DVD-Rezension: Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville, Titon et l’Aurore

DVD-Rezension: Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville, Titon et l’Aurore,  klassik-begeistert.de

Eine Bereicherung des Repertoires dürfte diese Oper nicht darstellen, ist trotzdem musikhistorisch interessant.

Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville
Titon et l’Aurore

Les Arts Florissants
William Christie Dirigent

DVD Rezension
Naxos NBDO131V

von Peter Sommeregger

Der Komponist Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville war ein Vertreter des Französischen Barock, der in den 1750er Jahren und danach in offener Konkurrenz zum rivalisierenden Italienischen Stil stand. Frankreich und seine Komponisten gingen einen eigenen Weg, den man heute als etwas strenger und spröder beurteilt. Zu Lebzeiten des Komponisten war das Schäferspiel Titon et l’Aurore erfolgreich und häufig aufgeführt.

Die simple Handlung um die Liebe der Göttin Aurora zum einfachen Schäfer Titon, die zwei anderen Göttern, nämlich  Έole und Palès auf Grund von deren Begehrlichkeiten ein Dorn im Auge ist, kommt in Form eines naiven Schäferspiels auf die Bühne. Der Regisseur und Puppenspieler Basil Twist setzt dabei auf die Niedlichkeit der Schafherde, die in Form von Puppen bis hin zum Schafsballett prominent eingesetzt werden. Das ist nicht ohne Witz, ermüdet als running Gag aber nach einer Weile. Die Handlung ist im Grunde sehr dünn für ein abendfüllendes Spektakel, auch die Szenerie bietet nicht viel Abwechslung.

So ruht die Verantwortung für das Gelingen zur Gänze auf den Schultern der Solisten. Reinoud van Mechelen und Gwendoline Blondeel in den Titelrollen erfreuen mit frischen, jugendlichen Stimmen, werden aber durch die beiden Gottheiten in Gestalt von Marc Mauillon und Emmanuelle de Negri deutlich überstrahlt. Sie haben eindeutig die attraktiveren Rollen. Julie Roset als Amour und Renato Dolcini als Prométhéé ergänzen das kleine Ensemble, das von der Truppe William Christies, Les Arts Florissants nach Kräften unterstützt wird. William Christie ist es, der sich unermüdlich der Erforschung der Französischen Opernliteratur des Barock widmet, und immer neue in Vergessenheit geratene Schätze hebt.

In diesem speziellen Fall fehlt es der im Januar 2021 pandemie-bedingt ohne Publikum in der Opéra Comique in Paris aufgezeichneten Aufführung  an überzeugenden Höhepunkten. Erst in der umfangreichen Schluss-Apotheose stellt sich eine gewisse Strahlkraft der Musik ein, die man bis dahin vermisst hatte. Eine Bereicherung des Repertoires dürfte diese Oper nicht darstellen, die aber trotzdem musikhistorisch interessant ist.

Peter Sommeregger, 22. Dezember 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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