DIE FREITAG-PRESSE – 7. OKTOBER 2022

DIE FREITAG-PRESSE – 7. OKTOBER 2022

Teodor Currentzis, Foto: © Anton Zavjyalov

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE FREITAG-PRESSE – 7. OKTOBER 2022

Teodor Currentzis: „Utopia ist nicht Teodors Orchester“
Das neue Ensemble des Stardirigenten gastiert in Wien. Ein Werkstattbesuch vorab.
WienerZeitung.at

Luxemburg
Utopia Orchester – Meister des Schweigens
Teodor Currentzis dirigiert zum ersten Mal sein neu gegründetes Utopia Orchester in Luxemburg: fabelhaft. Die Diskussionen um seine Person beendet er damit aber nicht.
SueddeutscheZeitung.de

Wien
Die Staatsoper braucht keinen Musikdirektor
Wie Philippe Jordan die Ereignisse schildert, waren sie nicht: Die Staatsoper hat seinen Vertrag schon im Juni per 2025 beendet. Kluges Vorgehen ist jetzt angezeigt
https://www.news.at/a/spitzentoene-staatsoper-musikdirektor-12732663

Wien/Musikverein
Wiener Symphoniker: Ingo Metzmacher dirigiert „Das Buch mit sieben Siegeln“
Unter dem deutschen Dirigenten gelingt eine mustergültige Aufführung von Franz Schmidts Oratorium – ohne Bombast und Glaubenskitsch.
DerStandard.at.story

Umjubeltes „Buch mit sieben Siegeln“
Ingo Metzmacher dirigierte Wiener Symphoniker und Wiener Singverein. Am Ende wurde der Wiener Singverein besonders gefeiert. Zu Recht. Kein Vokalensemble versteht sich derzeit so auf die vertrackten Herausforderungen des Chorparts von Franz Schmidts „Das Buch mit sieben Siegeln“
DiePresse.com.at

Wien/Musikverein
Offenbarung mit Unwuchten
Franz Schmidts „Buch mit sieben Siegeln“ im Musikverein.
WienerZeitung.at

Neu im Klangtheater
Grazer Musikprotokoll-Festival mit Komponistinnen
Das traditionsreiche Festival widmet sich heuer dem Thema der (zugeschriebenen) Identitäten
DerStandard.at.story

„Regina“ auf Schloss Pichl: Oper für alle mit allen
Ein Opernprojekt, das wichtige gesellschaftliche Themen behandelt wird am Donnerstag uraufgeführt: Gespräch mit den Komponistinnen Maria Gstättner und Laura Winkler
DerStandard.at.

Barenboim weiterhin krank
SueddeutscheZeitung.at

Sommereggers Klassikwelt 154: Ferruccio Busoni – ein in weiten Kreisen bekannter Komponist, Pianist und Lehrer
Der am 1. April 1866 in der Nähe von Florenz geborene Ferruccio Busoni war das einzige Kind eines italienischen Klarinettisten und einer deutschstämmigen Pianistin. Seine Eltern bestimmten ihn schon früh für eine musikalische Laufbahn. Der zweisprachig aufwachsende Ferruccio wurde anfangs von seinen Eltern im Klavierspiel unterrichtet, schon mit sieben Jahren komponierte er kurze Stücke für das Instrument. Bereits 1873 trat er in Triest erstmals als Konzertpianist öffentlich auf.
Klassik-begeistert.de

Blindendmarkt
Michael Garschall: „Operette muss heute frech und frivol sein“
Niederösterrreichische Nachrichten.at

Berlin
Der tragische Held: Die Walküre an der Staatsoper Berlin
bachtrack.com.de

Münster
Křeneks „Leben des Orest“ : Der eine Körper des Königs
FrankfurterAllgemeine.de

Regensburg
Der neue Intendant inszeniert selbst: Gottfried von Einems „Der Prozess“ am Theater Regensburg
NeueMusikzeitung.nmz.de

Der Mit- und Gegenspieler
Sebastian Ritschel übernimmt die Leitung des Theaters Regensburg. Bei der Premiere seiner Inszenierung von Gottfried von Einems Oper „Der Prozess“ muss er gleich selbst eingreifen.
SueddeutscheZeitung.de

Wo sind denn alle? Kulturszene rätselt über Zuschauerschwund
Einige Theater, Kabarettbühnen und Konzerthäuser tun sich nach Corona schwer, Publikum anzulocken. Auch Bereiche wie Kino und Pop stehen vor neuen Herausforderungen. Woran liegt es? Eine KURIER-Serie zu den Ursachen.
Kurier.at.kultur

Wien/Staatsoper
Ein stammtischstumpfer Vorwurf und eine an Perfidie kaum zu überbietende Breitseite
Die Welt.de

Basel
Der Idylle ist nicht zu trauen: Richard Strauss’ „Salome“ am Theater Basel
NeueMusikzeitung/nmz.de

Medien
Super-App für Musiker – Hier finden Sie, was bisher nur schwer zu bekommen war
DieWelt.de.wirtschaft

Links zu englischsprachigen Artikeln

Valencia
Palau de Les Arts 2022-23 Review: Anna Bolena
Eleonora Buratto Delivers Stunning Debut in Respectful & Insightful Production
operawire.com

London
Grey, grey and more grey: Aida, at the Royal Opera House, reviewed
https://www.spectator.com.au/2022/10/fifty-shades-of-grey-4/

Twists and tweaks abound in Christof Loy’s new well cast Tosca for ENO
seenandheard.international.com

New York
Review: “Tosca” Returns, Defined by Its Quiet Moments
Aleksandra Kurzak, moving into heavier repertoire with Puccini’s opera, played the title diva as touchingly human.
TheNewYorkTimes.com

Kurzak and Fabiano star in a fresh, lyrical Tosca at the Met
bachtrack.com.de

Kurzak provides most of the heat in Met’s simmering “Tosca”
NewYork.classical.review

New Vork
Mariinsky Theatre Mezzo to Perform at Metropolitan Opera After Showing Support for Gergiev
operawire.com

The phenomenal Raehann Bryce-Davis in recital for The George and Nora London Foundation for Singers
seenandheard.international.com

Sydney
“A period of rebirth”: Lyndon Terracini steps down early from Opera Australia
The artistic director has resigned a year before his contract ends – within a week of former ACCC chair Rod Sims taking the beleaguered company’s helm
TheGuardian.com.culture

Pinchgut Opera announces its 2023 season
With an Australian premiere by Legrenzi and a masterpiece by Handel, the company continues its tradition of breathing new life into unknown or rarely performed works.
https://limelightmagazine.com.au/news/pinchgut-operas-2023-season/

Recordings
Classical home listening: Sibelius songs; The Future Is Female: Vol 2
TheGuardian.com.music

Books
Cast a Diva – Lyndsy Spence on the Challenges of Digging into the True Story of Maria Callas the Woman
operawire.com.casta.diva

Visual Arts
Lucian Freud: New Perspectives, National Gallery review – a powerful punch in the gut
The complexity of human relationships laid bare in centenary show of the artist who always disturbs theartsdesk.com.visual

Ballett/Tanz

London
Sex, scandal and Sisi: MacMillan’s Mayerling opens The Royal Ballet season
bachtrack.com.de

Sprechtheater

Burgtheater: Martin Kušej will nur über die volle Distanz gehen
„Ich mache fünf Jahre. Und das ist, glaube ich, ganz richtig so“, sagt der Direktor. Denn: „Die Stimmung ist supergut hier.“
Kurier.at

Literatur

Der Literaturnobelpreis 2022 geht an die Französin Annie Ernaux
Am Donnerstag ging die Auszeichnung an die französische Schriftstellerin. Sie wusste noch nichts von dem Preis.
Kurier.at

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Unter’m Strich

Biden schockt mit „Armageddon“-Aussage
US-Präsident Joe Biden sieht angesichts der jüngsten Entwicklungen im Ukraine-Krieg die Gefahr einer atomaren Konfrontation mit katastrophalen Folgen so groß wie seit 60 Jahren nicht mehr. Die Welt habe seit der Kuba-Krise im Jahr 1962 nicht vor der Aussicht auf ein „Armageddon“ gestanden, sagte Biden am Donnerstag bei einem Auftritt in New York. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Präventivschlag der NATO gegen Russland gefordert, um „die Möglichkeit eines Atomwaffeneinsatzes auszuschließen“. Der Kreml kritisierte die Äußerungen Selenskyjs scharf und warf ihm vor, „zum Beginn des dritten Weltkriegs“ aufzurufen.
https://www.krone.at/2826050

Steuervergehen: Bidens Sohn Hunter droht Anklage
Dem Sohn des amtierenden US-Präsidenten drohen offenbar ähnliche juristische Probleme wie mehrerer Mitglieder der Trump-Familie, die wegen Finanzbetrugs angeklagt ist. Ermittler im Fall von Hunter Biden haben nämlich einem Zeitungsbericht zufolge genügend Beweise für Steuervergehen gefunden.
https://www.krone.at/2826076

Österreich
Mehr Regeln für Inserate
Koalition einig bei Medienförderung neu
Die Bundesregierung hat sich nach Gesprächen mit Branchenvertreterinnen und -vertretern und Fachleuten auf ein Medienpaket geeinigt. Dieses sieht verschärfte Transparenzbestimmungen bei der Inseratenvergabe öffentlicher Stellen und eine neue Medienförderung vor. Letztere soll Rahmenbedingungen unterstützen, die die Qualität des Journalismus steigern. Ein entsprechender Ministerratsvortrag wurde am Mittwoch im Ministerrat eingebracht.
https://orf.at/stories/3288247/

INFOS DES TAGES (FREITAG, 7. OKTOBER 2022)

INFOS DES TAGES (FREITAG, 7. OKTOBER 2022)

Quelle: onlinemerker.com

HEUTE ALS STREAM: DIE NEUE WIENER STAATSOPERN-PRODUKTION

playx

https://play.wiener-staatsoper.at/
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ASMIK GRIGORIAN ALS JENŮFA AN DER WIENER STAATSOPER (ab 9.10.)

Wiederaufnahme von Leoš Janáčeks Meisterwerk am 9. Oktober 2022

krik

Uraufgeführt bereits 1904 startete Leoš Janáčeks bekannteste Oper 1918 nach der Wiener Erstaufführung ihre Weltkarriere – nun wird das Meisterwerk Jenůfa am 9. Oktober 2022 im Haus am Ring hochkarätig besetzt wieder aufgenommen.

Jenůfa, das ist die Geschichte einer jungen Frau, die in der dörflichen Enge zum Spielball der menschlichen Gewalt, des Egoismus und des Grauens wird. Sie steht zwischen zwei Männern – der eine verletzt sie körperlich, der andere seelisch –, ihre Ziehmutter, die Küsterin, ermordet ihr Kind. Und doch: Jenůfa gibt nicht auf und findet Kraft zum Verzeihen.

In der exemplarischen Inszenierung von David Pountney, die 2002 ihre erfolgreiche Premiere an der Wiener Staatsoper feierte und bis heute nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat, ist Ausnahmesopranistin Asmik Grigorian hier erstmals als Jenůfa zu erleben. Für sie ist die Schönheit der Musik, die durch alle Grausamkeiten der Handlung leuchtet, berührend: »Ich liebe diesen Kontrast sehr! In der Schönheit der Musik zeigt sich für mich, dass alles im Leben zum Licht strebt – das ist etwas, woran ich glaube. Selbst das Dunkelste, das am weitesten vom Licht Entfernte, will ins Helle. Auch das erzählt die Musik, das ist ihr Geheimnis und das Schöne!«

Ein am Haus neuer Name ist David Butt Philip, der als Laca zu hören ist. Der international gefragte britische Tenor wird im Haus am Ring demnächst auch als Walther in der Meistersinger-Premiere zu Gast sein; ein weiteres Hausdebüt gibt die tschechische Sopranistin Eliška Weissová als Küsterin. Den Števa singt hier erstmals Michael Laurenz.

Die musikalische Leitung übernimmt Tomáš Hanus. Er debütierte an der Wiener Staatsoper 2017 mit Rusalka und dirigierte hier außerdem noch Hänsel und Gretel sowie 2020 die Premiere von Eugen Onegin. »Janáček hatte eine fantastische Intuition, die innere Melodie und die emotionale Spannung der menschlichen Sprache genau zu erkennen und sie in idealer Weise in Musik zu fassen. Es gibt in Jenůfa Phrasen, die einem so wahrhaftig, so ohne jegliche Künstlichkeit erscheinen, als ob sie ganz aus menschlichem Fleisch und Blut wären. Hier wirkt nichts gebaut oder konstruiert, alles zutiefst lebensnah!«, so der Dirigent.

Jenůfa im Livestream

Auf der Streaming-Plattform der Wiener Staatsoper play.wiener-staatsoper.at wird die Vorstellung am 15. Oktober weltweit live und kostenlos gestreamt (Registrierung erforderlich).


Oper Frankfurt: Der Kurzfilm zu „Die Zauberflöte“ ist freigeschaltet

der Kurzfilm von Thiemo Hehl zur Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte (Musikalische Leitung: Steven Sloane; Regie: Ted Huffman) im Internetauftritt der Oper Frankfurt ist freigeschaltet:

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https://oper-frankfurt.de/de/spielplan/die-zauberfloete_2/?id_datum=3155

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LÜBECK: LOHENGRIN – Premiere am 4. September 2022

Guter Start in die neue Saison

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Foto: Jochen Quast

Vom Regisseur Anthony Pilavachi ist man in der Hansestadt Lübeck, an dem Theater, wo Thomas Mann seinen Wagner kennenlernte, immer Gutes gewohnt. Von 2007-09 inszenierte er hier einen „Ring des Nibelungen“ der sich international sehen lassen konnte, trotz einiger Ungereimtheiten, wie der Tatsache, dass Erda mit der kleinen Brünnhilde schon im „Rheingold“ auftritt und der Wanderer Erda im „Siegfried“ erwürgt. Aber so etwas ist ja mittlerweile fast schon zur Regel des Wagnerschen Regietheaters geworden, obwohl es keinen Sinn macht. 2012 und 2013 inszenierte Pilavachi noch einen gelungenen „Parsifal“ und ebenso eindrucksvoll „Tristan und Isolde“. So gab es also guten Grund, erneut die doch relativ weite Reise von Wien an die Ostsee anzutreten, um seine Premiere des „Lohengrin“ zu sehen und zu hören. Und grosso modo wurde man auch nicht enttäuscht.

Erfreulich schon, dass sich der Vorhang nicht gleich zu Beginn des ätherischen Vorspiels hebt, sondern erst etwa zur Hälfte. Dann wird es aber gleich heftig. Denn man sieht, wie Ortrud mit Hilfe Telramunds dem kleinen Gottfried die Kehle aufschlitzt, ihn in ein Kellerverlies entsorgt, das Messer der schlafenden Elsa vor die Hände legt und sein kleines Jäckchen mitten auf die Bühne wirft, sodass es die Brabanter gleich sehen können und auch die vermeintliche Täterin haben. Dieser kriminelle Akt kommt Wagners Intention immerhin näher als die abstruse Vorstellung von Jossi Wieler, Sergio Morabito und Anna Viebrock bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen, wo Elsa den Kleinen – auch während des Vorspiels – umbringt und die „Lohengrin“-Geschichte nur „inszeniert“, um die Brabanter von ihrer Mordtat abzulenken. Bei Anthony Pilavachi steht – im Übrigen völlig werkgerecht – die gleichzeitige Behandlung von politischen und persönlichen Themen in Wagners Romantischer Oper im Vordergrund. Die Rittergeschichte, an die „Lohengrin“ anknüpft, war ihm nur ein Vorwand für seine Botschaft, die seine Gegenwart betraf, nämlich ein Künstler zu sein, der in der realen Welt keine Heimat findet. Ähnlich könnte man Wagners Intention auch beim „Tannhäuser“ sehen, wie ja überhaupt viele seiner Bühnenwerke autobiographische Züge aufweisen. Dazu ist sicher auch Wotan ebenso wie Fricka (als seine erste Frau Minna) zu rechnen.

Pilavachi zeigt die Brabanter als völlig herunter gekommenes Volk, das schon im Schlamm watet und alle Zeichen der Verwahrlosung trägt. Die vier Edelknaben, hier junge Damen (Therese Meinig, Nataliya Bogdanova, Frederike Schulten und Iris Meyer), verkörpern eher leicht zugängliche Prostituierte als Edles… Das verfallene Bühnenbild, eine ruinöse Kathedrale, von Tatjana Ivschina, symbolisiert ebenfalls die Ästhetik des Verfalls und gesellschaftlichen Kontrollverlusts. So ist es ein Leichtes für die wohl nur vordergründig  elegant gekleideten Sachsen unter Heinrich dem Vogler als opportunistischem Politiker herzukommen und die Brabanter als Söldner zu werben für den Waffengang gegen die Ungarn. Elsa ist de facto, wie es der Regisseur in einem Gespräch im Programmheft formuliert „wie ein heller weißer Schwan inmitten von Schmutz und Dreck.“ Das Bühnenbild rotiert immer wieder sinnvoll, um kleinere Räume zu bilden für neue Szenen und Dialoge, wie zum Beispiel zwischen Ortrud und Telramund im 2. Akt. Hier entsteht dann sogar eine gewisse optische Intimität.

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Anton Keremidtchiev, Bea Robein. Foto: Jochen Quast

Im weiteren Verlauf, und das ist ein guter und relevanter Ansatz, versucht Pilavachi Elsas Wunsch zur Selbstbestimmung zu zeigen, der ihr aber ständig verwehrt wird, erst von den Brabantern, dann in besonderem Maße von Ortrud und Telramund. Sie erlebt letztlich keine eigene Identität, was in Lübeck dramaturgisch effektvoll und nachvollziehbar herausgearbeitet wird. Und sie kann sie auch nicht über Lohengrin erreichen, der seine Identität nicht einmal preisgeben kann. Pilavachis Ansicht, das seine (vermeintliche) Suche nach der eigenen Identität dadurch verdeutlicht werde, dass er seinen Namen nicht nennen kann, ist wohl kaum beizupflichten. Lohengrin hat sehr wohl eine ganz klar umrissene Identität, wie er in der Graslerzählung später darlegt. Nur ist er auf der Suche nach sich selbst als Mensch, vielleicht nach dem ultimativen Sinn seines Lebens, wohl über Elsa – obwohl er sie nach einem Jahr wieder verlassen will/muss. Ihre Beziehung kann nicht gelingen, denn sie verstehen sich beide nicht, was im 3. Akt besonders deutlich wird. Elsa, und da hat der Regisseur völlig Recht, will eine gleichberechtigte Frau sein, was aber zu Wagners Zeiten noch Utopie war. Das ist die persönliche Ebene, die sich auch beim dem dunklen Paar vollzieht. Sie werden von schweren Gewissensbissen angesichts der Mordtat geplagt, was Pilavachi dadurch zeigt, dass der kleine Gottfried immer wieder mal über die Bühne wandelt, ihr Gewissen belastend.

So sind der 1. und 2. Akt der Lübecker Neuinszenierung durchaus sinnvoll, dramaturgisch nachvollziehbar und auch optisch nach diesem Regiekonzept gut in Szene gesetzt. Das ändert sich leider im 3. Akt, als ausgerechnet während des Vorspiels Heinrich der Vogler sturzbesoffen von der Hochzeitsparty auf einem Stuhl in seiner Unterhose hängt und von den vier „Edeldamen“ à la „Hoppe, hoppe Reiter“ bestiegen wird. Hier geht die Vorstellungskraft des Absurden und Unpassenden wieder mal mit Pilavachi durch. Die Brabanter befinden sich schon in Tarnanzügen nach erfolgreicher Mobilmachung… Das Schwert (Lohengrins) beherrscht von Anfang an den Bühnenvordergrund, wie ein Symbol für Gerechtigkeit in dieser falschen Welt – ein guter Regieeinfall!

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Anna Gabler, Peter Wedd. Foto: Jochen Quast

Beim Sängerensemble gab es viel Licht, aber auch etwas Schatten. Anna Gabler sang eine intensive und auch darstellerisch überzeugend auf ihre Identität pochende Elsa, mit kraftvollem, manchmal etwas unruhigem Sopran. Peter Wedd konnte als Lohengrin nur bedingt überzeugen. Er wirkte wie ein alter Mann, den generellen Vorstellungen eines Lohengrin geradezu widersprechend. Aber es sollte wohl auch so gemeint sein. Bei guter Diktion ist das Timbre nicht sehr schön, lässt es an tenoraler Strahlkraft missen. Webb hat kein Charisma für die Rolle. Aber vielleicht wollte der Regisseur ihn auch als Betrüger zeigen, was er im Programmheft als eine Möglichkeit für die Figur andeutet. Dazu würde dann aber die Musik Wagners ganz und gar nicht passen! Und schon gar nicht die Gralserzählung. Rúni Brattaberg ist als Heinrich der Vogler vokal völlig daneben. Die Stimme schleift, bricht in den Höhen nahezu ab und hat auch kaum Tiefe. Eigentlich hätte er sich ansagen lassen sollen. Dies tat aber Anton Keremidtchiev als Telramund, der diesen daraufhin wunderbar sang, mit guter Nuancierung und viel Ausdruck, bei bester Diktion. Bea Robein war ihm mit ihrem kraftvollen Mezzo eine Partnerin auf Augenhöhe, sodass, auch darstellerisch, die Szenen des dunklen Paares zu den Höhepunkten des Abends zählten. Jacob Scharfman war ein begnadet singender Heerrufer und empfahl sich hiermit zweifellos für größere Aufgaben.

Stefan Vladar zauberte mit dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck einen musikalisch großartigen „Lohengrin“ mit viel Feingefühl für die vielen subtilen Momente, was schon im Vorspiel offenbar wurde. Auch die großen Szenen mit den bestens gespielten Fanfaren im Saal und dem Chor gelangen eindrucksvoll. Das Orchester ließ zu jedem Zeitpunkt erkennen, dass es nach den vielen Jahren mit den größten Werken des Komponisten über eine hohe Wagner-Kompetenz verfügt. Der von Jan-Michel Krüger einstudierte Chor und Extrachor des Theater Lübeck fügte sich harmonisch und dramatisch bestens in das musikalische Gesamtbild ein. Lübeck ist mit diesem „Lohengrin“ beachtlich in die Saison 2022/23 gestartet.

Klaus Billand

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Esterhazy Betriebe GmbH.: Spatenstich Seebad Breitenbrunn/Burgenland

Die Modernisierung des Seebad Breitenbrunn trägt aktiv zur Belebung des Tourismus in der Region bei. Das naturnahe und umsichtige Konzept dafür ist in enger Zusammenarbeit mit dem Welterbe-Gestaltungsbeirat entstanden. Am Donnerstag, den 13. Oktober, laden wir Sie als PressevertreterIn herzlich ab 10:30 Uhr zur Pressekonferenz anlässlich des Spatenstichs für die nächste Modernisierungsphase des Seebads ein.

Donnerstag, 13. Oktober 2022
Beginn: 10:30 Uhr
Treffpunkt: Bautafel neben Kassencontainer am großen Parkplatz
Seebad Breitenbrunn, 7091 Breitenbrunn

Ablauf:
10:30 Uhr Begrüßung & Projektpräsentation
•    DI Matthias Grün, Vorstand der Esterhazy Stiftungen
•    Mag.a Astrid Eisenkopf, Landeshauptmann-Stellvertreterin des Burgenlandes
•    Helmut Hareter, Bürgermeister von Breitenbrunn
•    Mag. Jürgen Narath, Leitung Esterhazy Immobilien
•  Architekt Dipl.-Ing. Gregor Hoffelner und Architekt Dipl.-Ing. Sebastian Schmid, Studio Hoffelner Schmid
•    Dipl.-Ing. Korbinian Lechner, korbwurf landschaftsarchitektur
•    DI Dr.techn. Gerald Höninger, Geschäftsführer Dywidag, Generalunternehmer

ca. 11:15 Uhr offizieller Spatenstich

Im Anschluss laden wir zu regionalen Köstlichkeiten von der Rollenden Markthalle ein.

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