Cimarosa in Martina Franca: eine entstaubte "Heimliche Ehe" - das Meisterwerk glänzt wie neu, ist aktuell und unterhaltsam

Domenico Cimarosa, Il Matrimonio Segreto, Festival della Valle D’Itria Martina Franca, Palazzo Ducale, 3. August 2019

Foto: © Paolo Conserva
Domenico Cimarosa, Il Matrimonio Segreto,

Festival della Valle D’Itria Martina Franca, Palazzo Ducale, 3. August 2019

von Bruno Tredicine

„Il matrimonio segreto“ (Die heimliche Ehe) ist, abgesehen von den Opern Mozarts, eine der wenigen Opern des 18. Jahrhunderts, die seit ihrer Uraufführung immer wieder aufgeführt wurden.
Nach einer bekannten Anekdote, wünschte Leopold II. am Ende der ersten Vorstellung 1792, dass nicht nur einige Stücke, sondern gleich die gesamte Oper wiederholt würde.

Das kann man gut verstehen: die Partitur ist ausgezeichnet, die Musik erobert die Zuhörer im Sturm, und das Libretto von Giovanni Bertati scheint noch heute modern und unterhaltsam.

Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Bertati  von Leopold dem II. den Titel „Poet der kaiserlichen Theater“ verliehen bekam, den bis dahin Lorenzo Da Ponte innehatte. Für Da Ponte war dies zunächst schwer zu ertragen; dennoch kam „die heimliche Ehe“ später unter seiner künstlerischen Leitung in London zur Aufführung. In der Tat verbreitete der Erfolg der „Heimlichen Ehe“ sich in die wichtigsten Städte Europas.

Nun wurde das Festival della Valle d’Itria 2019 in Martina Franca am 16. Juli mit „Il matrimonio segreto“ eröffnet. Nach drei weiteren Aufführungen konnten wir diese vergnügliche Vorstellung am 3. August im Hof des Palazzo Ducale genießen.

Quelle: Wikipedia CC BY-SA 4.0 Anna Marangi

Regisseur Pier Luigi Pizzi, fast neunzig, ist eine prominente Persönlichkeit in der italienischen Theater- und Opernwelt, er entstammt derselben Generation wie Giorgio Strehler oder Franco Zeffirelli. Er hat die Oper wie eine „sophisticated comedy“ humorvoll inszeniert. Das von ihm entworfene Bühnenbild erzeugte eine Atmosphäre, die an die siebziger Jahre erinnerte. Dieser Stil spiegelte sich auch in den wunderschönen Kostümen wieder, die Pizzi bereits in Sartoria Latorre gewählt hatte.

Don Geronimo war diesmal als Kunsthändler dargestellt – sein Haus ist voller Bilder und Objekte von modernen Künstlern.
Leider galt auch diesmal die Ouvertüre als Hintergrund für eine Pantomime, wie es heutzutage unvermeidlich scheint, (wir sehen die zwei Verliebten, die sich am Morgen begrüßen, sie im Morgenrock, er trägt Boxershorts). Dann beginnt zum Glück die Aufführung – lebhaft wie eine echte Komödie!
Das Libretto wurde originalgetreu beibehalten und zeigte sich einwandfrei für den modernen Hintergrund geeignet.

Marco Filippo Romano beeindruckt als Geronimo. Mit perfekter Stimmresonanz ist er auf intelligente Weise lustig und humorvoll, ohne seine Rolle dabei zu karikieren.

© Paolo Conserva

Benedetta Torre und Alasdair Kent bilden ein sehr schönes Paar.
Sie singt die Carolina mit einem glänzenden Sopran, besonders gut in der berühmten Arie „Perdonate signor mio“ !
Ihre Schwester Elisetta interpretiert Maria Laura Iacobellis mit einer gut timbrierten, beweglichen Stimme. Ihr Gesang beeindruckt besonders in ihrer wichtigen Arie „Se son vendicata“ im zweiten Akt.
Szenisch elegant als Grand Dame gibt Ana Victoria Pitts ihrer Fidalma humorvolle Akzente und eine ironische Phrasierung.

© Paolo Conserva

Als „Tenore di grazia“ wirkt Alasdair Kent gut. Seine Stimme ist nicht besonders kraftvoll aber mit einem guten Legato und einem warmen Timbre. Die zarten Töne der berühmten „Pria che spunti in ciel l’aurora“ sind sehr gut dosiert.

Bariton Vittorio Prato spielt und singt den Robinson, sowohl mit tiefen homogenen Tönen als auch mit guter schauspielerischer Intuition. Dies zeigt er besonders in dem bekannten Bass-Bariton Duett mit Geronimo, das den zweiten Akt eröffnet – die beiden Stimmen passen perfekt zueinander.

Der junge Dirigent Michele Spotti hatte die Partitur gut im Griff und ließ sie  schon von Anfang an, bereits in der spritzigen Ouvertüre, mit Energie und Lebhaftigkeit erklingen.
Mit guter Intuition passt Spotti die richtigen Klangfarben den verschiedenen Szenen an. Auch die pathetischen und lyrischen Momente sind sehr gut gestaltet, mit einer ständigen Balance zwischen dem Orchester und den Stimmen auf der Bühne (das beste Beispiel war das Quartett am Ende des ersten Aktes „Che tristo silenzio“).
Unter seiner Leitung spielt das Orchester des Teatro Petruzzelli di Bari mit Sorgfalt und Präzision.

Insgesamt ein festlicher Abend, das Publikum war amüsiert und feierte die Künstler bereits am Ende des ersten Aktes, noch mehr jedoch zum Schluss, begeistert und warmherzig.

Bruno Tredicine, 16. August 2019
für klassik-begeistert.de

Dramma giocoso di Domenico Cimarosa
Libretto di Giovanni Bertati
Dirigent        Michele Spotti
Regie, Bühnenbild und Kostüme Pier Luigi Pizzi
Licht / Regieassistent Massimo Gasparon
Geronimo Marco Filippo Romano
Elisetta Maria Laura Iacobellis
Carolina Benedetta Torre
Fidalma Ana Victoria Pitts
Conte Robinson Vittorio Prato
Paolino Alasdair Kent
Orchestra del Teatro Petruzzelli di Bari

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