Die hohe Kunst des vollendeten Klavierspiels: Elisabeth Leonsjaka zelebriert russische und sowjetische Komponisten

Elisabeth Leonskaja, Prokofjew, Schostakowitsch, Schnittke, Tschaikowsky,  Konzerthaus Berlin, 15. März 2022

Elisabeth Leonskaja (Foto: Marco Borggreve)

Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt, Großer Saal, 15. März 2022

Elisabeth Leonskaja, Klavier

Sergej Prokofjew (1891–1953)
„Sarkasmen“ op. 17


Dmitri Schostakowitsch (1906–1975)
Klaviersonate Nr. 2 h-Moll op. 61

Alfred Schnittke (1934–1998)
Variationen über einen Akkord

Pjotr Tschaikowsky (1840–1893)
Klaviersonate G-Dur op. 37

Zugaben
Pjotr Tschaikowsky
Valse sentimentale op. 51

Sergej Rachmaninoff (1873-1943)
Prélude cis-moll op. 3 Nr. 2

von Tony Kliche

Die Fassade des Berliner Konzerthauses am Gendarmenmarkt erstrahlt solidarisch in den Farben der ukrainischen Flagge und empfängt dieser Tage zu einer Dmitri Schostakowitsch gewidmeten Hommage „Ein Leben ZWISCHEN WELTEN“ (15. bis 27. März 2022) mit vielfältigen Programmpunkten zum Leben und Schaffen des großen Komponisten.

Ein musikalisch hochkarätiger Auftakt hierzu war das Solo-Klavierrezital von Elisabeth Leonsjaka, deren komplex-vielschichtiges Programm mit Schwerpunkt auf sowjetischen Komponisten das Berliner Publikum in Beifallsstürme versetze. Leonskaja, die weltweit gefeierte Pianistin, ist quasi  eine Zeitgenossin von drei der von ihr interpretierten Tonschöpfer.

Den Auftakt bildeten Sergej Prokofjews fünfteilige, charakterlich sehr unterschiedliche „Sarkasmen“ op. 17 aus den Jahren 1912 bis 1914, die sich auch heutigen Hörgewohnheiten nicht unmittelbar erschließen aber von Leonskaja mit erschütternd klarer Direktheit und Nahbarkeit gespielt wurden. Die gerade einmal sieben Minuten dauernden und sehr selten aufgeführten miniaturartigen „Variationen über einen Akkord“ von Alfred Schnittke führten gewissermaßen Prokofjews stürmisch-groteske Gedanken fort.

Als Höhepunkte des Klavierabends sind die zwei großen pianistisch überaus anspruchsvollen Klaviersonaten von Schostakowitsch und Tschaikowsky anzusehen. Erstgenannter widmete seine Sonate in h-Moll seinem 1942 verstorbenen Klavierlehrer Leonid Nikolajew und reflektierte in grüblerisch-melancholischer Weise über die in seinem Schaffen bis dahin lange vernachlässigte Kunstform. Elisabeth Leonskaja vermochte es die großen motivisch-thematisch Bögen im frei gestalteten zweiten Satz mit ihrer ruhigen Erscheinung und einer beeindruckenden Konzentration sinngebend zu gestalten. Was in der finalen Chaconne musikalisch gedankenverloren zu zerfallen droht, einte sie konsequent und geradezu plastisch veranschaulicht.

Die „Grande Sonate“ von Pjotr Tschaikowsky war vor allem für diejenigen ein musikalischer Glücksmoment, die wohlklingende Klaviermelodien zu hören wünschten. Pianistische Akkuratesse wurde hier mit kraftvoll, nahezu maskulinem Anschlag zum großen Ereignis. Die beiden mitunter etwas langen und sperrigen ersten Sätze standen im starken Kontrast zu den ausgelassenen Tanzrhythmen, die reich an russischer Folklore sind. Das Publikum verharrte nach den letzten verklingenden Akkorden nicht ruhig auf seinen Plätzen und spendete der großen Künstlerin, die auch als „Hohepriesterin des Klavierspiels“ angesehen wird reichen lautstarken Beifall. Elisabeth Leonskaja bedankte sich mit zwei Zugaben, der Valse sentimentale op. 51 von Tschaikowsky und dem berühmten cis-moll Prélude von Sergej Rachmaninoff.

Tony Kliche, 16. März 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Elisabeth Leonskaja, Gerhard Schulz Wiener Konzerthaus

Elisabeth Leonskaja, Elbphilharmonie Hamburg

Artemis Quartett, Elisabeth Leonskaja, Wiener Konzerthaus

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.