Der Schlauberger 25: Das hat Stil! Heute – so werden böse Buben und Mädel verwöhnt

Der Schlauberger 25: Das hat Stil!  klassik-begeistert.de

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Wenn das kein Service ist! Der Einbrecher muss nur seiner Berufsbeschreibung folgen und einbrechen. Mehr nicht. Der Rest erledigt sich wie von selbst. Der freundliche Hausherr händigt ihm oder ihr, dem oder der Einbrechenden, höflich die Beute aus und kommt dem Unhold – oder von mir aus auch der Unholdin – sogar entgegen. Ich finde: Das hat Stil.

Das alles wird begleitet von einem durchaus angemessenen Umgangston: Diebesgut. Wobei die Betonung auf gut liegt.

Ich stelle mir nur die Frage: Was ist denn Diebesgut? Bezeichnet dieses freundliche Wort alles, was geklaut worden ist? Und bezeichnet es auch das, was nicht geklaut worden ist? Die Lösung stand in einer Zeitungsmeldung: Die Einbrecher „nahmen Geld aus einer Kaffeekasse mit. Weiteres Diebesgut ließen sie am Tatort zurück.“

Perfekt!

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Hochbegabt, aber knetbar: Wenn der Kühlschrank das Bier selbst bestellt

Liebe Freunde, das Abendland ist gerettet, denn: Die Intelligenz greift wild um sich!

Wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, hat keine Chance, ihr auszuweichen. „So wird Glas intelligent“ las ich kürzlich in der Zeitung. Darauf hat die Welt gewartet. Endlich! Wenn die fehlenden Synapsen in meinem Hirn durch Glas ersetzt werden würden, könnte ich beruhigt der Dummheit frönen.

Die machen das schon.

Genauso wie bei meinem Auto. Das hat intelligentes Licht. Ein Licht, das denkt, das Schlüsse zieht und das Werkzeuge benutzt. Das haben wir uns doch immer gewünscht. Es wird nur noch übertroffen vom intelligenten Kühlschrank, den ich jetzt in einer Werbung sah. Passen Sie auf: Der bestellt selbstständig neues Bier, wenn das alte aufgebraucht ist. Das soll nicht intelligent sein?

Jetzt bin ich gerade dabei, ihm den Unterschied zwischen ober- und untergärig, zwischen Weizen und Kölsch beizubringen. Dem Kühlschrank.

Und während er noch darüber nachdenkt, wie ich das wohl gemeint habe, bewundere ich meine Knete. Intelligente Knete natürlich. Was dachten Sie! Nicht so ’ne wabbelnde Masse Zeug für hochintelligente Kinder mit Defiziten in der Feinmotorik. Nein, meine Knete denkt mit. Habe ich im Internet entdeckt.

Mit dem intelligenten Spiegel, der in einem Versandhandel angeboten wird, habe ich jetzt versucht, eine Partie Schach zu spielen. Und soll ich Ihnen was sagen? Das war ein Fake! Der Spiegel ist dumm wie eine Kaltschaummatratze.

Den Hochbegabten unter uns mit einem IQ weit jenseits einer Blumenschale widme ich die Abteilung „Intelligente Sprüche“, die ich im Internet entdeckt habe. Auf Augenhöhe mit Albert Einstein ist dieser Reim einzuordnen: „Ein trojanisches Pferd stellt man nicht an den Herd.“

Woran wir noch arbeiten müssen, ist der intelligente Mensch. Und da habe ich einen Bruder im Geiste gefunden, jenen deutschen Philosophen, der dieses sagte: „Sokrates, Aristoteles und Platon haben sich vor 2000 Jahren Gedanken gemacht. Da sind wir noch auf den Bäumen gesessen. Seitdem haben sich nur ganz wenige weiterentwickelt.“ Sagt Franz Beckenbauer.

Nicht zu verwechseln mit Kurt Tucholsky: „Der Vorteil der Klugheit ist, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.“

Das gilt auch für die Knete.

Reinhard Berger, 14. November 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
zuerst in: HNA

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Reinhard Berger

Allerleikeiten
Reinhard Berger, geboren 1951 in Kassel, Journalist, Buchautor, Hunde- und Hirnbesitzer.
Vergänglichkeiten: Vor dem Ruhestand leitender Redakteur der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA).
Herzlichkeiten: verheiratet, zwei Söhne, zwei Schwiegertöchter, drei Enkel, ein Rottweiler.
Anhänglichkeiten: Bach, Beethoven, Bergers Nanne (Ehefrau).
Auffälligkeiten: Vorliebe für Loriot, Nietzsche, Fußball, Steinwayflügel, Harley-Davidson.
Öffentlichkeiten: Schlauberger-Satireshow, Kleinkunstbühne.
Alltäglichkeiten: Lebt auf einem ehemaligen Bauernhof.


www.facebook.com/derschlauberger

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Satirische Rätsel für Ausgeschlafene mit Lexikon für Sprachpanscher.
Wartberg-Verlag

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