Very British please: H.M.S. Pinafore von Arthur Sullivan begeistert an der ENO in London

Sir Arthur Sullivan (1842-1900), H.M.S. Pinafore   English National Opera ENO at the London Coliseum, 31. Januar 2026

ENO’s H.M.S Pinafore 2025 © Craig Fuller

Die Werke vom Komponisten A. Sullivan und seinem Texter W. S. Gilbert werden auf dem Kontinent nicht oft gespielt! Umso mehr freut es mich bei meinen Besuchen in London ihre Werke an der English National Opera (ENO) zu genießen. Diese Saison ist es die Geschichte um das Schiff H.M.S. Pinafore und deren Besatzung, die auf dem Spielplan steht.

Sir Arthur Sullivan (1842-1900)
H.M.S. PINAFORE
Komische Oper in zwei Akten (Libretto: W. S. Gilbert)

Musikalische Leitung: Matthew Kofi Waldren
Inszenierung: Carl McCrystal
Bühne und Kostüme: takiso

English National Opera ENO at the London Coliseum, 31. Januar 2026

von Jean-Nico Schambourg

Die Werke von A. Sullivan und W. S. Gilbert werden auf dem Kontinent nicht oft gespielt! Zu Unrecht! Natürlich haben ihre Werke zum Teil einen typischen englischen Charakter, der Nicht-Briten manchmal schwer zugänglich ist. Die Oper in Mainz hat vor zwei Jahren das Werk “Die Piraten von Penzance” in deutscher Sprache aufgeführt und an der spontanen Reaktion des Publikums war feststellbar, dass es sich sehr amüsiert hat.

Ich habe mir im Laufe der Jahre einige der Werke von Sullivan und Gilbert an der English National Opera (ENO) in London angeschaut und war immer wieder begeistert von den Vorstellungen.

Dieses Mal war es das sicherlich britischste ihrer Werke: H.M.S. Pinafore! Das ist der Name des Schiffes der Royal Navy, auf dem die Geschichte spielt. Es wird geleitet vom Kapitän Corcoran, der bei seiner Besatzung wegen seines freundschaftlichen Umgangstons sehr beliebt ist. Seine Tochter Josephine soll Sir Joseph Porter, Ersten Admiral der Royal Navy, heiraten. Allerdings ist sie in den Seemann Ralph Rackstraw verliebt. Solch eine Bindung zu einem niederen Untergebenen  kann natürlich nicht im Sinne des Kapitäns sein.

Mithilfe der Schiffscrew beschließen Josephine und Ralph zu flüchten. Ihr Plan fliegt allerdings auf. Als Ralph eingekerkert werden soll, bekennt Little Buttercup, seine frühere Amme, dass sie vor Jahren die ihr anvertrauten Kinder verwechselt hat. Ralph ist von hohem sozialen Stand, währenddessen Kapitän Corcoran einfacher Herkunft ist. Letzterer wird zum Seemann degradiert und Ralph zum Kapitän der H.M.S. Pinafore ernannt. Er darf nun Josephine heiraten, da sie als Tochter eines einfachen Seemanns natürlich nicht mehr als Ehefrau eines Admirals infrage kommt.

Arthur Sullivan wusste genau wie er die Zuhörer mit seiner Musik in den Bann ziehen kann. Sind es bei Offenbach frenetische Tanzrhythmen, wie zum Beispiel der Can-Can, bei Rossini Allegros in den Finalen der diversen Akte, so sind es bei Sullivan seine Arien mit Chor, die das Erfolgsschema darstellen: einfache Melodie mit lustigem Text, vorgesungen vom Protagonisten und vom Chor dann teilweise, wie zur Bestätigung der Aussage, wiederholt. Typisches Beispiel hierzu ist in diesem Werk die Arie von Sir John “When I was a lad”. Aber auch mit den wunderbaren Melodien mancher romantisch elegischer Arie weiß der Komponist den Zuhörer immer wieder einzulullen.

Die ENO muss seit diesem Jahr aufgrund von irrsinnigen politischen Kulturentscheidungen ihre Saison zwischen Manchester und dem Colosseum in London aufteilen. Kulturpolitik! Ein unsinniges Wort, da die meisten Politiker außer ihrem Drang für egozentrische Selbstdarstellung wenig Sinn für Kultur besitzen.

So explodiert das Haus natürlich in großem Jubel, wenn am Ende des Abends ein riesiges Segel mit den Worten “ENO London” gehisst wird. Die Vorstellung beinhaltet manch aktuelle Anspielung, die mir, ich muss zugeben, nicht immer verständlich sind, da sie Bezug auf englische Politik und Sozialleben nehmen.

Dies betrifft vorwiegend die Einführung zum Werk vor dem Vorhang durch John Savournin als Kapitän Corcoran und der englischen Schauspielerin, Komödiantin und Fernsehmoderatorin Mel Giedroyc, die als “Einspringerin” im Chor und in der Rolle eines Schiffsjungen auftritt. Eigentlich eine stumme Rolle wie John Savournin es mehrmals unterstreicht, von Mel Giedroyc aber ein wenig “lauter” interpretiert wird, zur großen Belustigung des Publikums.

Zum Lachen gibt es viel an diesem Abend: Parodistische Tanzeinlagen, viele komische Situationen. Das Publikum kommt voll auf seine Kosten! Lachen ist gesund! Möchtegern intellektuelle Freudianer mögen doch bitte zu Hause bleiben. Bei den Gags scheut der Regisseur ⁰Carl McCrystal vor nichts zurück. Da segelt u.a. König Charles mit zwei britischen Fahnen durchs Bühnenbild; auf einem Weltglobus entdeckt man zufällig Grönland und vieles Heiteres mehr. Und dennoch ist dies nicht alles billiger Klamauk!

Das Bühnenbild vom Designer takis lässt sich durch Drehung in Schiffsdeck oder Kapitänskajüte verwandeln. Die von ihm entworfenen Kostüme sind farbenfroh und passen perfekt in die Geschichte.

John Savournin, ENO’s HMS Pinafore 2025 © Craig Fuller

Die Interpreten bestechen durch ihre gesanglichen, szenischen und tänzerischen Einlagen. Thomas Atkins, der Froh der diesjährigen Salzburger Osterfestspiele, erfreut mit flexiblem Tenor in der Rolle des Ralphs. Eleanor Sanderson Nash ist seine romantische Geliebte Josephine. Der schon erwähnte John Savournin gibt einen elegant unsinnigen Kapitän Corcoran, Rhonda Brown seine urkomische und im Stillen angebetete Buttercup, Neal Davies den bornierten Admiral Sir John Porter. Die weiteren Rollen finden in Trevor Elliott Bowes, Markus Farnsworth, Alaric  Green und Bethan Langford perfekte Darsteller. Auch der Chor der ENO (Leitung: Matthew Quinn) trägt seinen wichtigen Teil zum Erfolg des Abends bei.

Das Orchester der ENO wird mit viel Schwung von Matthew Kofi Waldren geleitet und rundet somit eine gelungene Vorstellung ab, die das Publikum beim Schlussvorhang rhythmisch zur begleitenden Musik beklatscht.

Jean-Nico Schambourg, 1. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Arthur Sullivan, W.S. Gilbert, The Mikado Wilton’s Music Hall, London, 3. Juni 2025

Gilbert & Sullivan, The Pirates of Penzance English National Opera, ENO 8. Februar 2025

W.S. Gilbert / Sir Arthur Sullivan, Iolanthe English National Opera ENO, 7. Oktober 2023

Arthur Sullivan & WS Gilbert, “The Yeomen of the Guard” The Grange Festival, 30. Juni 2022

Gilbert & Sullivan, Iolanthe, English National Opera, 24. Februar 2018

Wolfgang Amadeus Mozart, The Marriage of Figaro ENO at the London Coliseum, 22. Februar 2025

 

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