Korngolds sinnliches Renaissance-Drama Violanta kann sich trotz schwacher Aufführung behaupten

Erich Wolfgang Korngold Violanta  Deutsche Oper Berlin, 25. Januar 2026 PREMIERE

Foto: Deutsche Oper Berlin Violanta, Wilde (c) Marcus Lieberenz

Warum am Ende der Aufführung nicht enden wollender Jubel ausbrach, ist schwer nachzuvollziehen. Es kann eigentlich nur an der leuchtenden, erregenden Musik des 18-jährigen Komponisten gelegen haben, die der scheidende Sir Donald Runnicles mit dem Orchester kongenial umsetzte. An der schlechten Regie und den teils überforderten Sängern kann es nicht gelegen haben.

Erich Wolfgang Korngold
Violanta

Oper in einem Akt
nach einem Libretto von Hans Müller-Einigen
Uraufführung am 28. März 1916 am Hoftheater München
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 25. Januar 2026

Simone Trova, Hauptmann Ȯlafur Sigurdarson
Violanta, seine Gattin  Laura Wilde
Alfonso  Mihails Culpajevs

Regie  David Hermann

Dirigent  Sir Donald Runnicles

Deutsche Oper Berlin, Premiere am 25. Januar 2026

von Peter Sommeregger

Die Geschichte spielt im Venedig der Renaissance während des Karnevals. Violanta, Gattin des Hauptmanns der Republik, will den Tod ihrer unschuldigen Schwester rächen, lockt ihren Verführer Alfonso in ihr Haus, um ihn dort von ihrem Ehemann ermorden zu lassen, verliebt sich aber in ihn, und opfert sich am Ende.

Das Regieteam und die Gesangssolisten können sich beim Komponisten Erich Wolfgang Korngold bedanken: die sinnliche, leidenschaftliche Partitur des 18-jährigen Komponisten begeisterte das Publikum so sehr, dass den unüberseh- und hörbaren Defiziten zum Trotz, am Ende alle Beteiligten bejubelt wurden.

Bruno Walter hatte das Werk 1916 in München zusammen mit einem zweiten Einakter Korngolds, „Der Ring des Polykrates“ uraufgeführt. Die Deutsche Oper ließ sich die Gelegenheit entgehen, diesen Uraufführungsabend zu rekonstruieren, und das heitere Gegenstück zu „Violanta“ dem Vergessen zu entreißen. Bisher hatte man an der Bismarckstraße mit Korngolds Opern immer ins Schwarze getroffen.

Um die allzu kurze Oper ein wenig zu unterfüttern, griff man zu einer eher schlechten Idee: Bei offenem Vorhang erklang zuerst eine Komposition von John Dowland für Laute solo, wohl passend zur Zeit der Handlung, die allerdings in der Weite des Bühnenraumes wirkungslos blieb. Ein Präludium von Alban Berg schlug dagegen den Bogen zur Entstehungszeit des Einakters. Illustriert wurden die Stücke durch eher unbedarfte Pantomimen der Protagonisten.

Deutsche Oper Berlin Violanta, Culpajevs Sigurdarson Wilde (c) Marcus Lieberenz

Was doch erheblich störte, war der bruchlose Übergang von Berg zu Korngold, den man streng genommen als Eingriff in das Werk bezeichnen kann. Es war nicht die letzte schlechte Idee des Abends.

Anfangs lässt Regisseur David Hermann auf einer Scheibe agieren, sobald aber der Verführer Alfonso auftritt, verlagert sich die Handlung in schmucklose Kellerabteile, in denen Violanta auf stumme Frauenfiguren trifft, die entweder ihre tote Schwester, wahlweise auch sie selbst als gealterte Frau, und eine mit sechs Brüsten ausgestattete Madonna darstellen. Der laut Text so ungemein attraktive Alfonso entpuppt sich nun als mausgraues Männlein, das eifrig Notizen in ein kleines Büchlein schreibt. Was für ein genialer Einfall, die zu dieser Zeit entstehende Psychoanalyse auf solche Art einzuführen, und sei es auch mit der Brechstange!

Deutsche Oper Berlin Violanta, Culpajevs Wilde. (c) Marcus Lieberenz

So blieb das dominante Element der Oper, die flirrende Sinnlichkeit von Korngolds Musik, dem Orchester vorbehalten, denn die Sänger hatten zum Teil erhebliche Probleme mit ihren herausfordernden Partien.

Wacker schlug sich der Bayreuth-gestählte Ȯlafur Sigurdarson als Hauptmann, sein sonorer Bass hatte aber noch die vergleichsweise leichteste Aufgabe.

Erheblich stärker gefordert war Tenor Mihails Culpajevs als Alfonso, dessen Partie ihn deutlich an seine vokalen Grenzen, und darüber hinaus brachte. Da war schönes Material zu hören, aber die exponierten Töne gerieten doch unangenehm schrill.

Die Titelfigur Violanta müsste eigentlich eine Aufführung dominieren, die Debütantin Laura Wilde verfehlte dieses Ziel aber deutlich. Speziell in der ersten Hälfte der Aufführung klang ihr Sopran schrill, scharf, teilweise klirrend. Dies verbesserte sich im Verlauf, aber von Souveränität und Ausstrahlung war wenig zu bemerken.

Deutsche Oper Berlin Violanta, (c) Marcus Lieberenz

Die Sänger der kleinen Nebenrollen hatten keine Chance, sich zu profilieren, auch der aus dem Off singende Chor klang verwaschen, was wohl an einer ungünstigen Platzierung lag.

Warum am Ende der Aufführung nicht enden wollender Jubel ausbrach, ist schwer nachzuvollziehen. Es kann eigentlich nur an der leuchtenden, errregenden Musik des 18-jährigen Komponisten gelegen haben, die der scheidende Sir Donald Runnicles mit dem Orchester kongenial umsetzte. An der schlechten Regie und den teils überforderten Sängern kann es nicht gelegen haben.

Peter Sommeregger, 26. Januar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

DVD-Rezension: Erich Wolfgang Korngold, Violanta

Erich Wolfgang Korngold, Die Tote Stadt Staatstheater Mainz, 26. Oktober 2025

Giacomo Puccini, Madama Butterfly Deutsche Oper Berlin, 10. Januar 2026

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