Christian Lindberg dirigiert meisterhaft im Wiener Musikverein

Norrköpings Symfoniorkester, Christian Lindberg, Benjamin Schmid,  Musikverein Wien

Foto: Mats Bäcker (c)
Musikverein Wien
, Großer Saal, 10. Juni 2018
Norrköpings Symfoniorkester
Christian Lindberg, Dirigent
Benjamin Schmid, Violine
Carl Maria von Weber, Ouvertüre zu „Oberon“ J 306
Ludwig van Beethoven, Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61
Allan Pettersson, Symphonie Nr. 7

von Mirjana Plath

Welch ein Konzert! Das Norrköpings Symfoniorkester hat am Sonntag mit seinem Dirigenten Christian Lindberg im Wiener Musikverein eine Meisterleistung vollbracht. Die Schweden hatten für ihren Auftritt neben Werken von Weber und Beethoven mit der 7. Symphonie von Allan Pettersson auch einen Gruß aus ihrer nordischen Heimat im Gepäck.

Christian Lindberg ist ein charismatischer Dirigent. Er dirigiert mit Elan und hat sichtlich Freude an der Musik. Strahlend lächelt er das Publikum beim Einlaufen an. Das Lächeln verstirbt auch nicht, als er zu dirigieren beginnt. Selbst seine Kleiderwahl verbreitet farbenfrohe gute Laune. Er wechselt nach jedem Stück sein Seidenhemd, steht einmal in Silber, einmal in Schwarz und einmal in Dunkelrot am Dirigentenpult.

Das Norrköpings Symfoniorkester eröffnet das Konzert mit einer brillanten Interpretation von Carl Maria von Webers Oberon-Ouvertüre. Das Horn setzt zart zum fragenden Eröffnungsmotiv an, die Streicher zeichnen sich durch einen kristallklaren Sound aus. Lindberg schafft es, an den richtigen Stellen die Musik ausharren und nachklingen zu lassen. Dabei verlangsamt er keineswegs das Tempo der Komposition. Präzise setzt das Tutti gemeinsam ein und fesselt die Zuhörer mit perlenden Läufen. Die Dynamik reicht von sanften Pianissimi bis zu reichhaltigen Forte-Passagen. Dieser Oberon ist überwältigend!

In Beethovens Konzert für Violine und Orchester in D-Dur übernimmt der österreichische Geigenspieler Benjamin Schmidt den Solopart. Die Töne auf seiner Stradivari-Violine sind klar definiert, Schmidt hat eine zielstrebige Art zu spielen. Gleichzeitig spürt er der Melodieführung sensibel nach. Auch das Orchester zeigt seinen Facettenreichtum. Sie wettern wie ein Donnersturm, nur um im nächsten Moment in einfühlsame Melancholie umzuschlagen.

Das letzte Stück des Programms (Veranstalter: Jeunesse) schafft einen Bezug zur Moderne. Christian Lindberg ist Spezialist für die Werke von Allan Pettersson (1911-1980). Kein Wunder also, dass er für den Auftritt im Musikverein eine seiner Symphonien präsentiert.

Petterssons Musik ist im Vergleich zu anderen Werken des späten 20. Jahrhunderts erstaunlich tonal. Zu Beginn der siebten Symphonie dominieren düstere Borduntöne im Blech das Geschehen, nach und nach übernehmen die Streicher die Überhand in der einsätzigen Komposition. Massiv und blockartig spielt das Orchester die Musik. Es scheint keinerlei Schwierigkeiten damit zu haben, von der leichtfüßigen Interpretation klassisch-romantischer Werke auf eine stählerne Spielweise des 20. Jahrhunderts umzuschalten.

Stürmischer Applaus belohnt das grandiose Orchester mit seinem energiegeladenen Dirigenten. Mehrmals muss Lindberg vor das Publikum treten und sich verbeugen. Dann spielt das Orchester noch ein schwedisches Stück als Zugabe – einen Ausschnitt aus Wilhelm Stenhammars Komposition „Sången“.

Hoffentlich ist das Norrköpings Symfoniorkester bald wieder zu Gast in Österreich. Diese Weltklasse darf sich eine Kulturstadt wie Wien nicht entgehen lassen.

Mirjana Plath, 12. Juni 2018, für
klassik-begeistert.de

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