Ein Glücksfall: Korngolds vergessene Oper "Das Wunder der Heliane" auf DVD

Foto: © Monika Rittershaus

DVD-Rezension:

Erich Wolfgang Korngold, Das Wunder der Heliane
Deutsche Oper Berlin

von Peter Sommeregger

Als diese Korngold-Oper im Frühjahr 2018 Premiere an der Deutschen Oper Berlin hatte, traf sie auf ein durchaus skeptisches Publikum. Zwar wusste der historisch vorgebildete Opernbesucher, dass das Werk bei seiner Uraufführung 1927 in Hamburg erfolgreich war, von großen Häusern wie Wien, Berlin und München sofort nachgespielt wurde. Allerdings stand das mystische, geheimnisvolle Libretto nach einem Drama des früh vollendeten Dichters Hans Kaltneker zum Zeitpunkt der Uraufführung dem Zeittrend der „Neuen Sachlichkeit“ deutlich entgegen, was zum baldigen Verschwinden der Oper von den Spielplänen führte. Der Bann von Korngolds sämtlichen Werken nach der Machtergreifung der Nazis tat ein Übriges, das Werk geriet in Vergessenheit. „DVD-Rezension: Erich Wolfgang Korngold, Das Wunder der Heliane“ weiterlesen

"Das Rheingold" in Berlin: Gesangsleistungen auf Bayreuther Niveau

Foto: Andrew Harris, Thomas Blondelle, Tobias Kehrer, Padraic Rowan. Foto: Bernd Uhlig (c)

Deutsche Oper Berlin: OPEN OPERA
DAS RHEINGOLD AUF DEM PARKDECK; Premiere, 12. Juni 2020

Goldstimmen eines großartigen  Ensembles

von Dr. Ingobert Waltenberger (onlinemerker.com)

„Wir wagen es, unser Rheingold zurückzuerobern, wenn auch zunächst in einer kleineren und damit der aktuell möglichen Form! Am 12. Juni um 19.30 Uhr laden wir Sie zu einer halbszenischen 110-minütigen Fassung des Werks auf das Parkdeck der Deutschen Oper Berlin ein, die auf der Basis einer Kammerfassung des britischen Komponisten Jonathan Dove mit 22 Musiker*innen und 12 Sänger*innen erarbeitet wird. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Donald Runnicles, die szenische Einrichtung übernimmt Neil Barry Moss. Mit Derek Welton (Wotan), Padraic Rowan (Donner), Thomas Blondelle (Loge), Philipp Jekal (Alberich), Andrew Harris (Fasolt), Tobias Kehrer (Fafner), Annika Schlicht (Fricka), Flurina Stucki (Freia), Judit Kutasi (Erda), Elena Tsallagova (Woglinde), Irene Roberts (Wellgunde) und Karis Tucker (Floßhilde).“ Soweit die Ankündigung vor der ersten (halb)szenischen Opernaufführung in Berlin (Deutschland?) nach dem Corona-Lockdown.

Eigentlich war ja an diesem Abend die Premiere von Richard Wagners „Rheingold“ als Auftakt einer neuen Tetralogie im Haus an der Bismarckstraße unter der Regie von Stefan Herheim geplant. Die musste Corona-bedingt verschoben werden. Also wurde nach Machbarem (gelegentlich wird ja die Politik als die Kunst des Möglichen bezeichnet, der Urheber des Zitats soll ja niemand Geringerer als Bismarck gewesen sein) gesucht. Fündig geworden ist man beim britischen Komponisten Jonathan Dove, der unter dem Titel „The Ring Saga“ 1990 eine in jeder Hinsicht reduzierte 10 Stunden-Fassung des Rings mit dem Ziel erstellt hat, Wagners Tetralogie auch für kleinere Spielorte und Festivals aufführbar zu machen. Für das „Rheingold bedeutet das kompakte 110 statt 150 Minuten Spielzeit, ein auf ein Viertel eingekochtes Kammerorchester, 12 statt 14 Solisten. Die Rollen des Mime und des Froh fehlen ganz.  „DAS RHEINGOLD AUF DEM PARKDECK, Premiere, 12. Juni 2020,
Deutsche Oper Berlin“
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Meine Lieblingsoper 27: "Tristan und Isolde" von Richard Wagner

Foto: Stephen Gould (Tristan) und Petra Lang (Isolde) © Bayreuther Festpiele / Enrico Nawrath

So authentisch wie ihn sah man zuvor keinen sterben, man war zutiefst ergriffen. Aber plötzlich verstummte das Orchester und Vickers trat an die Rampe: „Es tut mir leid, ich kann nicht mehr singen“.

von Kirsten Liese

Als Droge und Narkotikum wird Wagners Musik oft beschrieben und empfunden. Mir geht das auch so, besonders beim Tristan.

Das hat natürlich schon mit der besonderen Handlung frei nach dem mittelalterlichen gleichnamigen Roman von Gottfried von Straßburg zu tun. Schließlich werden wir hier zu Komplizen einer verbotenen, heimlichen, außerehelichen Liebe. Tristan und Isolde werden zwar durch den Liebestrank, den sie zu sich nehmen, ohne seine Wirkung zu kennen, exkulpiert. Aber natürlich dient der Trank nur als ein Deckmäntelchen. Die von Erotik, Leidenschaft, Sehnsucht und Schmerz durchdrungene Musik spricht eine weitaus radikalere Sprache. „Meine Lieblingsoper 27: Richard Wagner, „Tristan und Isolde““ weiterlesen

Deutsche Oper Berlin navigiert auf Sicht: wenig Prickelndes für 2020/21

Anmerkungen zur Jahrespressekonferenz der Deutschen Oper Berlin am 10. März 2020 … und kurz danach wurde das Haus an der Bismarckstraße geschlossen…

Foto: © Leo Seidel

von Peter Sommeregger

Überschattet von der Verunsicherung durch das Corona-Virus findet an diesem trüben Vormittag die Jahrespressekonferenz der Deutschen Oper statt. Den wenigen erschienenen Journalisten verkünden Intendant Dietmar Schwarz und GMD Donald Runnicles ihre Pläne für die nächste Spielzeit. Große Überraschungen gab es dabei nicht, Premieren und Repertoire-Besetzungen bleiben im erwartbaren Bereich.

Der noch in der laufenden Spielzeit mit dem Rheingold beginnende neue Ring des Nibelungen, inszeniert von Stefan Herheim, strapaziert logischerweise sämtliche Ressourcen des Hauses, Walküre und Siegfried haben im September 2020 bzw. im Januar 2021 Premiere. Bei der Besetzung ist man stolz darauf, Nina Stemme als Brünnhilde gewonnen zu haben. Da sich die Sängerin inzwischen doch recht deutlich im Herbst ihrer Karriere befindet, vielleicht keine unbedingt weise Entscheidung. Solide aber glanzlos erscheint die Besetzung beider Siegfriede mit dem verlässlichen Simon O’Neill. Mit Lise Davidsen als Sieglinde hat man sich sehr viel mehr der Zukunft versichert. Dass der Wotan dreigeteilt wird, entspricht ein wenig dem internationalen Trend, große Wagner-Stimmen sind dünn gesät.

„Das Jahresprogramm 2020 / 2021 der Deutschen Oper Berlin,
Deutsche Oper Berlin“
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Enrique Mazzola holt ein Optimum an Wohlklang aus Meyerbeers "Dinorah" heraus

Foto: © Eric Garault

Deutsche Oper Berlin, 4. März 2020 (Premiere)

Giacomo Meyerbeer, Dinorah ou Le Pardon de Ploërmel (konzertant)

von Peter Sommeregger

Man muss der Deutschen Oper durchaus dankbar sein, dass sie sich den Werken des Komponisten Giacomo Meyerbeer so engagiert widmet. Lange waren seine umfangreichen Grand Operas von allen Spielplänen verschwunden, galten als veraltet und schwer aufführbar. Dabei war Meyerbeer Berliner, ist auch hier begraben, und die Wiederaufführung seiner Werke scheint ein Anliegen der Leitung des Hauses zu sein. „Giacomo Meyerbeer, Dinorah,
Deutsche Oper Berlin, 4. März 2020“
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Generös und ehrlich: Anja Harteros gibt mit jedem Ton alles

Allein die Arie „La mamma morta“, die nicht länger als FÜNF Minuten dauert, ist die ganze Reise aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm nach Berlin wert, und für die würde ich sogar zum Mond fliegen.

Foto: Yehya Alazem und Anja Harteros in der Deutschen Oper Berlin, (c) klassik-begeistert.de

Deutsche Oper Berlin, 18. Januar 2020
Umberto Giordano, Andrea Chénier

 von Yehya Alazem

„La mamma morta“ („Sie haben meine Mutter umgebracht“)… so heißt die großartige Arie der Maddalena in Umberto Giordanos Oper Andrea Chénier. Wenn ich diese Arie von einer guten Sopranistin höre, frage ich mich immer, ob es für dieses Stimmfach (Spinto-Sopran) eine Arie gibt, die eine größere Lebenskraft hat als diese. „Umberto Giordano, Andrea Chénier,
Deutsche Oper Berlin, 18. Januar 2020“
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Jenufa auf High Heels: Das Dorf bleibt an der Deutschen Oper Berlin außen vor

Deutsche Oper Berlin, 12. Januar 2020
Leos Janacek, Jenufa

Foto: Bettina Stöß (c)

Steva Buryja  Ladislav Elgr
Laca Klemen  Robert Watson
Die Küsterin  Evelyn Herlitzius
Jenufa  Rachel Harnisch
Inszenierung  Christof Loy
Dirigent  Donald Runnicles

von Peter Sommeregger

Diese Inszenierung von Janaceks erfolgreichster Oper stammt bereits aus dem Jahr 2012. Kritik und Publikum reagierten damals positiv, die Produktion ist schon länger auch auf DVD erhältlich. Der Blick ins Programmheft zeigt aber, dass diese Wiederaufnahme erst die insgesamt 10. Aufführung dieser Inszenierung ist.

Christof Loy, inzwischen fast schon der Hausregisseur der Deutschen Oper Berlin, hat einen etwas eigenwilligen Ansatz für das Stück. Obwohl die Handlung und ihre Figuren fest ins ländlich-bäuerliche Milieu eingebunden sind, zäumt er das Pferd sozusagen von hinten auf. Wir sehen zu Beginn die Küsterin bereits in Haft, sie erlebt die Handlung gleichsam retrospektiv. Dazu öffnen sich immer wieder kleinere, mal größere Segmente des weißen Bühnenhintergrundes und geben den Blick auf die ländlichen Szenen frei. Das ist nicht ohne Reiz. Warum allerdings Jenufa und die Großmutter in eleganten Pumps mit hohen Absätzen agieren müssen, die Männer teilweise Schlips und Kragen tragen, ist schwer nachvollziehbar. Sie alle scheinen in einem modebewussten Dorf zu leben. „Leos Janacek, Jenufa
Deutsche Oper Berlin, 12. Januar 2020 “
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Ein großer Verdi-Abend in Berlin: Der junge mongolische Bariton Amartuvshin Enkhbat triumphiert als Nabucco

Foto © Bernd Uhlig
Deutsche Oper Berlin, 27. Dezember 2019
Giuseppe Verdi, Nabucco

von Dr. Ingobert Waltenberger (onlinemerker.com)

Wer hätte das gedacht? Eine Repertoirevorstellung an der Deutschen Oper Berlin zu Jahresende wird zu einer der beglückendsten Berliner Opernerfahrungen des ablaufenden Jahres. In der 40. Vorstellung seit der Premiere am 8. September 2013 bildet Keith Warners Inszenierung, optisch im Industriezeitalter des 19. Jahrhunderts angesiedelt, mit all den Druckmaschinen, Eisenleitern und schweren Metallmauern noch immer einen dramaturgisch brauchbaren Rahmen für diesen frühen Verdi mit ihrer „immensen, ungezähmten, brutalen und wilden Energie des Lebens“.

Vor allem aber ist musikalisch und sängerisch von einem ereignisreichen Abend zu berichten. Das beginnt mit dem italienischen Dirigenten Carlo Montanaro, der das Orchester der Deutschen Oper Berlin zu einer Spitzenleistung animiert. Die Partitur des Nabucco ist wohl diejenige, die von den frühen Werken dem genialen Wurf des „Macbeth“ wohl am nächsten steht. In diesem Werk um die Hybris eines sich zum Gott erhebenden babylonischen Herrschers steht am Ende dessen Bekehrung und Verzeihen. Das Orchester muss also die wilden mit Trompeten, Pauken und archaischen Rhythmen brüllenden Eifersüchteleien und den Machtrausch der Abigaille genau so effektvoll unterlegen können wie die zärtlichsten Piani – Arie des Nabucco im vierten Akt und die Schlusssequenz „Ah, torna Israello“.

Montanaro vermag vor allem mit einer ausgetüftelten Temporegie zu überzeugen. Neben lyrisch blühenden Bögen drückt er bei all den Strettas und knackigen Ensembleszenen ordentlich aufs Gas. Das erzeugt eine beeindruckenden Binnenspannung, wirkt aber dennoch dank gekonnt gesetzter Rubati nie banal. Zu einem kammermusikalischen Wunder meilenweit abseits aller Umtata-Banaliät gerät sogar der ach so abgedroschene Gefangenenchor „Va pensiero, sull‘ali dorate“, den Montanaro ganz leise klangvoll mit dem gestern auch bestens disponierten Chor der Deutschen Oper Berlin als delikat intimes Stück serviert. Der Schlussakkord lässt Montanaro a cappella lange nachhallend im Raum stehen.

                            Amartuvshin Enkhbat © Deutsche Oper Berlin

In der Titelpartie war der mongolische Bariton Amartuvshin Enkhbat zu hören. Wir haben es hier endlich wieder einmal mit keinem Kavaliersbariton, der sich dramatisch aufplustert, zu tun, sondern Enkhbat ist ein heldisch disponierter genuin im italienischen Fach verankerter Bariton, der für Partien wie Rigoletto, Luna oder eben Nabucco alle Vorzüge bietet, die diese Rollen verlangen: Dramatischer Biss, „unendliche“ Höhe, männliche Tiefe, Samt in der Mittellage, füllige Piani und über allem ein stilistisch treffsicheres, elegantes Phrasieren. Die Wandlung vom königlichen Monster zum menschlich anteilnehmenden Zeitgenossen gelingt ihm sowohl darstellerisch als auch mit bloßen Mitteln der Farb- und Tongebung seiner überaus wohlklingenden Stimme mehr als überzeugend. Seit den Tagen Renato Brusons am Zenit seiner Kunst habe ich nicht mehr solch eine Verdi-Stimme, bei der noch dazu jedes Wort verständlich artikuliert ist, gehört.

                            © Leo Seidel

Kaum weniger beeindruckend war Anna Pirozzi in der eigentlich unsingbaren Partie der Abigaille, Sprössling des Nabucco mit einer Sklavin. Die wunderbar individuell timbrierte dramatische Sopranistin begeht dabei nicht den Fehler, die wohl längste Partie der Oper durchzubrüllen – wie andere das tun – sondern bemüht sich um Ausdruck, gestaltet Piani (wo sie hingehören) und beeindruckt auch mit einer sinnvollen Ausstattung der vielen vertrackten Verzierungen, gewaltigen Intervallsprünge und Ensembles mit dem punktgenau passenden affektiven Gehalt. Ein paar Schärfen in der extremsten Höhe (welche Abigaille-Interpretin hatte die nicht?) fallen angesichts solch einer insgesamt grandiosen Gesangsleistung kaum ins Gewicht. Sie durfte am Ende auch den größten Bravo-Jubel beim Solovorhang einheimsen.

Ihre Halbschwester und Gegenspielerin in Liebessachen Ismaele war mit der mädchenhaft wirkenden Jana Kurucová goldrichtig besetzt. Kurucová ist keine Abigaille II, sondern konnte mit ihrem schön timbrierten, hell-höhenlastigen Mezzo vom Stimmcharakter her den nötigen lyrischen Kontrast zu der dämonisch blutrünstigen Abigaille setzen.

In die Reihe der frischen balsamischen Stimmen fällt auch die Besetzung der Bass-Partie des Oberpriesters Zaccaria mit dem Finnen Mika Kares. Den Höhepunkt seiner Kunst setzte er mit einem mächtig georgelten “Oh, chi piange? Del futuro nel buio discerno“ mit Chor im dritten Akt. Kein Wunder, dass dieser auch stilistisch so überzeugende Sänger bei den Salzburger Festspielen 2020 im Don Giovanni unter Currentzis der Commendatore und in „I Vespri Siciliani“ (neben Domingo) der Giovanni da Procida sein wird.

Attilio Glaser verfügt in der für das zentrale Drama eher nebensächlichen Tenorwurzenpartie des Ismaele über das nötige Metall und die selbstverständlichen Höhen, um tarzanhaft auch in den Ensembles bestehen zu können. Einige Grade kultivierter und geschliffener könnte sein Vortrag allerdings schon sein.

In den kleineren Rollen erfreuten Padraic Rowan (Oberpriester des Baal), Gideon Poppe (Abdallo) und Aviva Fortunato (Anna). So wie sich das für ein allererstes Haus gehört!

Dr. Ingobert Waltenberger, 28. Dezember 2019

 

Die Carmen aller Carmen: In Berlin - eine Weltklasse für sich!

Fotos: Markus Lieberenz (c)
Deutsche Oper Berlin
, 25. Oktober 2019
Georges Bizet, Carmen

von Inge Boese

Liebe Berlinerin, lieber Berliner,

bei Euch ist, aus Hamburger Sicht, alles extremer, schneller, emotionaler.

Ick war bei Euch in der Oper der Opern – und ick mache es kurz: „Carmen“ in der Deutschen Oper Berlin an der Bismarckstraße war eine Offenbarung! Ein Festival für die Ohren! Eine Orgie für die Augen! Ein Sinnenstimmenfang.

Ihr Berliner könnt so glücklich sein, wenn Ihr Euch für klassische Musik interessiert. Ihr habt drei supertolle Opernhäuser: Die Deutsche Oper Berlin in Charlottenburg, die Staatsoper Unter den Linden in Mitte und die Komische Oper Berlin, auch in Mitte. „Georges Bizet, Carmen,
Deutsche Oper Berlin, 25. Oktober 2019“
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Volksbühne goes West: Frank Castorf fremdelt mit Verdis "Forza del Destino"an der Deutschen Oper Berlin

Foto: © Thomas Aurin
Frank Castorf inszeniert an der Deutschen Oper Giuseppe Verdis „Die Macht des Schicksals“. Er verlegt die Handlung in die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Es ist ein kein Ende nehmen wollender, zäher und freudloser Abend!

Deutsche Oper Berlin, 8. September 2019
Giuseppe VerdiForza del Destino

von Peter Sommeregger

Schon der Beginn des Abends verheißt nichts Gutes: das wild bewegte Vorspiel zur Oper wird ziemlich trocken und undifferenziert dargeboten, die Bühne ist vollgestellt mit Gerümpel, an ihrem oberen Rand wird eine Video-Leinwand entrollt, auf der die Bühnenaktion verdoppelt gezeigt wird. Das kann nur eines bedeuten: Frank Castorf ist am Werk!

Es ist bemerkenswert, wie sehr sich dieser Miterfinder der neuen, destruktiven Theaterästhetik treu geblieben ist: man meint, sich auf einer Zeitreise in die Berliner Volksbühne der 1990er-Jahre zu befinden. Da werden stückfremde Texte optisch eingeblendet oder gesprochen, die gezeigten Videos lassen keinerlei Bezug zu der Handlung erkennen, eine markante Personenregie ist nicht erkennbar, die Sänger, solcherart allein gelassen, flüchten sich ins Rampensingen. „Giuseppe Verdi, Forza del Destino,
Deutsche Oper Berlin, 8. September 2019“
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