Weststil und Ostkult in Halle (Saale): Martin Reik singt Cole Porter und Klaus Adolphi Manfred Krug

Cole Porter und Manfred Krug, Moritzburg Open Air  Konzerte in Halle

Foto: Klaus Adolphi (c)
Moritzburg Open Air, Halle (Saale)
Cole Porter und Manfred Krug – Konzerte in Halle

von Guido Müller

Im Rahmen der vom Cultourbüro Halle Ulf Herden und der Oper Halle veranstalteten Moritzburg Open Air Konzerte fanden am Wochenende Veranstaltungen mit Musik des erfolgreichsten amerikanischen Musicalkomponisten Cole Porter und des ostdeutschen Liedersängers, Dichters und Schauspielers Manfred Krug statt.

Der Schauspieler und Sänger Martin Reik, schwäbischer Herkunft, spielte den Musicalkomponisten zusammen mit dem Martin Reik Quartett (mittlerweile schon ein Quintett) und einem Streichquartett mit Mitgliedern der Staatskapelle Halle (geführt vom Jazzgeiger Wolfgang Singer und der Bratschistin Constanze Wehrenpfennig, mit Bettina Freitag, Violine, und Markus Händel, Cello). Es gab die größten Hits von 1928 bis in die 1950er-Jahre  in sehr guten Arrangements. Reik verfügt über alle stimmlichen Nuancen von rauchig-sanft und betörend-erotisch bis männlich-kräftig und schöner ausgehaltener Höhe. Ebenso wie das Ein-Mann-Unternehmen Richard Wagner schrieb Cole Porter seine oft mehrdeutig-erotischen Texte selber und komponierte darauf.

Das Konzert in Halle bildet nicht  nur den Auftakt zu einer Tournee der Reik-Gruppe sondern auch zu einer CD-Aufnahme mit 17 Hits von „Anything goes“, „Can Can“ und „Gay divorce“ bis „Kiss me Kate“. Das Thema ist die Liebe. Und natürlich das amerikanische Glitzerleben zwischen Paris und Hollywood. Immer mit Stil und ironischem Augenzwinkern. America at its best!

Die Melodie zu „So in love“ aus „Kiss me Kate“ bezeichnete Reik in seiner launigen Moderation zu Cole Porters Leben zu Recht als wie aus dem Weltall gefallen. Er sang das Stück ganz zart und sehr berührend. Ein Konzert, das den Stil Cole Porters perfekt traf. Auch durch die ausgezeichnete Diktion, mit der Reik das Amerikanische verständlich auch im Lebensgefühl wiedergab.

Ein ganz anderes Lebensgefühl trifft Klaus Adolphi am Sonntagnachmittag mit Manfred Krugs Songs, Kurzgeschichten und Gedichten. Adolphi, aus Mitteldeutschland, spricht gleich zu Beginn die eigenen biographischen Berührungen mit dem großen Charakterdarsteller Krug an, der sein letztes Konzert 2016 vor seinem Tod auf dem Hof von Adolphi  im Mansfelder Land gab.

Die meisten Zuschauer begleitete Krug ihr ganzes Leben hindurch. Krug ist einfach Ostkult! Eine sentimentale DDR-Legende. Von DEFA-Märchenfilmen der Kindheit bis zu den vier großen LPs der 1970er- und 1980er-Jahre.

Dabei wird es oft schmalzig an diesem Sonntagnachmittag der Erinnerungen. Zwischen Evergreen und Kollektiv. Heinrich Heine und dem Song „Sonntag“ zum Abschluss als letzte Zugabe.

Wie Porter verfasste auch Krug Texte und Musik selber. Adolphi trifft mit seiner Manfred-Südharz-Band den Ton der deutschen Populärmusik Krugs genau. Andreas Ebs betört mit Saxophon und Flöte ganz besonders. Männer spielen, zwei Frauen singen begleitend.

Kein Wunder, dass sich in Halle zu diesem Konzert fast zehn Mal so viele Zuschauer einfinden wie zu Reik und Porters amerikanischem Programm.
Obwohl an beiden Tagen „sibirischer Sommer“ (Reik) im Innenhof der Moritzburg herrschte. Am Samstag gab es aber noch die Konkurrenz des deutschen Fußball-WM-Spiels. Beide Konzerte erhielten begeisterten Zuspruch. Nun sind wir gespannt auf die CD Martin Reiks und seiner Musiker.

Guido Müller, 25. Juni 2018, für
klassik-begeistert.de

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