Michael Niavarani mag den Landsleuten in Deutschland vielleicht kein Begriff sein. In Österreich spielt der gebürtige Wiener mit persischen Wurzeln in der Topliga der Kabarettisten. Als Frosch setzt er an der Wiener Staatsoper nicht nur Akzente, sondern vereinnahmt diese Partie. Jonas Kaufmann gesellt sich als ausgezeichneter Sängerdarsteller dazu. Fledermaus in Wien – des is a Mordsgaudi.
Johann Strauss, Die Fledermaus
Libretto von Karl Haffner und Richard Genée
Wiener Staatsoper, 6. Januar 2026
von Jürgen Pathy
Nach der Vorstellung herrscht bei Teilen des Publikums Verwirrung. „Das muss ein Double gewesen sein“, zeigt sich ein Gast ungläubig. Dass der so gut Wienerisch spricht, verdeutliche diese Vermutung nur. Nein, Jonas Kaufmann war es an diesem Abend wirklich. Als Eisenstein brilliert der deutsche Startenor an der Wiener Staatsoper so richtig. Dass er angeblich ein „viel fescherer Kerl“ sei, mit weniger Leibesfülle und größerer Präsenz, macht den Herrn ebenfalls stutzig.
Dabei liefert Kaufmann an diesem Abend auch sängerisch beinahe erste Sahne. Natürlich ist das Alter am mittlerweile 56-jährigen Startenor nicht spurlos vorbeigezogen. Was an der Stimme mittlerweile nicht immer glänzt, macht Kaufmann locker mit seiner Darstellung wett.
Die alte Garde ganz groß
Die „alte Garde“, von der man in der Operette von Johann Strauss spricht, zeigt auch auf der Bühne, was sie noch drauf hat. Diana Damrau, 54, zeichnet als Rosalinde weiche Gesangslinien in den Operettenhimmel. Dass sie das hohe D im Csárdás früher länger gehalten hätte, ist kein Beinbruch. Sie zeigt noch immer große stimmliche Qualitäten. Adrian Eröd, 56, ist als Dr. Falke der noble Intrigant – kultiviert, intelligent, mit feinem Spiel zwischen Distanz und Schadenfreude.

Ilia Staple als Adele, die Kammerzofe, pflegt noch mehr Wiener Kolorit in der Aussprache als Kaufmann. Jörg Schneider beweist als Alfred, dass er stimmlich noch zum Frischfleisch zählt – trotz der 57 Jahre ein schlank geführter und agiler Lirico mit Hang und Drang zum Charaktertenor.
Das Wiener Staatsopernorchester auf der Suche
Im Graben sucht das Wiener Staatsopernorchester vom Auftakt an den speziellen Ton. Dass der bis zum letzten Akt verborgen bleibt, darf man Markus Poschner nicht in die Schuhe schieben. Der Münchner, in dieser „Fledermaus“-Serie zum ersten Mal am Pult der Wiener Staatsoper, gibt geschmeidige Zeichen. Ab und zu aber ein wenig zu intensiv, sodass der elegante Hüne – 1,90 Meter wird er schon sein – beinahe übers Ziel hinausschießt.
Niavarani zwischen Schmäh und Dauerfeuer
Highlight somit dann Michael Niavarani als Gerichtsdiener Frosch. Kein tagesaktuelles Thema lässt er aus. René Benko bekommt ebenso sein Fett ab wie Sebastian Kurz und der „Fetznschädl“ über dem großen Teich – Donald Trump natürlich.

Man kann den Frosch derart eigenständig anlegen, eine Wuchtl (Wienerisch für Gag) nach der anderen kann aber auch zu viel des Guten sein. Jonas Kaufmann beweist das als Eisenstein – dosierte Pointen, die ordentlich sitzen. Eine Paraderolle für die Zukunft, mit der er neben dem Intendantendasein in Erl weiterhin auf der Bühne überzeugen könnte.
Jürgen Pathy (klassikpunk.de), 7. Januar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Zwei Anmerkungen:
– JK und Leibesfülle? Liegt da nicht eine Verwechslung mit dem Sänger des Alfred vor?
– Warum ein Foto mit dem Eisenstein vom Vorjahr (Georg Nigl)? Die Unsitte der WSO, mit der Aktualisierung der Fotos auf der Webseite immer wieder zu spät zu sein, muss in den Berichten ja nicht wiederholt werden. Es gibt auf der FB Seite der WSO genug aktuelle Fotos.
DI Waltraud Becker