Wenn Mordlust Mordlust anzieht

TURANDOT von Giacomo Puccini, Deutsche Oper Berlin © Bettina Stöß

Nachrichtenverlauf vor dem Opernbesuch:

Turandot. Die Oper ist so grausam. –
Wenn das ein Film wäre, würdest du ihn dir nicht angucken.
Ich übrigens auch nicht. –
Stimmt. Aber ich bin ja wegen des Tenors hier. –
Welchen Tenors? –
SeokJong Baek. Und außerdem singt Catherine Foster. –
Ja, ist denn bei Euch Festivalzeit? –

Nein, ganz normale Repertoireaufführung.

Giacomo Puccini  Turandot
Dramma lirico in drei Akten

Deutsche Oper Berlin, 23. Juni 2026

Daniel Carter, musikalische Leitung

Lorenzo Fioroni, Inszenierung
Paul Zoller, Bühne und Video
Catharina Gault, Kostüme

Jeremy Bines, Chöre
Christian Lindhorst, Kinderchor

Das Orchester der Deutschen Oper Berlin

Der Chor der Deutschen Oper Berlin
Der Extra-Chor der Deutschen Oper Berlin
Der Kinderchor der Deutschen Oper Berlin
Die Statisterie der Deutschen Oper Berlin

von Sandra Grohmann

Die Geschichte ist schnell erzählt, typisch Märchen: Die chinesische Prinzessin Turandot will nicht heiraten, stellt allen Bewerbern drei Rätselfragen und lässt die köpfen, die daran scheitern. Also alle. Bis Prinz Calaf „der Richtige“ kommt, die Fragen löst und einen Anspruch auf die Prinzessin hat.

„Giacomo Puccini, Turandot, Catherine Foster
 Deutsche Oper Berlin, 23. Juni 2026“
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Die Deutsche Oper Berlin entstaubt eine deutsche Komödie

„Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing © Thomas Aurin

Wer ist schon unter einem fliegenden Einhorn geboren? Nur der geliebte Zar des „Volkszarentum Tschirikistan“! So nennt Regisseur Martin G. Berger den Operettenstaat, in den er die Handlung der Opernkomödie Zar und Zimmermann kurzerhand verlegt hat. Die zahlreichen Inbezugnahmen von Popkultur und Komödientradition beginnen bereits im Videovorspann, der im Stil von Greta Gerwigs „Barbie“ (aber sicher lassen sich auch andere Filme assoziieren) den bis ins Alberne reichenden Ton für den gesamten Abend setzt.

Albert Lortzing
Zar und Zimmermann

Musik und Libretto von Albert Lortzing
in einer Sprechtextfassung von Martin G. Berger

Antonello Manacorda  Musikalische Leitung
Martin G. Berger  Inszenierung

Das Orchester der Deutschen Oper Berlin

Der Chor der Deutschen Oper Berlin
Tänzer*innen des Opernballetts der Deutschen Oper berlin
Die Statisterie der Deutschen Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026

von Sandra Grohmann

Das Publikum der Deutschen Oper Berlin folgt ganz überwiegend bereitwillig dieser Interpretation, die das im Original Ungesagte in eine deutliche Sprache übersetzt, ohne den Kern des Werkes anzugreifen. Dem Haus ist damit ein Coup gelungen, der in der Tradition des Musiktheaters steht, wie es an der Komischen Oper Berlin von Walter Felsenstein begründet und bereits von seinem Meisterschüler Götz Friedrich an die Deutsche Oper Berlin übernommen wurde. Geadelt wurde der Abend durch einige wenige, wenn auch lautstarke Buhrufe. Ohne diese hätten wir an der Wirkmacht der Aufführung womöglich zweifeln müssen.

„Albert Lortzing, Zar und Zimmermann
Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026“
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„Ich bin ein Zar, holt mich hier raus!" – so wird es nichts mit Lortzing!

„Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing © Thomas Aurin

ZAR UND ZIMMERMANN
Musik und Libretto von Albert Lortzing
in einer Sprechtextfassung von Martin G. Berger

Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026

von Dr. Ingobert Waltenberger

Komische Opern des Berliner Allround-Künstlers Albert Lortzing heute in Deutschland aufzuführen, ist ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Die jetzige Premiere des Stücks ist deshalb nicht grundlos die erste Neuinszenierung hierzulande seit 25 Jahren. Das sagt viel darüber aus, wie sehr die deutsche Spieloper trotz vieler kompositorisch und dramaturgisch geschickter Schachzüge des auch als Schauspieler, Sänger und Cellist erfolgreichen Musikers Lortzing im sich wandelnden Publikumsgeschmack doch biedermeierlich arg zeitgebunden gibt und schwer aktualisierbar scheint. Da helfen auch die einzelnen Hits, die flotten Aktschlüsse nach Rossini-Art sowie das Libretto auf eine französische Vorlage nicht viel.

„Albert Lortzing, Zar und Zimmermann
Deutsche Oper Berlin, Premiere, 20. Juni 2026“
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Der RING und die „Götterdämmerung“: Warum man sich dieses 15-stündige, größenwahnsinnige Opernprojekt antut – trotz strahlendem Sonnenschein

Dieser von Dirigent und Orchester so wunderbar gespielter Schluss erinnert wieder einmal daran, warum man sich dieses 14-stündige, größenwahnsinnige Opernprojekt antut – und es bei jeder Aufführung mehr verehrt.

Deutsche Oper Berlin, 25.  Mai 2026
Fotos © Bernd Uhlig

Mit einer wirkungsvoll düster aufgeladenen „Götterdämmerung“ endet der „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper Berlin. Während Stefan Herheims Inszenierung erneut zwischen starken Bildern und rätselhaften Ideen schwankt, tragen Sänger und Orchester den Abend zu einem überwältigenden musikalischen Finale.

Richard Wagner, Götterdämmerung  (1876)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin
Inszenierung: Stefan Herheim

von Arthur Bertelsmann

Mit gemischten Gefühlen geht man zum großen Ring-Finale Richtung Deutsche Oper: Beseelt aufgrund der Weltklasse-Sänger und des experimentierfreudigen Dirigats, genervt wegen der miserablen Organisation – und angesichts der Tatsache, einen der ersten wunderschönen Sommertage überwiegend im dunklen Opernsaal zu verbringen. „Richard Wagner, Götterdämmerung
Deutsche Oper Berlin, 25.  Mai 2026“
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Gigantische Stimmen retten einen schier unendlichen „Siegfried“

DOB Siegfried  © Bernd Uhlig

Überlange Unterbrechungen, eine überladene Inszenierung und ein zäher Meta-Wagner drohen diesen Siegfried zur Geduldsprobe zu machen. Donald Runnicles, ein herausragendes Sängerensemble und vor allem Ya-Chung Huang als unwahrscheinlich intensiver Mime verwandeln den Abend schließlich doch in ein nur selten erlebbares Kunstereignis.

Richard Wagner
Siegfried (1876)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles

Inszenierung: Stefan Herheim

Deutsche Oper Berlin, 23. Mai 2026

von Arthur Bertelsmann

Mit der guten Auslastung der Walküre kann der Siegfried nicht mithalten – DFB-Pokal-Entschiedspiel und Karneval der Kulturen sei Dank. Dass der dritte Teil des Festspiel zudem als der musikalisch uneingängigste gilt, tut sein Übriges, und so bleiben gute Hundert Plätze verwaist. „Richard Wagner, Siegfried (1876), Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin, 23. Mai 2026“
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So romantisch ist „Die Walküre“ nur selten zu erleben

Walküre DO © Bettina Stöß

Der ehemalige GMD Donald Runnicles überrascht mit einer ungewohnt zarten, hochromantischen Walküre. Getragen vom Wälsungenpaar Elisabeth Teige und Matthew Newlin sowie einem überragenden Jordan Shanahan als gebrochenen Wotan, kann der Abend nahtlos an den starken Auftakt anschließen. Während es musikalisch funkelt, verliert sich Stefan Herheims Inszenierung nun endgültig in Kofferbergen, Statistenchaos und peinlicher Pantomime.

Richard Wagner
Die Walküre (1870)

Siegmund   Matthew Newlin
Hunding   Tobias Kehrer
Wotan   Jordan Shanahan
Sieglinde   Elisabeth Teige
Fricka   Annika Schlicht
Brünnhilde   Trine Møller

Musikalische Leitung  Donald Runnicles

Inszenierung   Stefan Herheim

Deutsche Oper Berlin, 17. Mai 2026

von Arthur Bertelsmann

Keine 20 Stunden ist der Start des handwerklich ausgezeichneten Rheingolds  her, und nun geht es direkt weiter mit dem beliebtesten Teil der Tetralogie, „Der Walküre“. Auch dieser Abend ist nicht  ausverkauft, allerdings scheinen ein paar leere Plätze vom Vortag nun gefüllt worden zu sein. „Richard Wagner, Die Walküre (1870), Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin, 17. Mai 2026“
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"Das Rheingold": Thomas Blondelles Loge ist von absolutem Weltrang

Das Rheingold, Regie: Stefan Herheim, Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig

Während die Deutsche Oper mit hohen Preisen und überschaubarer Starbesetzung kämpft, überzeugt der musikalische Auftakt des „Rheingold“ unter Donald Runnicles. Eine durchweg starke Sänger-Besetzung entwirrt die handlungsdichte Oper. Stefan Herheims Regieideen wirken hingegen überladen und chaotisch – Augen schließen bleibt die beste Strategie.

Richard Wagner
Das Rheingold (1869)

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Deutsche Oper Berlin

Inszenierung: Stefan Herheim

Deutsche Oper Berlin, 16. Mai 2026

von Arthur Bertelsmann

Während an der Staatsoper zwei Ringzyklen binnen weniger Stunden ausverkauft waren, ist bei der Deutschen Oper am heutigen Abend auch nach über einem Jahr Verkauf noch der ein oder andere Platz freigeblieben.

Grund dürften wohl die gesalzenen Preise – 60 Euro für das Rheingold in der niedrigsten Preisklasse – in Kombination mit der relativ geringen Star-Dichte sein. Und so verwundert es auch nicht sonderlich, dass im Gegensatz zu dem mit internationalen Gästen vollen Lindenoper-Ring im Vorjahr das Deutsche-Opern-Publikum überwiegend aus Berliner Wagnerianern und Opern-Neugierigen besteht. „Richard Wagner, Das Rheingold (1869)
Deutsche Oper Berlin, 16. Mai 2026“
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Wer Ballett erwartet, wird enttäuscht

Martin ten Kortenaar (Erik), Polina Semionova (Die Diva), David Soares (Nurejew) (Foto: RW)

Um es zu wiederholen, dominierender Faktor war in dem Ballett Nurejew nicht der Tanz, sondern der die Wirkung des Tanzes zerschreddernde, immer wieder einsetzende Monolog des Schauspielers Odin Lund Biron.

Staatsballett Berlin: Nurejew

Choreographie: Yuri Possokhov
Inszenierung, Libretto und Bühne: Kirill Serebrennikov
Kostüme: Elena Zaytseva
Musik: Ilya Demutsky

Deutsche Oper Berlin, 4. April 2026

von Dr. Ralf Wegner

Rudolf Nurejew war der zu seiner Zeit wohl unbestritten berühmteste Tänzer, nicht nur wegen seiner Flucht aus Russland, sondern auch wegen der Berichte über die virile Ausstrahlung und Aura dieses sprungmächtigen Ballerino. Hinzu kam wohl auch, dass er zusammen mit einer zwei Jahrzehnte älteren Tänzerin auftrat: Margot Fonteyn. Ich erlebte Nurejew als Tänzer zweimal, 1972 als Albrecht in Giselle in Paris und später in einem moderneren Stück in Berlin (Pierrot Lunaire), außerdem wurde 2017 seine überzeugende Don Quixote-Version im Hamburg gezeigt. „Staatsballett Berlin: Nurejew, Inszenierung Kirill Serebrennikov
Deutsche Oper Berlin, 4. April 2026“
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Villazóns Regie degradiert Rossinis “Italiana in Algeri” zu billigem Klamauk

Deutsche Oper Berlin: L’Italiana in Algeri © Eike Walkenhorst

Rolando Villazón inszeniert sich in seinem Künstlerleben gern als Clown. Diese Einstellung versucht er auch immer wieder in seine Operninszenierungen einzubringen, meistens mit nicht sehr großem Erfolg. Auch so an der Deutschen Oper Berlin, wo er Rossinis Dramma giocoso “L’Italiana in Algeri” inmitten mexikanischer Wrestler gnadenlos abwürgt.

Gioachino Rossini (1792-1868)
L’ITALIANA IN ALGERI
Dramma giocoso in zwei Akten  (Libretto von Angelo Anelli)

Musikalische Leitung: Alessandro De Marchi
Inszenierung: Rolando Villazón 

Bühne: Harald Thor
Kostüme: Brigitte Reiffenstuel

Deutsche Oper Berlin, 11. März 2026

von Jean-Nico Schambourg

Im Begleitheft der Deutschen Oper Berlin steht zu lesen, dass die Oper von Gioachino Rossini “L’Italiana in Algeri” sexistisch und rassistisch sei. Dabei kämpft hier eine Frau erfolgreich gegen eine Welt, wo Frauen nur da sind um Männern zu dienen.

„Gioachino Rossini (1792-1868), L’Italiana in Algeri, Regie Rolando Villazón
Deutsche Oper Berlin, 11. März 2026“
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Musik Top, Regie Flop: Rolando Villazón verhunzt Rossinis „Italienerin in Algier“

Rossini, L’ITALIANA IN ALGERI, Regie: Rolando Villazón, Premiere: 8. März 2026 © Eike Walkenhorst

Schade, dass es schwer möglich war, sich ganz allein auf die Musik zu konzentrieren, weil es in der Szene gar zu albern einherging. Was nützt die musikalische Transparenz in den großen angelegten Ensembleszenen, wenn es dazu auf der Bühne poltert und kracht.

Mit einer anderen Regie hätte das ein grandioser Abend werden können.

Bei weiten Teilen des Publikums kam die Produktion jedoch gut an.

L’Italiana in Algeri
Gioachino Rossini
[1792 – 1868]

Musikalische Leitung: Alessandro De Marchi
Inszenierung: Rolando Villazón

Bühne: Harald Thor
Kostüme: Brigitte Reiffenstuel
Wrestling-Einstudierung: Ahmed Chaer
Chor: Jeremy Bines

Deutsche Oper Berlin, 8. März 2026, Premiere

von Kirsten Liese

Den clownesken Entertainer gibt Rolando Villazón allzu gerne.

Im Showgewerbe des Fernsehens ist man ohnehin kaum noch anderes gewohnt.

Aber Oper ist doch noch etwas Anderes, da spielt die Musik die Nummer eins, oder zumindest sollte sie das. „Gioachino Rossini, L’Italiana in Algeri, Inszenierung Rolando Villazón
Deutsche Oper Berlin, 8. März 2026, Premiere“
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