East Meets West: Daniel Hope & Freunde bei der Beethoven-Woche

Daniel Hope, Violine; Gaurav Mazumdar, Sitar; Shabaz Hussein, Tabla; Simon Crawford-Phillips, Klavier  Bonn, Junges Theater, 19. Mai 2023

Daniel Hope © Nicolas Zonvi

Im Jungen Theater Bonn gibt es einen Streifzug durch von anderen Kulturen inspirierte Musik – und eine gelungene Hommage an Ravi Shankar und Yehudi Menuhin

Bonn, Junges Theater, 19. Mai 2023

Manuel de Falla (1876-1946) – Siete canciones populares españolas für Violine und Klavier

Tōru Takemitsu (1930-1996) – Distance de Fée für Violine und Klavier

Maurice Ravel (1875-1937) – Tzigane; Kaddish (Bearbeitung für Violine und Klavier)

Béla Bartók (1881-1945) – Rumänische Volkstänze (Bearbeitung für Violine und Klavier)

Gaurav Mazumdar (*1965) – Hommage to Ravi Shankar: Raga Tilang; Hommage to Yehudi Menuhin: Raga Piloo

Daniel Hope, Violine
Gaurav Mazumdar, Sitar
Shabaz Hussein, Tabla
Simon Crawford-Phillips, Klavier

von Brian Cooper, Bonn

Es gibt immer wieder Trends, die muss man nicht verstehen. Sneakersocken zum Beispiel; das Aussprechen von „Diskussion“ als „Diskusion“ und von „bärenstark“ als „beerenstark“; der exzessive Gebrauch der Konjunktion „oder“, wenn eigentlich „und“ gemeint ist (der Programmzettel erwähnte „Werke von Maurice Ravel, Manuel de Falla oder Béla Bartók“ – tatsächlich wurden hier alle drei Komponisten gespielt); und nicht zuletzt das Auslassen von Vokalen: Hier in Bonn ist man mächtig stolz auf den berühmtesten Sohn der Stadt, kürzt seinen Namen aber neuerdings zu einem unsäglichen BTHVN ab – eine bedauerliche und groteske Idee, die einer Marketingfirma mutmaßlich viel Geld eingebracht hat. Immerhin gibt’s den passenden Riesling vom Weingut Wegeler dazu; nach zwei, drei Flaschen spricht man den Namen des Bonner Meisters gewiss so aus.

Erfreulich hingegen ist immer wieder das Überraschende an den Programmen von DNL HP (Daniel Hope), dem man am Beethoven-Haus zur vorgezogenen Feier seines 50. Geburtstags carte blanche gegeben hatte. Mit Superstars wie PNCHS ZKRMN und einem erlesenen Freundeskreis wird dieser Tage in Bonn in fünf Konzerten die „BTHVN Woche“ zelebriert. Dieses alljährlich stattfindende Kammermusikfest geht auf keinen Geringeren als JSPH JCHM zurück, der 1890 diese schöne Tradition begründete.

Daniel Hope nun, seit 2020 Präsident des Beethoven-Hauses, hatte mal wieder ein schönes Programm im Zeichen von Völkerverständigung und kultureller Begegnung kuratiert, in diesem Fall als „Late Night Concert“ nach einem vorangegangenen 18-Uhr-Kammermusikabend im wunderbaren Saal des Beethoven-Hauses. In Kooperation mit der deutsch-indischen Gesellschaft wurden europäische Komponisten, die von fern-fremden Klängen inspiriert wurden, der japanischen und vor allem indischen Musik gegenübergestellt.

Dabei trafen zwei Meisterschüler aufeinander, die sich seit 25 Jahren kennen –  „Damals waren wir noch jung“, so Hope in seiner wie stets charmanten Moderation – und deren Lehrer intensiv und wegweisend miteinander musiziert haben: Hope ist Schüler von Yehudi Menuhin, und der Komponist und Sitar-Virtuose Gaurav Mazumdar ist Meisterschüler des legendären Ravi Shankar, dessen eine Tochter Anoushka die Sitar-Tradition der Familie fortführt, während das Debütalbum der anderen Tochter, Norah Jones, vor Jahren ähnlich penetrant in jedem zweiten Café abgedudelt wurde wie sonst nur noch der Soundtrack von Wim Wenders’ Buena Vista Social Club.

Gaurav Mazumdar, Facebook

Erstmalig wurde das Junge Theater in Beuel als Spielstätte genutzt, ein sehr schöner Saal, der eine wunderbare Atmosphäre verströmt. Wie es akustisch klingt, ist schwer zu sagen (vom Pantheon beim letzten Beethovenfest, ebenfalls in Beuel, war ich angenehm überrascht), da auch im rein „klassischen“ Teil des Konzerts (am Klavier: Simon Crawford-Phillips) unnötigerweise mit Mikros verstärkt wurde.

Junges Theater Bonn, Facebook

De Falla, Bartók und Ravels Tzigane gerieten für mein Empfinden etwas zu ruppig und stellenweise unsauber, was aber auch an besagter Verstärkung liegen könnte. Eine Entdeckung waren hingegen Ravels Kaddish (auch die jüdische Musik liegt Hope am Herzen) und Takemitsus Distance de Fée, beide von Crawford-Phillips und Hope wunderbar gespielt. Takemitsu war wie Ravel jazzaffin, aber das kurze Werk – eine zarte, intime Impression – hätte durchaus auch einer französischen Feder entstammen können. Schön gelangen bei de Fallas „musikalischen Postkarten“ (Hope) die pizzicati, die an eine spanische Gitarre erinnerten.

Highlight des Abends waren die beiden Ragas, ausführliche Improvisationen als Hommage an Menuhin und Shankar, bei denen die Violine oft die Motive des Sitars aufgriff. Beide Ragas steigerten sich zu einem wahren Rausch. Mitreißende Musik auf Augenhöhe. Begeistert war ich auch vom Tabla-Spieler Shabaz Hussein.

Unerfreulich war die Tatsache, dass besonders bei den Ragas unentwegt gefilmt und fotografiert wurde, als seien die bunt gewandeten indischen Gäste exotische Zirkustiere. Sagt man was, erntet man böse Bonner Blicke. Da muss man glatt schmunzeln, wenn Herr Mazumdar sich vor der letzten Zugabe höflich bei seinem „wonderful audience“ bedankt…

Insgesamt aber ein spannender Abend. LDWG hätte die Musik vermutlich gefallen.

Dr. Brian Cooper, 20. Mai 2023, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

BRN CPR

Beethovenfest 2021, Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125 mit dem Schlusschor über Friedrich Schillers Ode »An die Freude« (1822–24) World Conference Center Bonn, 20. August 2021, Saal New York

Umberto Giordano, SIBERIA Theater Bonn, Opernhaus, 12. März 2023 PREMIERE

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