Heras-Casado kleidet Bruckner in musikalisch historische Gewänder

Foto: Anima Eterna Brugge © Jan Landau

Auditorium Grafenegg, 14. August 2022

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 7 E-Dur

Anima Eterna Brugge
Pablo Heras-Casado, Dirigent

von Herbert Hiess

Man weiß ja nie, warum Musik mit Originalinstrumenten aufgeführt wird – ist es tatsächlich die Neugier nach dem historischen Originalklang oder bloß das Bedienen einer Marktlücke nach dem Motto „Schaut her, ich bringe euch was ganz Neues“.

Nikolaus Harnoncourt war der Apostel der Originalklangbewegung und machte diese in Musikerkreisen eigentlich salonfähig. Natürlich müssen sich die Musiker und das Publikum mit den akustischen und spieltechnischen Eigenheiten anfreunden; aber letztlich hat das durchaus seinen Reiz. „Matinee Anima Eterna Brugge, Pablo Heras-Casado dirigiert Bruckners siebte Symphonie.
Auditorium Grafenegg, 14. August 2022 “
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Grafenegg Schlossklänge 21 - 22 – atemlos durch die Nacht...

Foto: Ivor Bolton © Ben Wright

Grafenegg, Auditorium, 5. März 2022

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem

Solisten:
Christina Landshammer, Sopran
Tareq Nazmi, Bass

Tonkünstlerorchester Niederösterreich
Ivor Bolton Dirigent

Konzertchor Niederösterreich (Choreinstudierung: Markus Pfandler-Pöcksteiner)

von Herbert Hiess

….ist nicht nur ein bekannter Liedtitel von Helene Fischer, sondern war offenbar und hörbar das Motto des Abends im Grafenegger Auditorium. Das großartige Niederösterreichische Tonkünstlerorchester wurde vom Dirigenten Ivor Bolton geradewegs durch eines der schönsten sakralen Chorwerke durchgepeitscht.

Ivor Bolton ist ansonsten ein sehr bewährter und ausgezeichneter Dirigent. Warum er dann durch das Requiem so durchgefahren ist, bleibt rätselhaft. Da gab es nur Hektik; schnelle Passagen wurden noch schneller gespielt und bei den langsamen Teilen gab es kein Verhalten, kein Innehalten. Irgendwie spürte man die ganze Zeit eine eigenartige Hektik bei Bolton.

Ein großes Lob für den Konzertchor Niederösterreich, der erst 2019 bei einem Projekt mit Beethovens 9. in St. Pölten entstand. Und man entschied sich, an diesem Chor festzuhalten und aus dem Projekt eine Institution zu machen. Was auch gut ist, denn das Ensemble ist wahrhaft exzellent. Derweil noch in Form eines ungeschliffenen Rohdiamanten. Woran die vielfach jungen Leute noch arbeiten müssen, sind vor allem Wortdeutlichkeit und eine Pianokultur. Wobei letztere durch das Dirigat verloren ging; Bolton hat offenbar viel zu wenig auf diese Schattierungen geachtet. Gerade in den Sätzen IV (Wie lieblich sind deine Wohnungen) und V (Ihr habt nun Traurigkeit) wären viele Gelegenheiten gewesen, mit Pianissimi zu brillieren. „Grafenegg Schlossklänge 21-22, Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem, Tonkünstlerorchester Niederösterreich, Ivor Bolton,
Grafenegg, Auditorium, 5. März 2022“
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Herbert Blomstedt: 94… und kein bisschen leise

Grafenegg Festival 2021
Konzert am 2. September 2021 im Wolkenturm, Grafenegg

Franz Schubert: Symphonie Nr. 7 in h-moll D 759
Anton Bruckner: Symphonie Nr. 4 in Es-Dur „Romantische“
Wiener Philharmoniker
Herbert Blomstedt, Dirigent

von Herbert Hiess

… auch wenn der Titel dieses Liedes etwas abgedroschen klingt; bei Herbert Blomstedt passt es auf alle Fälle. Der am 11. Juli 1927 (!) als Sohn schwedischer Eltern in den USA geborene Dirigent ist in vieler Hinsicht ein Phänomen.

Offenbar muss der Mann genetische Eigenschaften wie ganz wenige Menschen haben. Er dirigiert das Konzert mit einem gewaltigen Programm auswendig, steht dabei die ganze Zeit und bewegt sich am Pult wie ein weitaus jüngerer Mann. Gerade noch beim Auftritt könnte man aufgrund der Motorik sein höheres Alter erahnen; sicher aber keine 94 Jahre. „Grafenegg Festival 2021, Wiener Philharmoniker, Herbert Blomstedt
Konzert am 2. September 2021 im Wolkenturm, Grafenegg“
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Semyon Bychkov brilliert mit der Tschechischen Philharmonie in Grafenegg

Foto: Marco Borggreve for the Czech Philharmonic

Grafenegg, Auditorium 27. August 2021

Tschechische Philharmonie
Chefdirigent: Semyon Bychkov
Solist: Rudolf Buchbinder, Klavier

Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur op. 83
Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 8 in G-Dur op.88

von Herbert Hiess

Mit der großartigen Tschechischen Philharmonie konnte das Grafenegg Festival 2021 einen ersten wirklichen Höhepunkt verzeichnen. Bis auf den Abend „Bésame mucho“mit Juan Diego Flórez & Band am 24. Juli 2021 waren die Konzerte bis jetzt nicht wirklich „festivalverdächtig“.

Mit dem zweitägigen Gastspiel des Meisterorchesters aus Tschechien in Grafenegg hat sich das Blatt offenbar gewendet. Die Musiker haben mit Ihrem Chefdirigenten Semyon Bychkov bewiesen, dass dieses Ensemble zu den besten Orchester Europas – wenn nicht sogar weltweit – zählt. Zurückblickend auf eine traditionsreiche Kultur und Geschichte in der klassischen Musik, nicht zuletzt auch wegen der vorhergehenden Chefdirigenten, Václav Neumann und dem viel zu früh verstorbenen Jiří Bĕlohlávek.

Mit Semyon Bychkov, seit 2018 Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie, hat man die allerbeste Wahl getroffen. Der mehr als sympathische und unprätentiöse Musiker, den man nicht selten als  „ewigen Gast“ belächelt hat, hat bei den tschechischen Philharmonikern  eine musikalische Heimat gefunden und führt das Orchester mit Kompetenz, Musikalität und Souveränität zu singulären Spitzenereignissen. So wie bei den beiden Konzerten hier in Grafenegg 2021. „Grafenegg Festival 2021, Tschechische Philharmonie, Semyon Bychkov
Grafenegg, Auditorium, 27. August 2021“
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Eine kleine Reise zum kulturellen Wiedereinstieg ins Konzertleben

von Herbert Hiess

Foto: Umberto Nicoletti | author: Umberto Nicoletti ©
Katia und Marielle Labèque, Klavier

Nach den pandemischen Zwangsschließungen werden die Theater- und Konzertveranstalter wieder aktiv; da gibt es auch Events, die sich sehen und vor allem hören lassen können.

Natürlich wird noch im „Coronamodus“ gespielt, was ein relativ kürzeres Programm und keine Pause bedeutet. In gewisser Weise könnte man das auch beibehalten; die Pausen sind vielleicht für die Buffetiers ein Vorteil – in Wirklichkeit reißen sie einen aus der Stimmung raus und dehnen dann noch einen Abend sinnloserweise raus. „Konzert am 29. Mai 2021 im Wiener Konzerthaus, Grafenegg, Auditorium, 30. Mai 2021
klassik-begeistert.de“
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Südländische Silvester in Grafenegg: Teil 1 war richtig brillant und mitreißend

Silvester-Konzert am 31. Dezember 2019 im Auditorium, Grafenegg

Foto: Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, © Martina Siebenhandl
Claudia Goebl, Sopran
Friederike von Krosigk, Kastagnetten
Tonkünstler-Orchester Niederösterreich
Alfred Eschwé, Dirigent

Werke von Franz von Suppé, Luigi Arditi, Josef Strauss, Edward Elgar, Ludwig van Beethoven, Gaetano Donizetti, Émile Waldteufel, Ferdinand Hérold, Emmerich Kálmán, Johann Strauss Sohn, Amadeo Vives und Carl Millöcker

von Herbert Hiess

2020 ist natürlich das Beethovenjahr schlechthin; der 250. Geburtstag dominiert ja überall die Konzertprogramme und Plattenproduktionen. So kam man bei diesem Silvesterkonzert 2019 auch in den Genuss des Scherzos seiner 3. Symphonie („Eroica“). Das Hornmotiv des Trios ist übrigens auch die Pausenfanfare von Grafenegg selbst. Die Tonkünstler unter Eschwé spielten es recht sauber; auch wenn oft hörbar wurde, wie rhythmisch schwierig dieser Satz ist. Außerdem hätte man sich da etwas mehr Prägnanz und Pointierung erwartet. Andererseits: im Rahmen des bunten Programmes war das dann auch nicht weiter schlimm. „Silvester-Konzert am 31. Dezember 2019, Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Alfred Eschwé, Claudia Goebl,
Auditorium, Grafenegg“
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Yutaka Sado war in Grafenegg nicht in Spitzenform

Foto: © Peter Rigaud
Grafenegg, Auditorium, 18. Mai 2019

Daniela Fally, Sopran
Elisabeth Kulman, Mezzosopran

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 2 in c-moll  für Sopran- und Alt-Solo, Chor und Orchester „Auferstehungssymphonie“

Slowakischer Philharmonischer Chor
Tonkünstler-Orchester Niederösterreich / Yutaka Sado

von Herbert Hiess      

Die Auferstehungssymphonie ist neben der Achten jene mit der größten Besetzung (zumindest was die Kopfanzahl der Ensemblemitglieder angeht) und eigentlich bei jedem Konzert mit ihrem aufbrausenden Finale eine Art „Selbstläufer“. Und das Niederösterreichische Landesorchester ist durchaus ein Orchester, das qualitativ mit Spitzenorchestern mithalten könnte. „Daniela Fally, Elisabeth Kulman, Tonkünstler-Orchester Niederösterreich / Yutaka Sado,
Grafenegg, Auditorium, 18. Mai 2019“
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Das "European Union Youth Orchestra" glänzt mit strahlender Spielfreude in Grafenegg

Foto: European Union Youth Orchestra  © Nancy Horowitz
Grafenegg Auditorium, 21. April 2019

Michael Schade Tenor
Vasily Petrenko Dirigent
European Union Youth Orchestra

Richard Strauss
«Mondschein-Musik» aus der Oper «Capriccio» op. 85
«Zueignung» op.10/1
«Cäcilie» op. 27/2
«Morgen!» op. 27/4
«Liebeshymnus» op. 32/3
«Befreit» op. 39/4

Anton Bruckner
Symphonie Nr. 4 Es-Dur «Romantische»

von Herbert Hiess

2019 konnte man das European Union Youth Orchestra (EUYO) wieder einmal in Grafenegger Residenz im Auditorium erleben – wieder einmal unter seinem Chef Vasily Petrenko. Er ist ein hochbegabter Profi und wie man hören kann, ein exzellenter „Coach“ für die jungen Leute. Was ihm vielleicht etwas fehlt, ist ein Quäntchen Klangsensibilität – dazu später. „European Union Youth Orchestra, Vasily Petrenko, Michael Schade,
Grafenegg Auditorium, 21. April 2019“
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Mit Power-Piccolo ins neue Jahr: das Silvesterkonzert 2018 in Grafenegg

Foto: Die Open Air-Bühne Wolkenturm © Studio Iris
Grafenegg, Auditorium, 31. Dezember 2018, Silvesterkonzert

Werke von Gioachino Rossini, Wolfgang Amadeus Mozart, Georges Bizet, Josef Strauss, Johann Strauss Sohn, Jacques Offenbach, Aram Chatschaturjan, Carl Michael Ziehrer, Carl Millöcker, Robert Stolz, Franz Lehár und Jerónimo Giménez

Manuel Walser, Bariton
Tonkünstler-Orchester Niederösterreich
Alfred Eschwé, Dirigent

von Herbert Hiess

Herbert von Karajan hat schon gewusst, warum er (vor allem im italienischen Repertoire) die Piccoloflöte immer auf ein Minimum reduzierte. Gerade das im Hochfrequenzbereich klingende Instrument schafft es mühelos, sich so in den Vordergrund zu spielen, dass es die Melodiebögen der anderen Instrumentengruppen mühelos überlagert und sogar zerstört.

Genau das ist am Silvesterabend 2018 in Grafenegg passiert, wo die junge Dame der Niederösterreichischen Tonkünstler an dem Instrument so ungezügelt aufspielte, dass gleich Rossinis Ouvertüre zu „Il barbiere di Siviglia“ zu einem Solokonzert für Piccolo und Orchester ausartete. „Silvesterkonzert,
Grafenegg, Auditorium, 31. Dezember 2018“
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