Daniel Harding © Stephan Rabold
Endlich ist das römische Superorchester wieder auf Besuch in Wien. Gemeinsam mit Daniel Harding und dem Spitzenpianisten Daniil Trifonov konnte man ein besonderes Programm mit deutschen und tschechischen Werken erleben. Und ein italienisches Meisterorchester, das zusammen mit dem britischen Dirigenten Daniel Harding bestechend in die deutsche und tschechische Musikwelt eintaucht. Ein Konzert, das noch lange nachklingen wird.
Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur, op. 83
Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 7 in d-moll, op. 70
Daniil Trifonov, Klavier
Orchestra dell’Accademia nazionale di Santa Cecilia Roma
Daniel Harding, Dirigent
Musikverein Wien, 17. März 2026
von Herbert Hiess
Daniil Trifonov hat wieder einmal bewiesen, dass er unangefochten an der Weltspitze der Pianisten steht. Schon allein der Anfang des interessanten
2. Klavierkonzertes von Johannes Brahms mit dem fulminanten Solohorn sorgte für Gänsehaut.
Das interessante zweite Klavierkonzert des deutschen Komponisten ist ein starker Kontrast zu seinem permanent dramatischen ersten Klavierkonzert. Sind die ersten beiden Sätze noch „gewohnt“ dramatisch, wird man von der Lyrik der beiden letzten Sätze richtiggehend überrascht. Da ist Trifonov voll in seinem Element; toll, was er aus der Partitur zaubert. Und selbst in den dramatischen Passagen der ersten beiden Sätze klingt es niemals brutal oder plakativ.
Beispiellos der dritte Satz, das Andante mit dem berührenden Cello-Solo. Der Dialog zwischen Pianisten und Cellisten war schon allein den Besuch des Konzertes wert. Chapeau vor diesem exzellenten Cellisten!

Auch die Zugabe zeigte, dass Trifonov sich nicht mit den gewohnten „Ohrwürmern“ abgibt; er brachte von Sergej Prokofjew das Lento irrealmente op. 22/20 aus den Visions fugitives. Selten noch wurden Prokofjews Eigenheiten so plastisch dargestellt wie durch den russischen Pianisten. Das Finalstück der Miniaturensammlung war auch der Schlusspunkt des ersten Teiles des Konzertes.
Danach ging die Reise weiter nach Tschechien zu Antonín Dvořák. Obwohl man heuer „nur“ seinen 185. Geburtstag begeht, werden interessanterweise viele Werke des großartigen Komponisten angesetzt. So wollten die Wiener Philharmoniker am Tag nach dem Konzert mit dem römischen Orchester genau das gleiche Werk spielen. Nur hat Zubin Mehta kurzfristig die siebente Symphonie von Beethoven anstatt der von Dvořák angesetzt (Bericht folgt!). Schade, der Vergleich wäre hochinteressant gewesen.

Auch hier brillierten die Italiener gemeinsam mit Harding. Beeindruckend war vor allem, wie das römische Orchester das tschechische Flair spüren ließ. Der zweite Satz (Poco adagio) und der dritte Satz (Vivace – poco meno mosso) waren der Höhepunkt dieser Symphonie. Sehr beeindruckend hier auch die Holzbläser, die in keinem tschechischen Werk fehlen dürfen und der wunderbare Solohornist.
Als Zugabe spielten die Italiener unter Harding den „Valse triste“ von Jean Sibelius. Ein superber Schluss eines superben Konzertes.
Herbert Hiess, 18. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Wiener Philharmoniker, Daniel Harding, Dirigent Elbphilharmonie, Hamburg, 20. Januar 2026
Daniel Harding feiert Gustav Holst Berliner Philharmonie, 25. Januar 2025
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