Vladimir Jurowski und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin: Das rechte Bruckner-Glück wollte sich nicht einstellen

Richard Goode, Vladimir Jurowski, RSB Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin,  Konzerthaus Berlin, 8. März 2020

Konzerthaus Berlin, 8. März 2020
W.A. Mozart
  Klavierkonzert B-Dur KV 595
Anton Bruckner  Symphonie Nr.5 B-Dur WAB 105

RSB Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Richard Goode  Klavier
Vladimir Jurowski  Dirigent
Foto: © Simon Pauly

von Peter Sommeregger

Mozarts letztes Klavierkonzert in B-Dur KV 595 wurde vom Komponisten selbst bei seinem letzten Auftritt als Solist am 4. März 1791 erstmals aufgeführt. Die einprägsame Melodie des Frühlingsliedes die weite Teile des Werkes dominiert, war von seinem Schöpfer wohl der gleichen Sehnsucht nach dem Frühling geschuldet, wie sie in diesen letzten Wintertagen damals wie heute die Menschen umtreibt.

Als Solist war im Konzerthaus Berlin der amerikanische Pianist Richard Goode zu erleben, ausgewiesener Spezialist für klassische und romantische Klavierwerke. Er greift die von Jurowski vorgegebene etwas robuste Lesart Mozarts auf, ist brillant in Anschlag und Technik, legt ein dem Werk durchaus entsprechendes Tempo vor, selbst die Kadenz wird äußerst flott exekutiert. Als Zugabe spielt Goode aus der ersten Englischen Suite von Bach, vielleicht kein ideales Bindeglied zu Bruckner.

Nach der Pause die mächtige, fast 80 Minuten dauernde 5. Symphonie Anton Bruckners. Dieses Werk des großen Symphonikers ist entgegen seinen anderen Symphonien relativ übersichtlich strukturiert, ungewöhnlich sind die Selbstzitate in dieser Symphonie, einzelne Themen tauchen in sämtlichen vier Sätzen zumindest kurz wieder auf.

Jurowskis Herangehensweise an dieses symphonische Monument scheint seltsam distanziert, bei allem konzentrierten Gestaltungswillen scheint er immer doch ein wenig mehr Dompteur als Interpret der gewaltigen Klangmassen zu sein. Gerade in diesem gut strukturierten Werk stehen einzelne Abschnitte ein wenig isoliert, nicht gut synchronisiert mit den anderen Passagen. Ein roter Faden will sich nicht einstellen. Das Blech erreicht eine geradezu martialische Lautstärke, von meinem Platz Mitte des ersten Ranges aus sprengte es beinahe den Rahmen der akustisch erträglichen Lautstärke.

Mehr und mehr verfestigt sich der Gedanke, diese unerwartet spröde Interpretation könnte der bekannt ungünstigen Akustik des Saales geschuldet sein. Der große Saal des Konzerthauses Berlin, in die Ruine des Schinkel’schen Schauspielhauses erst in den 1980er Jahren neu eingebaut, ist in weiten Teilen eine Betonkonstruktion. Das schafft eine knochentrockene Akustik, die für ein symphonisches Werk dieser Dimension extrem ungünstig ist. Zudem scheint mir der Saal mit seiner begrenzten Tiefe zu klein für die Bruckner’sche Symphonik zu sein. Was auch immer der Grund gewesen sein mag, das rechte Bruckner-Glück wollte sich an diesem Vorfrühlings-Sonntag nicht einstellen.

Peter Sommeregger, 8. März 2020 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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