"Don Quichotte" vergaloppiert sich an der Deutschen Oper Berlin

Jules Massenet, Don Quichotte, Deutsche Oper Berlin, Premiere am 30. Mai 2019

Foto: © Deutsche Oper Berlin/ Thomas Aurin
Deutsche Oper Berlin
, Premiere am 30. Mai 2019
Jules Massenet, Don Quichotte

Emmanuel Villaume, Musikalische Leitung
Jakop Ahlbom, Inszenierung
Alex Esposito, Don Quichotte
Seth Carico, Sancho Pansa
Clementine Margaine, Dulcinee

von Peter Sommeregger

Der musikalisch schmissig beginnende Abend offenbart sein größtes Manko schon in den ersten fünf Minuten: die spanische Fiesta im Hause Dulcinees findet hier in einer Autobahn-Raststätte statt – in der Dulcinee Kellnerin ist. Damit könnte man diese Kritik eigentlich schon beschließen, denn besser wird eine Sache nicht, die schon mit dem falschen Ansatz begonnen hat.

Massenet hat dieses Spätwerk für das kleine und intime Opernhaus von Monte Carlo und dem weltberühmten Bass Schaljapin in die Kehle geschrieben. Die Voraussetzungen für die aktuelle Aufführung sind völlig andere: hier spielt man in Berlins größtem Opernhaus und besetzte den Titelhelden mit dem eher kleinen und schmalen Alex Esposito. Eines der vielen Missverständnisse des Abends.

© Thomas Aurin

Die große Bühne dieses Hauses will gefüllt sein, das Einheitsbühnenbild von Katrin Bombe setzt sogar noch auf die gesamte Tiefe der Bühne, die wenig vorteilhaft möbliert ist. Der Regisseur Jakop Ahlbom verfällt in den heute weit verbreiteten Fehler, dem zu inszenierenden Stück nicht zu trauen, und es kräftig gegen den Strich zu bürsten. Als „Comedie heroique“ hat Massenet seine Oper deklariert, hier gerät sie nur zu einem etwas tranigen Spektakel, das durch die ständigen Versuche, die dünne Handlung szenisch aufzupeppen, mehr und mehr ins Peinliche abrutscht. Skurril gewandete Statisten sind noch kein Einfall an sich, Ahlbom zeigt mit seiner ersten Opernregie nur, dass er besser die Finger von diesem Metier ließe.

In dieser höchst unvorteilhaften Gemengelage hat es Massenets elegische, zarte Musik noch schwerer, ihren Reiz zu entfalten. Der Dirigent Emmanuel Villaume gibt sein Bestes, um dem konzentriert aufspielenden Orchester der Deutschen Oper ein wenig französisches Parfum zu entlocken. Als Dulcinee hat man die Sopranistin Clementine Margaine aufgeboten, die durchaus für das idiomatisch passende Flair sorgen könnte- hätte man sie nicht mit zwei unterirdisch häßlichen Kostümen, nebst einer billigen blonden Perücke ausgestattet.

© Thomas Aurin

Mehr als unvorteilhaft gewandet sind auch die beiden männlichen Hauptdarsteller, Alex Esposito als Quichotte, Seth Carico als Sancho Pansa. Esposito muss den ganzen Abend in glitzernden Sneakers und Hosenträgern absolvieren, den armen Seth Carico lässt man als Pferd verkleidet diese vordergründige Symbolik bis zum Erbrechen strapazieren. Zu verantworten hat diese Kostüme Katrin Wolfermann. Stimmlich ist der Diener seinem Herrn beinahe überlegen, Espositos Bass ist vom Volumen her für diese Rolle nicht gerade optimal, auch wenn er sich redlich bemüht, und ausgesprochen schön singt. Carico bleibt ein wenig eindimensional, was nicht nur seinem peinlichen, angeklebten Pferdeschwanz geschuldet ist.

Erstaunlich, dass diese nicht einmal zwei Stunden dauernde Oper sich am Ende quälend lange anfühlt.

Peter Sommeregger, 31. Mai 2019 für
klassik-begeistert.de

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