Der Stoff, aus dem Sternstunden geschnitten sind

Gustav Mahler, Symphonie Nr. 2 in c-moll „Auferstehungssymphonie“  klassik-begeistert.de

Foto: Grafenegg Auditorium © Alexander Koller

Auditorium  Grafenegg, 27. August 2022

Gustav Mahler:
Symphonie Nr. 2 in c-moll für Sopran- und Alt-Solo, Chor und Orchester  „Auferstehungssymphonie“

Louise Alder, Sopran
Dame Sarah Connolly, Mezzosopran

Wiener Singverein
London Symphony Orchestra
Sir Simon Rattle, Dirigent

von Herbert Hiess

Fast als logische Konsequenz war auch der zweite Abend des Gastspiels des Londoner Superorchesters ein voller Triumph; für Dirigent, Solisten, Chor und Orchester.

Sir Simon Rattle, der dieses komplizierte Werk schon viele Male dirigiert hat, geht trotz der Routine an die Sache ran, als würde er es das erste Mal leiten. Und das in positivster Hinsicht; diese musikalische Entdeckungsreise ist ein Erlebnis für sich.

Über das Orchester braucht man nicht viel sagen; das London Symphony Orchestra ist eines der führenden in Europa – wenn nicht weltweit.

Schon im monumentalen ersten Satz, den Mahler auch als Orchesterwerk „Totenfeier“ darstellt, zeigen Rattle und die Musiker ihre volle Stärke. Mehr als beeindruckend die vielen lyrischen Kantilenen (vor allem bei Celli und Bratschen). Auch das Holz, Blech und Schlagwerk sind komplett ebenbürtig.

Sir Simon Rattle © Oliver Helbig

Der zweite Satz (wie ein Landler) wurde vielleicht etwas rasch genommen; trotzdem hörte man Mahlers Seelenwelt in voller Schönheit. Die Paukenschläge zu Beginn des dritten Satzes (Scherzo) hätten vielleicht noch markiger sein können; das tut aber dem Gesamtergebnis keinen Abbruch.

Dame Sarah Connolly war eine bemerkenswerte Interpretin des „O Röschen rot“. Mit ihrem sonoren Mezzo, der fast ins Alt übergeht, ließ sie dieses Lied aus „Des Knaben Wunderhorn“ mehr als berührend hören. Und dann noch dazu nach den einleitenden Worten die Oboe-Kantilene, die ihresgleichen sucht. Rattle macht daraus sogar noch ein Ereignis. Wiewohl man in dieser Symphonie viele Details hörte, die oft ansonsten untergehen.

Im letzten Satz brillierten die Blechbläser vor allem bei dem Choral, Schlagwerk und Holz standen dem um Nichts nach. Dazu die zwei Fernmusiken und letztlich der exzellente Wiener Singverein. Die bezaubernde und berührende Sopranistin Louise Alder war die wundervolle Ergänzung im furiosen Finale.

Aufgrund der Wetterunsicherheit wurde das Konzert ins Auditorium verlegt, was in punkto Akustik eigentlich ein Vorteil war. Schade, dass dadurch viele Menschen um ein Weltklasse-Liveerlebnis gebracht wurden.

Man muss der Intendanz in Grafenegg dankbar sein, solche Weltklasseensembles hier in diese wunderschöne Landschaft zu engagieren. Bis jetzt waren diese beiden Konzerte der absolute Höhepunkt des Festivals 2022; von diesen Aufführungen kann man noch lange zehren.

Herbert Hiess, 29. August 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

London Symphony Orchestra, Sir Simon Rattle, Dirigent Wolkenturm, Grafenegg, 26. August 2022

Sir Simon Rattle, London Symphony Orchestra, Kölner Philharmonie, 27.9.2021

Tonkünstler Orchester Niederösterreich, Fabio Luisi, Bruch/Bruckner, Grafenegg, 19. August 2022

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