Markus Jentzsch, Miina-Liisa Värelä © Barbara Aumüller
Kein Kelch mit Jesus’ Blut oder mit Todestrank! Ein Liebestrank bestimmt die Geschichte an diesem Karfreitagabend an der Frankfurter Oper. Auf dem Programm steht Richard Wagners Oper “Tristan und Isolde” in der Inszenierung aus der Saison 2019/2020 von Katharina Thoma. Am Dirigentenpult leitet Thomas Guggeis erstmals die verhängnisvolle Liebesgeschichte, deren Titelfiguren von Marco Jentzsch und Miina-Liisa Värelä gesungen werden.
Richard Wagner (1813 – 1883) TRISTAN UND ISOLDE
Handlung in drei Aufzügen (Text von Richard Wagner)
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis
Inszenierung: Katharina Thoma
Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Irina Bartels
Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Herrenchor der Oper Frankfurt (Leitung: Álvaro Corral Matute)
Oper Frankfurt, 3. April 2026
von Jean-Nico Schambourg
Aus Sicht der Regisseurin Katharine Thoma endet die Verbindung der beiden Liebenden tragisch wegen beider psychologischen Voraussetzungen. Vor allem Tristan sieht den Tod als einzigen Ausweg aus seinem (Liebes)-Leben und den Beziehungen zu anderen Menschen. Er will Isolde mit König Marke vermählen, um sie für sich unzugänglich zu machen. Er hat sich in sie verliebt und weiß mit diesen Gefühlen nicht umzugehen.
Aus diesem Grund will Isolde sich im ersten Akt an Tristan rächen, nicht wegen des Mordes an ihrem vorigen Verlobten Morold. Sie hat sich selbst in Tristan verliebt als sie seine Wunden pflegte und empfindet sein Verhalten und Vorhaben nun als Verrat.
Es bleibt also nur der gemeinsame Tod durch einen Todestrank. Dies klappt ja bekanntlich nicht. Die Personenführung der Regisseurin ist schlüssig und unterstreicht die Idee der geplanten gemeinsamen Flucht in ein Land der Dunkelheit. Am Schluss “verrät” Tristan Isolde jedoch noch einmal, weil er im Tode nicht auf sie wartet. Hierzu lässt Thoma Tristans Todesinsel langsam nach hinten von der Bühne verschwinden, während Isolde, allein gelassen, den Liebestod singt.
Auch die minimalistisch gehaltenen Bühnenbilder in Schwarz/Weiß von Johannes Leiacker setzen die Dualität Tag/Nacht oder Liebe/Tod perfekt um.
Die beiden Titelfiguren werden von Miina-Liisa Värelä und Markus Jentzsch gesungen. Die finnische Sopranistin schmeißt sich von Anfang an mit vollem Elan in die mörderische Partie. Ihre Stimme ist bestens geeignet für die großen Wagner-Heroinen, die sie in nächster Zeit an verschiedenen großen Opernhäuser singen wird. Einige wenige schrillen Höhen seien ihr schnell verziehen, da sie bis zum Schluss problemlos durchhält. Dabei vergisst sie im großen Duett des zweiten Aktes, sowie am Schluss in Isoldes Liebestod nicht, weichere Töne anzuschlagen.
Auch Markus Jentzsch verfügt über genügend Ausdauer, um seine Rolle bravourös durchzustehen. Er ist nicht der gewohnt stimmlich imposante Heldentenor und wirkt anfangs ein wenig zurückhaltend. Spätestens im zweiten Akt ist er seiner Isolde jedoch ein ebenbürtiger Partner für das lange Liebesduett. Im letzten Akt hat er genügend stimmliche Reserven, um Tristans Verzweiflung und Todessehnsucht, auch dank perfekter Diktion, überzeugend vorzutragen.

Glückliches Frankfurt, das die weiteren bedeutenden Rollen mit erstklassigen aktuellen und ehemaligen Ensemblemitgliedern besetzen kann. Claudia Mahnke meistert mit Bravour die schwierige Partitur der Brangäne mit ihren vielen anspruchsvollen Höhen, die viele anderen Fachkolleginnen in Angst und Schrecken versetzen. Nicholas Brownlee bestätigt mit prägnantem Bariton, dass er momentan zu den Spitzenvertretern im Wagner Fach gehört.
Gesanglicher Höhepunkt des Abends ist für mich allerdings der Auftritt von Andreas Bauer Kanabas, der mit gepflegter Bassstimme den König Marke singt. Herrlich wie er in seiner großen Arie “Tatest du’s wirklich” jede Phrase zelebriert, sodass man nur ergriffen diesem betrogenen Ehemann zuhören kann. Beim Schlussapplaus bekommt er zu Recht den lautesten Zuspruch vom Publikum.
Taehan Kim als Melot, Pete Thanapat als Steuermann und vor allem Theo Lebow in seiner Doppelrolle als junger Seemann und als Hirte vervollständigen, neben dem guten Herrenchor der Oper Frankfurt, eine exzellente vokale Besetzung.
Diese großartigen Gesangleistungen werden getragen von einem bestens aufgelegtem Frankfurter Oper- und Museumsorchester, das unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Thomas Guggeis einen hinreißenden Klangteppich auslegt. Manchmal ist dieser ein wenig zu stark und überdeckt die Sänger. Doch diese Kritik ist schon fast ketzerisch im Vergleich zum musikalischen Gesamteindruck. Guggeis leitet das Orchester mit teils forschen, aber stets richtig klingenden Tempi durch den Abend. Dabei zieht er den Zuhörer immer wieder mit speziell herausgehobenen Elementen in seinen Bann. Ein besonderes Lob geht an den Musiker des Englischhorns, der auf offener Bühne seine Solopassagen sehr gefühlvoll vorträgt.
Das Publikum feiert am Ende das Orchester und seinen Dirigenten sowie alle Sänger.
Jean-Nico Schambourg, 5. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Richard Wagner, Tristan und Isolde, Lise Davidsen The Metropolitan Opera, New York, 9. März 2026
CD/Blu-ray Besprechung: Richard Wagner, Tristan und Isolde klassik-begeistert.de, 2. März 2026