Sommereggers Klassikwelt 230: Giuditta Pasta war der Superstar der Oper des 19. Jahrhunderts

Sommereggers Klassikwelt 230: Giuditta Pasta war der Superstar der Oper des 19. Jahrhunderts  klassik-begeistert.de, 6. April 2024

Giuditta Pasta, wikipedia.org

von Peter Sommeregger

Selbst die spektakulärsten und medienwirksamsten Sängerkarrieren der Gegenwart, wie etwa jene von Anna Netrebko, oder im letzten Jahrhundert von Maria Callas, verblassen vor dem Ruhm, den Giuditta Pasta während ihrer Laufbahn im 19. Jahrhundert genoss.

Die am 26. Oktober 1797 nahe Mailand als Kind einer jüdisch-italienischen Familie geborene Giuditta Negri bekam ersten Musikunterricht von einem Onkel, ehe sie in Mailand professionell unterrichtet wurde. Nach Auftritten an kleineren Bühnen gastierte sie 1815 am Pariser Théâtre Italien, wo sie zusammen mit dem Tenor Giuseppe Pasta engagiert war, den sie 1816 heiratete. 1817 gastierte sie mit geringem Erfolg in London. Danach kehrte sie zu erneuten Studien nach Italien zurück, und perfektionierte ihre Gesangsausbildung. Im Jahr 1818 brachte sie ihre Tochter Clelia zur Welt.

Ihr erneutes Debüt fand 1819 in Venedig statt, und verlief äußerst erfolgreich. 1821/22 erzielte sie in Paris mit der Desdemona in Rossinis „Otello“ einen Sensationserfolg. Danach verbreitete sich der Ruhm der Sängerin in den europäischen Musikzentren, Paris, London , Mailand und Neapel feierten sie als Primadonna. In diesen Jahren begannen Komponisten, Opern bzw. Rollen dem agilen Mezzosopran Pastas auf den Leib zu schreiben. Donizettis „Anna Bolena“ führte sie bei der Uraufführung am 26. Dezember 1830 in Mailand zum Welterfolg. Die bedeutendsten Rollen, die sie kreierte, waren die Amina in der „Sonnambula“ und die Titelrolle in „Norma“ von Vincenzo Bellini, beide 1931 ebenfalls in Mailand uraufgeführt.

Gioacchino Giuseppe Serangeli – La cantante Giuditta Pasta

Giuditta Pastas Stimme, die einen Umfang von 2 ½ Oktaven hatte, war nach zeitgenössischen Berichten technisch keineswegs perfekt, ihre Wirkung erzielte sie wohl hauptsächlich durch die Intensität des Ausdrucks und temperamentvolles Spiel. Bereits 1835 begann sie sich stufenweise von der Bühne zurückzuziehen, gastierte aber noch u.a. in St. Petersburg, Moskau, Warschau und Riga.

Im Juli 1841 absolvierte sie ein umfangreiches Gastspiel an der Berliner Hofoper und dem Königstädtischen Theater, wo sie auf persönlichen Wunsch König Friedrich Wilhelms II auch als  „Semiramis“ von Rossini auftrat.

Nach dem Tod ihres Gatten Giuseppe im Jahr 1846 zog sie sich immer mehr ins Privatleben zurück. Giuseppe Pasta war nicht nur als Sänger ausgebildet gewesen, sondern daneben auch studierter Jurist und hatte als solcher die Karriere seiner Frau gemanagt.

Ihren allerletzten Auftritt hatte Giuditta Pasta im Juli 1850 in Konzerten in London. Danach zog sie sich in ihre Villa am Comer See zurück, wo sie am 1. April 1865 an einer Bronchitis starb.

In die Annalen der Operngeschichte ist die Pasta nicht nur durch die von ihr kreierten Rollen eingegangen. Ihr Bühnenpräsenz und überwältigende Ausstrahlung fanden ihren Niederschlag auch in Tagebüchern und Briefen berühmter Zeitgenossen wie Fanny Hensel, Felix Mendelssohn und Robert Schumann. Mehrfach wurde seinerzeit Maria Callas als die neue Pasta bezeichnet, aber solche Vergleiche sind unseriös, weil kein heute lebender Mensch Giuditta Pasta gehört haben kann.

Peter Sommeregger, 6. April 2024, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Der gebürtige Wiener Peter Sommeregger (Jahrgang 1946) besuchte das Humanistische Gymnasium. Er wuchs im 9. Gemeindebezirk auf, ganz in der Nähe von Franz Schuberts Geburtshaus. Schon vor der Einschulung verzauberte ihn an der Wiener Staatsoper Mozarts „Zauberflöte“ und Webers „Freischütz“ – die Oper wurde die Liebe seines Lebens. Mit 19 Jahren zog der gelernte Buchhändler nach München, auch dort wieder Oper, Konzert und wieder Oper. Peter kennt alle wichtigen Spielstätten wie die in Paris, Madrid, Verona, Wien und die New Yorker Met. Er hat alles singen und dirigieren gehört, was Rang und Namen hatte und hat – von Maria Callas und Herbert von Karajan bis zu Riccardo Muti und Anna Netrebko. Seit 26 Jahren lebt Peter in Berlin-Weißensee – in der deutschen Hauptstadt gibt es ja gleich drei Opernhäuser, die er auch kritisch rezensiert: u.a. für das Magazin ORPHEUS – Oper und mehr. Buchveröffentlichungen: „‘Wir Künstler sind andere Naturen.‘ Das Leben der Sächsischen Hofopernsängerin Margarethe Siems“ und „Die drei Leben der Jetty Treffz – der ersten Frau des Walzerkönigs“. Peter ist seit 2018 Autor bei klassik-begeistert.de.

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