„The Yeomen of the Guard“ - das Grange Festival zelebriert die englischste aller Opern

Arthur Sullivan & WS Gilbert, “The Yeomen of the Guard”  The Grange Festival, 30. Juni 2022

Man mag eine der Opern aus der Feder Benjamin Brittens für die englischste halten – doch tatsächlich ist es diese: „The Yeomen of the Guard“, das ernsteste Werk der englischen Operettenkomponisten bzw. Librettisten Arthur Sullivan und WS Gilbert, die sonst doch eigentlich bekannt sind für ihre humorvoll-spritzigen Gesellschaftssatiren wie „The Mikado“ und „The Pirates of Penzance“. Komponist Sullivan und Textdichter Gilbert waren sehr zufrieden mit ihrem „ernsten“ Werk: Gilbert sagte, dies sei die beste Produktion, welche er je mit Sullivan vollendet habe und dieser bestätigte, dass er „Yeomen“ allen anderen Gemeinschaftsproduktionen vorziehe. Tatsächlich handelt es sich um eine doch eher seichte Liebes- und Verwechslungskomödie; da jedoch eine (nicht vollzogene) Hinrichtung und ein (vollzogener) Selbstmord eines alternden Komödianten (berührend: Nick Haverson) darin vorkommen, wurde „Yeomen“ trotz Happy End für die Liebenden zur tragischen Oper, eben zur einzigen „Opera Seria“ der beiden populären englischen Operettenschöpfer.

The Grange Festival, 30. Juni 2022

Arthur Sullivan & WS Gilbert, „The Yeomen of the Guard“, 

von Dr. Charles E. Ritterband (Text und Fotos)

„Yeomen“ spielt, wie schon der Titel vermuten lässt, im Tower of London: Die 32 Yeomen Warders of Her Majesty’s Royal Palace and Fortress The Tower of London sind die Wächter des Tower in ihren wunderschönen dunkelrot-goldenen oder schwarzroten Uniformen mit den charakteristischen Hüte. Unter Touristen sind sie als „Beefeaters“ bekannt – weil nur sie das Privileg hatten, die Resten von der königlichen Tafel zu verspeisen, darunter auch das rare und teure „Beef“ (die vermeintliche Verballhornung des französischen „Buffetier“ ist offenbar ein Irrtum).

Die Oper spielt im Innern des Tower, dieses ältesten Bauwerks Londons – und zwar nicht innerhalb der wehrhaften Festungsmauern, sondern in einem idyllischen Tudor-Dorf, in welchem die Angestellten des Tower (auch heute noch) mit ihren Familien in winzigen hübschen Häuschen wohnen dürfen. Das peinlich realistische Bühnenbild (Bühne: Simon Higlett) mutet an wie die Kulisse eines BBC-Dokudramas aus den 60er Jahren.

Das Bournemouth Symphony Orchestra unter Leitung von John Andrew brachte uns die wunderbaren und vielleicht schönsten Tonfolgen von Arthur Sullivan mit Temperament und zugleich Subtilität. Die englische Sopranistin Ellie Laugharne verkörperte die Elsie Maynard mit viel Einfühlungsvermögen und einer raumfüllenden, herrlich klaren Stimme – als ihr kongenialer Partner Colonel Fairfax der hochkarätige und entsprechend namhafte englische Tenor Nick Pritchard mit seiner warmen, glatten und präsenten Stimme. Nick Haverson glänzte nicht so sehr stimmlich aber umso mehr durch sein agiles Spiel als der tragische Komödiant Jack Point. Mit perfektem Sound der Grange Festival Chorus.

Dr. Charles E. Ritterband, 30. Juni 2022, für klassik-beigeistert.de und klassik-begeistert.at

 

Musikalische Leitung: John Andrew
Regie: Christopher Luscome
Bühne: Simon Higlett
Sir Richard Chomondeley: John Savournin
Colonel Fairfax:  Nick Pritchard
Sergeant Meryll: Graem Broadbent
Leonard Meryll: David Webb
Phoebe Meryll: Angela Simkin
Elsie Maynard: Ellie Laugharne
Jack Point (Komödiant): Nick Haverson

Bournemouth Symphony Orchestra
Grange Festival Chorus

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