Erl nimmt wieder an Fahrt auf

Engelbert Humperdinck, Die Königskinder  Festspielhaus Erl, 17. Juli 2021

Die Festspiele bringen Engelbert Humperdincks „Königskinder“ in einer exzellenten Inszenierung auf die Bühne.

Engelbert Humperdinck, Die Königskinder
Festspielhaus Erl, 17. Juli 2021

„Die Königskinder“, Foto: Xiomara Bender/Tiroler Festspiele Erl

von Dr. Charles E. Ritterband

Nachdem der Skandal um Gustav Kuhn – den Gründer der Tiroler Festspiele Erl und dort jahrelang als Dirigent und Regisseur namentlich von Wagners „Ring“ erfolgreich – abgeebbt und nun auch in der Covid-Pandemie eine Entspannung eingetreten ist, kann Erl aufatmen: Die Festspiele haben wieder voll Fahrt aufgenommen und dies überaus erfolgreich und vor vollen Häusern. Auf dem Programm stehen selbstverständlich Werke aus Wagners Kernrepertoire – „Das Rheingold“ und „Lohengrin“, aber auch Engelbert Humperdincks selten gespielte Oper „Königskinder“ und ein Jazz-Abend mit Christian Muthspiel.

Der südafrikanische Regisseur Matthew Wild verstand es ausgezeichnet, die Magie des alten Märchens mit der harten, ja brutalen Realität unserer Tage zu kontrastieren und gleichzeitig zu verschmelzen. Die Hexe (Katharina Magiera) haust mit der von ihr verzauberten Gänsemagd (Karen Vuong) in einem schmuddeligen Wohnwagen, der später als Würstelstand dient und, als die Hexe vom Pöbel verbrannt wird, in ausgebranntem Zustand, noch schwelend und rauchend, diese Mordtat eindrücklich verkörpert. Die Idylle des ersten Aktes, als sich Gänsemagd und Königssohn (Gerard Schneider) am Bach begegnen und ineinander verlieben, wird hart kontrastiert mit einer Art Stadion im zweiten Akt, wo das Volk der „Hellastadt“ den als Bettler auftretenden Königssohn nicht anerkennt, verprügelt und aus der Stadt jagt.

Und im dritten Akt hat sich der frühlingshaft-idyllische Schauplatz der ersten Begegnung der verkannten Königskinder in eine harsche Winterlandschaft verwandelt, in der die beiden Liebenden den Tod finden – nachdem der Königssohn seine goldene Krone bei den beiden nunmehr im ausgebrannten Wohnwagen hausenden Ganoven (Holzhacker Magnús Baldvinsson und Besenbinder Jaeil Kim) gegen ein Stück Brot für die geschwächte Gänsemagd eingetauscht hatte.

Diese vor allem, die amerikanische Sopranistin Karen Vuong, überzeugte mit einer klaren, wohlklingenden Stimme, und auch Katharina Magiera als Hexe brachte eine an Perfektion schwer zu überbietende Darstellung auf die Bühne. Der österreichisch-australische Tenor Gerard Schneider stand den beiden Sängerinnen als Königssohn in nichts nach und unter den übrigen Darstellern glänzte vor allem der kanadische Bariton Ian MacNeil als Spielmann mit einer überragenden stimmlichen Leistung.

Die perfekt austarierte musikalische Basis legte das Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter der Stabführung von Karsten Januschke – Subtilität und Wohlklang dieser im breiten Publikum wohl eher unbekannten Musik Humperdicks wurden von diesen erstklassigen Musikern sensibel und zugleich kraftvoll wiedergegeben. Einmal mehr seien die exzellente Akustik und die herausragende Architektur des Festspielhauses Erl hervorgehoben – ein würdiger, edler und niemals pompöser Rahmen für die auch nach der Ära Kuhn und der langen Pause erneut außerordentlichen Darbietungen dieser Festspiele.

Charles E. Ritterband, 18. Juli 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Regie: Matthew Wild

Musikalische Leitung: Karsten Januschke

Gänsemagd: Karen Vuong

Königssohn: Gerard Schneider

Hexe: Katharina Magiera

Spielmann: Ian MacNeil

Holzhacker: Magnús Baldvinsson

Besenbinder: Jaeil Kim

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.