Mit Wärme, Leidenschaft und Ausdruckskraft bietet Anja Harteros mit ihrer unvergleichbaren Stimme ein einzigartiges Erlebnis

Giacomo Puccini, Tosca,  Bayerische Staatsoper, München, 4. Mai 2019

Foto: © Marco Borgreve, Anja Harteros

Giacomo Puccini, Tosca
Bayerische Staatsoper, München, 4. Mai 2019

Andrea Battistoni, Dirigent
Luc Bondy, Inszenierung
Richard Peduzzi, Bühne
Anja Harteros, Tosca
Stefano La Colla, Cavaradossi
John Lundgren, Scarpia

von Yehya Alazem

Obwohl Giacomo Puccinis „Tosca“ eine der meist gespielten Opern ist, heißt das nicht, dass eine Aufführung dieser Oper, die voller Liebe, Blut, Eifersucht und Tod ist, eine einfache Aufgabe darstellt. Die Inszenierung dieses Werks von Luc Bondy (Kooperation mit der Metropolitan Opera New York) läuft seit 2010 an der Bayerischen Staatsoper und ist im Laufe der Zeit mit den besten Künstlern besetzt worden.

Die Inszenierung lässt nichts zu wünschen übrig, was die Personenregie betrifft. Das ist einfach großes Theater! Das Zusammenspiel zwischen den Charakteren ist im kleinsten Detail durchdacht und zeigt sehr starke menschliche Interaktionen. Ein wenig zu eintönig und detailarm ist jedoch das Bühnenbild. Insgesamt aber ist das Ganze genießbar und hat die Voraussetzungen für einen hervorragenden Opernabend. Am Samstag war die „Tosca“-Aufführung mit Spitzennamen wie Anja Harteros, John Lundgren und Stefano La Colla besetzt – es wurde großer Gesang und großes Schauspiel geboten.

Tosca ist ja eine Rolle, die von allen, wirklich allen großen Sopranistinnen in den letzten 100 Jahren gesungen wurde, und wenn die Starsopranistin Anja Harteros in dieser Rolle auftrifft, kann man nichts anderes sagen, als dass sie zu den besten gehört. Was Anja Harteros in München als Tosca leistet, ist absolute Weltklasse. Mit Wärme, Leidenschaft und Ausdruckskraft bietet sie dem Publikum mit ihrer unvergleichbaren Stimme ein ganz einzigartiges Erlebnis. Sie ist nicht nur gesanglich großartig, sondern auch schauspielerisch mit ihrem Einfühlungsvermögen – sie IST einfach Tosca.

Der italienische Tenor Stefano La Colla ist ein überzeugender Cavaradossi. Seine Stimme ist metallisch und kräftig. In den dramatischen Augenblicken kann sein Klang an einen Mario Del Monaco erinnern. Allerdings war der Übergang vom mittleren zum oberen Register immer wieder ein wenig zu deutlich und angestrengt – dennoch: er bringt eine solide Leistung hervor.

Der Schwede John Lundgren sorgt für eine hervorragende Leistung in der Rolle des Scarpia. Sein Bariton ist gewaltig und facettenreich. Die Stimme hat eine breite Kraft und einen prächtigen Klang. Er besitzt eine Tiefe in der Stimme, die auch eine weiche Leichtigkeit hat. Dramatisch ist er kompromisslos, manipulativ, hat eine gute Bühnenpräsenz und Darstellungskraft.

Das Bayerische Staatsorchester unter dem jungen italienischen Dirigenten Andrea Battistoni präsentiert sich schon beim Scarpia-Leitmotiv am Anfang der Oper großartig. Die melodramatischen Farben, die verführenden Linien und die Präzision sind vollkommen. Battistoni und seine Musiker zeigen enorme Spielfreude und bauen die Spannung in der Partitur vom ersten bis zum letzten Ton vortrefflich auf. Nicht zuletzt ist das Zusammenspiel zwischen dem Orchester im Graben und den Sängern auf der Bühne ganz hervorragend.

Es gibt noch zwei Vorstellungen in dieser Spielzeit; am 7. und 10. Mai. Wer für die italienische Oper brennt, sollte sich schnellstmöglich eine Karte für diese Tosca besorgen. Wer schon eine Karte hat, kann sich glücklich schätzen!

Yehya Alazem, 5. Mai 2019, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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