Als ein ökologisch-feministisches Manifest könnte diese Inszenierung weltweit mit Erfolg auf Tournee gehen, man müsste nur das Bühnenbild an den jeweiligen Aufführungsort anpassen. Ich wäre gespannt, welche Reaktionen das in den Vereinigten Staaten hervorrufen würde.
„Monster’s Paradise”, Sarah Defrise und Kristina Stanek © Tanja Dorendorf
„Monster’s Paradise”
Komposition: Olga Neuwirth
Libretto: Elfriede Jelinek & Olga Neuwirth, nach einer Idee der Komponistin
Musikalische Leitung: Titus Engel
Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühnenbild und Kostüme: Rainer Sellmaier
Besetzung: Sarah Defrise, Sylvie Rohrer, Kristina Stanek, Ruth Rosenfeld, Georg Nigl, Eric Jurenas, Andrew Watts, Vanessa Konzok, Anna Clementi, Ruben Drole
Hamburgische Staatsoper, 19. Februar 2026
von Jolanta Łada-Zielke
Die Produktion „Monster’s Paradise” der Hamburgischen Staatsoper, deren letzte Aufführung in dieser Saison am 19. Februar 2026, stattfand, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wer ist hier eigentlich das Monster? Der skrupellose, populistische Diktator oder das gutmütige Reptil Gorgonzilla, das nur angreift, wenn man es provoziert hat? Ersterer parodiert eine reale Persönlichkeit aus der Welt der Politik. Der zweite stellt eine Figur aus japanischen Katastrophenfilmen dar, die seit den 1970er-Jahren in der Weltkinematografie präsent sind. Beide sind nicht in der Lage, die Erde zu regieren; der erste ist zu frech und eingebildet, der andere gutmütig, aber feige.
Nachdem Gorgonzilla sein Kostüm für einen Moment auszieht, stellt sich heraus, dass dieser umweltfreundliche Drache eine Frau ist. Körperlich stellt ihn Vanessa Konzok dar, während Anna Clementi ihm ihre absichtlich verzerrte Stimme leiht. Frauen sind in dieser Oper die treibende Kraft, was auf ihre Fortschrittlichkeit hinweist. Die beiden Titelfiguren Vampi und Bampi verkörpern das Komponisten- und Autorenduo, das dieses Werk geschaffen hat – Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek. Ihre Rollen sind durch Schauspielerinnen (Sylvie Rohrer und Ruth Rosenfeld) sowie Sängerinnen doppelbesetzt. Alle ergänzen sich auf der Bühne perfekt und interagieren miteinander.

Der ausdruckvollste Darsteller ist der Bariton Georg Nigl, sowohl gesanglich als auch schauspielerisch. Sein König-Präsident ist nicht nur eine Parodie auf Donald Trump, sondern auch auf Homer Simpson, besonders wenn er nur in weißen Unterhosen und mit einem Hängebauch auf der Bühne stolziert. Nigl verbindet in ihm die Unverschämtheit eines populistischen Herrschers mit der Ungeschicklichkeit Simpsons. Die Aktivitäten des Diktators beschränken sich darauf, die Stimmen der Wähler zu zählen und Wege zu finden, politische Gegner zu vernichten und die Bürger zu manipulieren. Seine beiden Vertrauten Mickey (Andrew Watts) und Tuckey (Eric Jurenas) wiederholen wie ein Mantra „Wir haben gewonnen”, was die Motivation ihres Chefs aufrechterhält. Schließlich stellt er jedoch selbst fest, dass jemand, der Milliarden besitzt, keine Wählerstimmen braucht.
Im zweiten Teil der Vorstellung macht der König-Präsident, während der Vorbereitung auf die Konfrontation mit Gorgonzilla, ähnliche Gesichter wie Trump, um sich Mut zu machen. Das Publikum versteht sofort alle Anspielungen und oft ertönt lautes Gelächter im Zuschauerraum.

Musikalisch ähnelt die Oper ein wenig den Werken von Edgar Varèse, nur mit einer größeren Besetzung der Instrumente. Es gibt auch Zitate aus anderen Stücken, wie zum Beispiel aus der Arie „Glitter and be gay“ aus Bernstein „Candide“. Titus Engel dirigiert meisterhaft und hob dabei klangliche Nuancen wie Sirenengeheul, Windböen, Wasserrauschen und das Getöse einstürzender Gebäude hervor. Die Sänger haben einen ausgezeichneten Kontakt zu ihm, was bei einer solcher Produktion von entscheidender Bedeutung ist.
Es ist bemerkenswert, dass in dieser Oper alle möglichen Chöre zum Einsatz kommen. Die Männerchöre haben einen ritterlichen Charakter, während die Frauenchöre an den Gesang von Nonnen in einem Kloster erinnern. Ihre Partien klingen wie die ersten mehrstimmigen Werke, beispielsweise das Organum. Der gemischte- und Kinderchor sind homophon, man hört dort parallele Quarten und Quinten. Es gibt keine Arien. Die Solopartien sind Rezitative, nach den stimmlichen Möglichkeiten der Sänger. Das größte Lob gehört hier der Sopranistin Sarah Defrise (Vampi). Zwar ist die Aussprache bei hohen Tönen zweitrangig, aber bei dieser Künstlerin war jedes Wort perfekt zu verstehen.
Hervorragend präsentiert sich auch ihre Partnerin Kristina Stanek als Bampi mit ihrer ausdrucksstarken Mezzosopran-Stimme. Der fleischige Bassbariton Ruben Drole in der Rolle des Bären, der vom Präsidenten gefressen werden soll, hat eine Figur voller Humor geschaffen. Abgerundet wird das Ganze durch die beiden Countertenöre Watts und Jurenas, die wahren Gesangsperlen dieser Besetzung.

Gorgonzilla verschlingt den Diktator, fühlt sich aber als sein Nachfolger nicht wohl. Alle erwarten von ihm, dass er auf wundersame Weise wiederherstellt, was der andere zerstört hat, aber niemand hilft ihm dabei. Deshalb verzichtet das Reptil auf die Verantwortung für das Schicksal der Erde und kehrt in den Ozean zurück, aus dem es stammt.
Von der Sintflut, die am Ende alles überschwemmt, werden nur die beiden Hauptheldinnen verschont, denn als Vampirinnen, sind beide ohnehin unsterblich. In der Schlussszene fahren sie auf einem provisorischen Floß durch die überflutete HafenCity, auf die das aus dem Wasser ragende Dach der Elbphilharmonie hinweist, und spielen auf einem verstimmten Bösendorfer-Flügel. Sie schwimmen in Richtung der untergehenden Sonne – ein Motiv, das wir aus anderen Produktionen von Tobias Kratzer kennen, beispielsweise aus „Tannhäuser” 2019 in Bayreuth.
Alles wäre gut, wenn da nicht die übertrieben erweiterte und dadurch langwierige Pointe wäre. Davor ist manchmal zu viel los. Der Chor der Zombies ist absolut passend, aber häufig gibt es auf der Bühne zu viele Statisten. Ein einziges Kermit-und-Miss-Piggy-Paar im zweiten Bild hätte völlig ausgereicht.
Als ein ökologisch-feministisches Manifest könnte diese Inszenierung weltweit mit Erfolg auf Tournee gehen, man müsste nur das Bühnenbild an den jeweiligen Aufführungsort anpassen. Ich wäre gespannt, welche Reaktionen das in den Vereinigten Staaten hervorrufen würde.
Jolanta Łada-Zielke, 20. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Monster’s Paradise Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek Hamburgische Staatsoper, 19. Februar 2026
Monster’s Paradise Musik von Olga Neuwirth Hamburgische Staatsoper, 11. Februar 2026