Südländische Silvester in Grafenegg: Teil 1 war richtig brillant und mitreißend

Silvester-Konzert am 31. Dezember 2019, Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Alfred Eschwé, Claudia Goebl,  Auditorium, Grafenegg

Silvester-Konzert am 31. Dezember 2019 im Auditorium, Grafenegg

Foto: Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, © Martina Siebenhandl
Claudia Goebl, Sopran
Friederike von Krosigk, Kastagnetten
Tonkünstler-Orchester Niederösterreich
Alfred Eschwé, Dirigent

Werke von Franz von Suppé, Luigi Arditi, Josef Strauss, Edward Elgar, Ludwig van Beethoven, Gaetano Donizetti, Émile Waldteufel, Ferdinand Hérold, Emmerich Kálmán, Johann Strauss Sohn, Amadeo Vives und Carl Millöcker

von Herbert Hiess

2020 ist natürlich das Beethovenjahr schlechthin; der 250. Geburtstag dominiert ja überall die Konzertprogramme und Plattenproduktionen. So kam man bei diesem Silvesterkonzert 2019 auch in den Genuss des Scherzos seiner 3. Symphonie („Eroica“). Das Hornmotiv des Trios ist übrigens auch die Pausenfanfare von Grafenegg selbst. Die Tonkünstler unter Eschwé spielten es recht sauber; auch wenn oft hörbar wurde, wie rhythmisch schwierig dieser Satz ist. Außerdem hätte man sich da etwas mehr Prägnanz und Pointierung erwartet. Andererseits: im Rahmen des bunten Programmes war das dann auch nicht weiter schlimm.

Ganz anders die anderen Nummern mit der interessanten Sopranistin Claudia Goebl. Die hochbegabte Sopranistin verzauberte das Publikum mit dem „Kusswalzer“ von Arditi, der Arie der Marie aus Donizettis „Die Regimentstochter“ und jeweils einer Nummer aus Kálmáns „Das Veilchen von Montmartre“ und von Millöckers „Der Bettelstudent“. Frau Goebl hat eine unheimlich sichere Höhe und sie zeigt gern ihre Virtuosität – vor allem bei den Koloraturen. Sie singt auch sehr wortdeutlich; in der Mittellage ist sie jedoch nicht so gut hörbar. Offenbar das Schicksal vieler (Koloratur-)Soprane. Vielleicht sollte sie sich entscheiden, ob sie nicht doch den Weg der Koloratur einschlagen sollte. Auf jeden Fall war es eine Freude, ihr zuzuhören.

Als Novität bei diesen Konzerten gab es heuer eine zweite Solistin und zwar mit Friederike von Krosigk eine Großmeisterin der Kastagnetten. Umwerfend, wie sie mit – banal gesprochen – zwei Stücken Holz so grandiose Musik fabrizieren kann. Da brillierte sie schon im ersten Teil bei Waldteufels „España“-Walzer, den der Komponist übrigens nach der 1883 uraufgeführten gleichnamigen Rhapsodie von Chabrier komponierte. Frau Krosigk hat zwar ein sehr nordisches Aussehen; trotzdem gelangen ihr die Flamenco-artigen Bewegungen sehr gut.

In diesem Konzert war der erste Teil richtig brillant und mitreißend; im zweiten jedoch war irgendwie „die Luft draußen“. Das hörte man mehr als deutlich bei der „Bauern-Polka“ von Johann Strauss Sohn, bei der Carlos Kleiber und Nikolaus Harnoncourt die Latte unerreichbar hoch hängten. So ähnlich bei Josef Strauss „Sphärenklänge“, die Karajan und Kleiber monumental aufführten. Auch da reichte die Aufführung nicht an die Vorbilder heran.

Alfred Eschwé ist immer ein verlässlicher Anwalt für die Werke von Strauss und auch sonst vielen Operetten. Es macht immer Freude, ihm dabei zuzuhören, wie er in die Materie eintaucht. Heuer war seine Moderation im Vergleich zum Vorjahr witzig und erfrischend. So wünscht man ihm (nicht ganz uneigennützig als Zuhörer) noch ein langes und zufriedenes Leben für noch viele solcher Jahresausklänge.

Herbert Hiess, 1. Januar / Jänner 2020, für
klassik-begeistert.de

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