Maria Bengtssons Liederabend an der Komischen Oper Berlin: Verweile doch, Du bist so schön!

Liederabend: Maria Bengtsson, Sarah Tysman Klavier  Komische Oper Berlin, 22.Mai 2022

Foto: Maria Bengtsson (c) operabase

Maria Bengtsson singt Lieder von Rangström, Sibelius, Grieg, Schubert und Richard Strauss

Sarah Tysman Klavier

Komische Oper Berlin, 22. Mai 2022

von Peter Sommeregger

Ungewöhnliche Zeit, ungewöhnlicher Ort: Maria Bengtssons Liederabend fand im Pausenfoyer der Komischen Oper ab 21 Uhr statt, was ein zahlreich erschienenes Publikum nicht davon abhielt, die Künstlerin gebührend zu feiern. Die Sopranistin war über längere Zeit Ensemblemitglied des Hauses und hat sich in diesen Jahren in die Herzen des Publikums gesungen. Es konnte nicht verwundern, dass die internationale Karriere der Künstlerin an Fahrt aufnahm, heute ist Bengtsson auch an den ganz großen Häusern in London, Wien, Paris zu hören.

Für ihren Berliner Liederabend wählte sie ein klug zusammengestelltes Programm. Den ersten Teil bildeten Lieder von skandinavischen Komponisten, wobei die Lieder Ture Rangströms eine überraschende Entdeckung bedeuteten. Der schwedische Komponist, der im Stile der Spätromantik komponierte, ist außerhalb seiner Heimat wenig bekannt, was auf Grund der Qualität dieser Lieder verwundert. Mit Sibelius und Grieg erklangen populärere Kompositionen, Griegs Lieder in deutscher Sprache gehören durchaus zum gängigen Repertoire, so subtil interpretiert hört man sie allerdings selten.

Nach der Pause standen Schubert-Lieder auf dem Programm, wobei „Die junge Nonne“ und „Gretchen am Spinnrad“ einen Höhepunkt des Abends markierten. Idiomatisch perfekt gelang Bengtssons Wechsel zur deutschen Sprache, was auch den textlich teilweise komplizierten Liedern von Richard Strauss zu Gute kam. Hier konnte die Sängerin den Farbenreichtum ihres Soprans wunderbar ausbreiten, das abschließende „Morgen“ zelebrierte sie als großen emotionalen Bogen. Mehr als eine Zugabe konnte ihr das Publikum nicht abringen, aber trotzdem verließ man tief berührt das Foyer der Komischen Oper.

Maria Bengtssons Stimme, die technisch hervorragend gebildet ist, klingt in allen Lagen auf sicherem Fundament voll und schlackenlos klar. In keinem Augenblick werden Grenzen ihrer stimmlichen Mittel hörbar, auch die einzelnen dramatischen Ausbrüche erklingen ohne Schärfe oder Bruch der Gesangslinie. Immer wieder erfreut der Farbenreichtum der Stimme, der in Verbindung mit der idiomatisch sauberen Textdeutlichkeit optimale Wirkung erzielt.

Obwohl zwischen Bengtssons Stimme und jener Elisabeth Schwarzkopfs kaum Ähnlichkeit besteht, muss man tatsächlich an diese Ikone des Liedgesanges denken, wobei Bengtssons Interpretationen die bei Schwarzkopf oft ärgerlichen Manierismen vermeiden.

Es war schwer, sich nach der wie im Flug vergangenen Zeit zu verabschieden. „Verweile doch, Du bist so schön“, war man versucht, die Künstlerin zu bitten, die, man darf es trotz „Me too“ sagen, eine bildschöne Frau ist.

Peter Sommeregger, 23. Mai 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Giuseppe Verdi, Falstaff, Komische Oper Berlin,  29. April 2022 Premiere

Jaromir Weinberger, Schwanda, der Dudelsackpfeifer, Komische Oper Berlin, 5. März 2022, PREMIERE

Christoph Willibald Gluck, Orfeo ed Euridice, Orchester der Komischen Oper Berlin, Komische Oper Berlin, 23. Januar 2022

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