris

„Einziges Manko: Auch nach 80 Minuten geballtem Belcanto möchte man immer noch viel, viel mehr von diesen Sängern hören!“

CD-Rezension: Rossini – Amici e Rivali
Erato 0190295269470

Lawrence Brownlee
Michael Spyres

I Virtuosi Italiani
Leitung: Corrado Rovaris

von Peter Sommeregger

Die glanzvolle Renaissance der Opern Rossinis dauert nun schon erfreulich lange an. Möglich wurde sie erst durch die Entwicklung und Rückbesinnung auf Stimmtypen, die für die Opern des späten 19. Jahrhunderts nicht geeignet waren und deshalb praktisch ausstarben. Über die Jahre tauchte der tenore di grazia aber wieder aus der Vergessenheit auf, es gab wieder Sänger die in diesem Bereich glänzen konnten.

So wurde auch erneut nachvollziehbar, dass Rossini in seinen Opern die Gegenspieler mit zwei Tenören besetzte. Ein lyrischer tenore di grazia und ein baritonal geerdeter spinto unterschieden sich so deutlich in den Stimmfarben, dass diese Kombination besonders reizvoll war.

Gegenwärtig verkörpern Lawrence Brownlee (di grazia) und Michael Spyres (spinto) ein geradezu ideales Paar dieser Art. Die soeben erschienene CD mit Ausschnitten aus sieben Opern des „Schwans von Pesaro“ gerät so zum Fest zweier Ausnahmekünstler.

Schon der erste Track, das Duett Figaro/Almaviva aus dem „Barbier von Sevilla“ setzt einen Höhepunkt, da Spyres fast mühelos in den Baritonpart des Figaro schlüpft. Bei den zwei Duetten aus „Ricciardo e Zoraide“ übernimmt er zwei verschiedene Rollen. In den Ausschnitten aus „La Donna del Lago“ stößt die Mezzo-Sopranistin Tara Erraught zu dem Duo und schafft es, eine optimale Verschmelzung aller dreier Stimmen zu erreichen. Das Optimum an technischer Raffinesse erreichen die Tenöre im Duett aus „Elisabetta, Regina d’Inghilterra“ und machen es zu einem Kabinettstück stimmlicher Eloquenz.

In den Ausschnitten aus „Otello“ wirkt noch ein dritter Tenor, Xabier Anduaga mit, auch er bringt ein eigenes persönliches Timbre ein, und so geraten diese Szenen zu einer Demonstration von Gesangskultur auf höchstem Niveau. Anduaga ist auch der Dritte im Bunde im abschließenden Terzett aus „Armida“.

Die Virtuosi Italiani unter Corrado Rovaris begleiten stilsicher und kompetent dieses Feuerwerk an stimmlicher Brillanz. Einziges Manko: auch nach 80 Minuten geballtem Belcanto möchte man immer noch viel, viel mehr von diesen Sängern hören!

Peter Sommeregger, 3. November 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

CD-Besprechung: Georg Friedrich Händel, Der Messias, RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, Justin Doyle

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