EPM The Band © Gregory Wang
Wie die Stimmen des Ensemble Phoenix Munich zusammen singen, das ist an diesem Nachmittag große Klasse. Leiter und Bassist Joel Frederiksen findet und führt diese Stimmen-Kombination zu einem wunderbaren mich erfüllenden Ereignis voll von mir erstmals gehörten barocken Liedern.
Ensemble Phoenix Munich
Hannah Ely, Michaela Riener: Sopran
Ivo Haun: Tenor, Laute
Jacob Lawrence: Tenor
Michael Eberth: Clavicytherium
Sven Schwannberger: Theorbe, Flöte
Joel Frederiksen: Bass, Laute, Leitung
Bayerisches Nationalmuseum, München, 30. März 2025
von Frank Heublein
An diesem Sonntagnachmittag interpretiert das Ensemble Phoenix Munich das Programm „Mein Lieb, wie schöne bist doch du – Arien und Kantaten des Schütz-Schülers Caspar Kittel“.
Ein interessantes erstes Detail erhalte ich in der Einführung: die Jungen pubertierten auch im siebzehnten Jahrhundert (das ist es nicht). Wie konnte man sie zum Singen begeistern? Mit erotischen Texten (das ist es) wie „Dein weisser Hals giebt von sich solchen Schein, / Als wie ein Thurn gemacht auß Helffenbein. / Die Wangen sind wie Hesbons schöne Teiche“. Das sind nicht die explizitesten Zeilen des Nachmittags. Gekauft!
Das zweite mir neue Detail erfahre ich ebenfalls in der Einführung: es ist die Italienisierung. Caspar Kittel und Johann Neuwach machten wirklich alles, um am Dresdner Hof eine Italomania hervorzurufen. Der „it“ Stil Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, jedenfalls für Italienreisende und nach Deutschland Zurückkehrende wie Neuwach – der sich dann ab und an Giovanni nennt – und Kittel, die beide Titel- und Notenangaben italienisieren, um klarzumachen, dass sie im heißen ultramodernen Stil komponieren.

Das dritte spannende Detail erhält einen eigenen Applaus. Ein Clavicytherium. Stellen Sie sich ein Cembalo vor, dessen Klangkorpus in die Höhe gebaut ist. Michael Eberth spielt darauf die Continuolinie. Jederzeit präzise.
Mit Caspar Kittels Oime Amor, wie schnell beginnt das Konzert mit einem Ensemblestück. Agil, frisch und aufgeweckt wirkt die Musik auf mich und öffnet meine Ohren noch eine Spur stärker. Es folgt Mein Lieb, wie schöne bist doch du, das Sopran Hannah Ely locker, hell und zart in jeder der vielen Verzierungen souverän singt.
In Kombt, laßt uns ausspazieren für Basso solo darf Joel Frederiksen sein kraftvolles Instrument wohltemperiert zur Geltung bringen. In den letzten Takten darf und muss er seinen vollen Stimmumfang abrufen. Das ist ein expliziter Hörpunkt, bei dem ich Sven Schwannbergers Einwurf in der Einführung nachvollziehe, dass die Lieder sehr schwierig zu singen sind. Joel Frederiksen meistert diese Schwierigkeiten souverän.
Biagio Marinis Auszug Gleich wie zur Sommerzeit aus seiner Romanesca ist für zwei Soprane gesetzt. Das Duett von Hannah Ely und Michaela Riener zeichnet wie alle anderen mehrstimmigen Stücke eine extrem gute Harmonie aus. Das komplexe Auseinanderstreben und das immer wieder Zusammenfinden am Strophenende – großartig! Hannah Elys Stimme ist klarer und strenger, Manuela Rieners wärmer und sanfter.
Letz-und kömbt die Nacht herbei ist ein Duett für die zwei Tenöre Jacob Lawrence und Ivo Haun. Wieder fasziniert mich die Harmonie! siehe oben. Lawrence einen Hauch kräftiger, energetischer. Haun leichter und entspannter.
In Johann Nauwach Amarilli mia bella gesungen von Sopranistin Manuela Riener höre ich den technischen Anspruch der Lieder am deutlichsten. Souverän und rein meistert Riener diese Arie.
Die Zugabe, Heinrich Schütz’ Glück zu dem Helikon, zeigt einmal mehr die grandiose Harmonie der Stimmen. Tenor Jacob Lawrence hat das ursprünglich für zwei Stimmen komponierte Lied, welches einem Kittel gewidmeten Bandes entnommen ist, auf vier Stimmen erweitert. Zauberhaft.

Wie die Stimmen des Ensemble Phoenix Munich zusammen singen, das ist an diesem Nachmittag große Klasse. Leiter und Bassist Joel Frederiksen findet und führt diese Stimmen-Kombination zu einem wunderbaren mich erfüllenden Ereignis voll von mir erstmals gehörten barocken Liedern. Frederiksen liefert dem Publikum einmal mehr wunderbare musikalische Kleinode alter Musik in hervorragender musikalischer Präzision. Das ist mir eine erquickende und große Freude.
Frank Heublein, 3. April 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Ensemble Phoenix Munich Bayerisches Nationalmuseum, München, 6. Februar 2025
Ensemble Phoenix Munich Bayerisches Nationalmuseum, München, 17. November 2024
Ensemble Phoenix Munich „Doulce mémoire“ Bayerisches Nationalmuseum, München, 22. Oktober 2023