Barocker Glanz betört Ohren und Augen, wenn Barucco in Melk Bach spielt und singt

Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium BWV 248, Kantaten I-III  Stift Melk, Stiftskirche, 14. Dezember 2025

Blick in Langhaus und Chor der Stiftskirche Melk © Sylvia Frühwirth-Schnatter

Das Barucco Orchester und Vokalensemble boten im strahlenden Raum der Stiftskirche zu Melk eine mustergültige, zutiefst bewegende Interpretation der ersten drei Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium.

Johann Sebastian Bach
Weihnachtsoratorium BWV 248, Kantaten I-III

Barucco Orchester
Barucco Vokalensemble

Heinz Ferlesch, Dirigent

Stift Melk, Stiftskirche, 14. Dezember 2025

von Dr. Rudi Frühwirth

Die Stiftskirche des  Benediktinerstiftes zu Melk mit ihrer in Gold glänzenden Ausstattung und  den prachtvollen barocken Fresken in der Kuppel und den Gewölben war ein großartiger Rahmen für Bachs Weihnachtsoratorium. Katholischer Prunk und protestantische Innigkeit vereinten sich in diesem Konzert zu einer glücklichen Synthese.

Bekanntlich ist der Eingangschor der ersten Kantate eine Parodie des entsprechenden Satzes der weltlichen Kantate BWV 214, und dort wie hier tönen die Pauke und erschallen die Trompeten, in diesem Fall ganz vorzüglich geblasene Naturtrompeten.

Heinz Ferlesch © Sylvia Frühwirth-Schnatter

Das Orchester spielt ausnahmslos auf alten Instrumenten und erfüllt unter der Leitung von Heinz Ferlesch bezüglich Intonation, Artikulation und Phrasierung alle Wünsche, die man an ein Barockensemble richten kann. Leider ist es hier nicht möglich, alle Namen der durchwegs hervorragenden Orchestermitglieder aufzuzählen.

Die Klarinettengruppe © Sylvia Frühwirth-Schnatter

Das Vokalensemble besteht aus zwölf exzellenten Solistinnen und Solisten, die – wie zu Bachs Zeit üblich – sowohl die Chorpassagen als auch Arien, Duette und Rezitative bestreiten.

Ganz außerordentlich war die Wirkung der Choräle in allen drei Kantaten. Die Einstudierung durch den erfahrenen Chorleiter Heinz Ferlesch stimmte in allen Details, die Dynamik war fein abgestuft, die Tempi waren genau dosiert und dem Ausdruck angepasst. Wenn die himmlischen Töne von Orchester und Chor in die Weiten des Kirchenraumes stiegen, ergaben sich geradezu magische Klangwirkungen.

Als Evangelist trat Robert Bartneck mit klarer Diktion und sicherer Intonation hervor. In der ersten Kantate sang Cornelia Sonnleithner die Alt-Arie “Bereite dich, Zion” sanft und ausdrucksvoll. Den Choral “Er ist auf Erden kommen arm” Choral gestalteten die drei Sopranistinnen Maria Falkinger, Maria Deger und Katharina Wegscheider gemeinsam mit Stefan Zenkl, der auch sämtliche Bassrezitative übernahm.  Daniel Gutmann brachte mit seinem kräftigen Bassbariton die Arie “Großer Herr, o starker König” zu durchschlagender Wirkung.

In der zweiten Kantate schweigen Pauken und Trompeten; stattdessen übernehmen vier Oboen und zwei Traversflöten die führende Rolle. Die einleitende Sinfonia stimmt auf die pastorale Stimmung ein, die die folgenden Sätze prägt. In der Tenorarie bewältigte Jakob Gerbeth die nicht gerade einfachen Koloraturen mit Leichtigkeit, einfühlsam begeleitet von der Soloflöte. In der wunderbaren Alt-Arie “Schlafe, mein Liebster” zeigte Bernadett Nagy,  zu welchem berührenden Ausdruck ihre warm timbrierte Stimme fähig ist, unterstützt durch die wohltönende Untermalung der zwei Oboen d’amore und der zwei Oboen da caccia.

Bernadett Nagy © Sylvia Frühwirth-Schnatter

Die dritte Kantate parodiert in einigen Sätzen die Herkules-Kantate BWV 213, so im Einleitungschor “Herrscher des Himmels” und im Duett “Herr, dein Mitleid”, stilsicher gestaltet von Johanna Falkinger und Matthias Helm. Die Kantate weist wie die vorangehenden drei Choräle auf, in denen das Vokalensemble wieder seine bewährten Qualitäten zeigte. Nicht unerwähnt bleiben soll Hans-Jörg Gaugelhofer, der dritte im Bunde der Tenöre. Die einzige Arie dieser Kantate, „Schließe, mein Herze“, sang der Altist Matthias Dähling mit großer Andacht. Die Kantate endet mit einer Reprise des Eingangschors, in dem die Naturtrompeten wieder  hell strahlende Glanzlichter setzten. Wie auf Geheiß erhob sich das Publikum und bedankte sich mit herzlichen Beifall.

Matthias Dähling © Sylvia Frühwirth-Schnatter

Ferlesch und Barucco schenkten dem Publikum noch eine Zugabe: den vielleicht schönsten Choral des gesamten Oratoriums, „Ich steh an deiner Krippen hier“. Das Vokalensemble begann a cappella klar und innig, dann setzte das Orchester ein, und gemeinsam führten Dirigent und Ensemble das herzergreifende Konzert zu einem zarten Abschluss.

Mein Fazit: Eine Aufführung von nicht oft erreichter Schönheit und Tiefe – ein vorweihnachtliches Geschenk ersten Ranges.

Dr. Rudi Frühwirth, 15. Dezember 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Internationalen Barocktage Stift Melk Stift Melk, Kolomanisaal, 18. Mai 2024

 

Barucco Vokalensemble und Orchester, Heinz Ferlesch, Dirigent Stiftskirche Herzogenburg, 19. Juli 2024­

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