Lena Kutzner: „Ich habe Glück, ich darf meinen Kopf behalten“

Lena Kutzner deutsche Sopranistin im Gespräch  klassik-begeistert.de, 24. SEptember 2026

Foto: Lena Kutzner © Marie Liebig

„Die deutsche Sopranistin Lena Kutzner zählt zu den profilierten Sängerinnen ihres Fachs. Ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt im deutschen und spätromantischen Repertoire, insbesondere in den großen Partien von Richard Wagner und Richard Strauss. Zu ihren zentralen Rollen gehören Isolde, Senta, Elsa, Elisabeth, Salome, Chrysothemis und Agathe.

Nach ihrem festen Engagement am Staatstheater Meiningen (2021– 2024), wo sie sich mit Partien wie Isolde, Senta, Elsa, Elisabeth und Salome nachhaltig profilierte, ist sie regelmäßig als Gast an bedeutenden Opernhäusern zu erleben. Wichtige Debüts führten sie u. a. an die Deutsche Oper am Rhein, das Theater Lübeck sowie an die National Opera Seoul, wo sie in der Spielzeit 2024/25 ihr Korea-Debüt als Elisabeth in Wagners Tannhäuser gab“.

Das Gespräch führten Dr. Regina und Dr. Andreas Ströbl

klassik-begeistert: Liebe Lena, nach deinen beiden Isolden in Lübeck (https://klassik-begeistert.de/richard-wagner-tristan-und-isolde-theater-luebeck-2-februar-2025-premiere/) und in Meiningen haben wir und andere uns gefragt, wann du wohl in Bayreuth auftrittst. Nun hast du in der Bayreuther Kinderoper die Brünnhilde gesungen. Wie kam es dazu und wie fühltest du dich dort?

Lena Kutzner: Na, es kam der Anruf, ob ich denn zum Vorsingen kommen wolle, weil sie eine Brünnhilde suchten. Kurz, nachdem ich das absolviert hatte, kam dann die Zusage und ich habe mich irrsinnig gefreut. Es war ein toller Sommer, ich hatte phantastische Kollegen.

klassik-begeistert: Die Kinderoper wird ja jedes Jahr auf dem Hügel aufgeführt, aber ihr seid alle Stars; ihr gebt alles, genauso, als wäret ihr auf der Bühne des Festspielhauses. Es gab lebhafte Interaktionen zwischen euch und den jungen Zuschauern. Ihr nehmt die Kinder ernst, oder?

Lena Kutzner: Ja, das müssen wir, sonst dürften wir das nicht machen. Im Zusammenspiel mit dem Publikum war ich rollenmäßig allerdings gar nicht so sehr drin; das waren andere Figuren, allen voran die Rheintöchter und Alberich. Die Kinder waren natürlich auf Seiten der Rheintöchter, das war auch gut so. Es ergaben sich dann manchmal auch Situationen durch Zufall, was sehr schön war; aber man musste aufpassen, dass man sich nicht zu sehr in das Miteinander mit den Kindern begeben hat, weil das Stück sonst plötzlich sehr viel länger gedauert hätte.

klassik-begeistert: Es fielen ja auch die ganzen heiklen Sachen heraus, der Inzest, die fiese Gibichungen-Intrige; das war wirklich sehr gut für Kinder gemacht.

Lena Kutzner: Auf jeden Fall! Und dass man 16 Stunden Musik auf anderthalb bringt und natürlich ohne manche Themen, das hat die Regie wirklich klasse gemacht. Es war für alle einfach ein großer Spaß.

klassik-begeistert: Was kommt als nächstes bei dir?

Lena Kutzner: Gerade läuft wieder der „Tannhäuser“ auf der Wartburg, also am Originalschauplatz, wo ich erstmals die Elisabeth und zugleich die Venus singe.

klassik-begeistert: Wie geht das? Du begegnest dir ja sozusagen nicht selbst, aber das sind doch völlig unterschiedliche Rollen. Auch stimmlich ist die Venus ja etwas tiefer angelegt.

Lena Kutzner: Aber nicht in der Dresdner Fassung, die wir hier bringen. Da ist das ein Sopran.

klassik-begeistert: Versuchst du, die beiden Rollen stimmlich unterschiedlich zu färben?

Lena Kutzner (c) Marie Liebig

Lena Kutzner: Ja, das geschieht aber einfach schon durch die Darstellung des Charakters. Ob ich das jetzt bewusst mache, weiß ich gar nicht; das passiert automatisch, wenn man sich in diesen Charakter begibt, was wahnsinnig viel Spaß macht. Du hast erst am Anfang diesen Furienmoment, das ist sehr reizvoll. Dann kommt die tragisch Liebende. Deshalb habe ich auch die Isolde immer so gern gesungen, weil du da auch alles hast. Venus und Elisabeth – das sind letztlich zwei Seiten einer Medaille.

klassik-begeistert: Wir konnten gestern [am 23. September] leider nicht kommen, aber du sollst phantastisch gewesen sein!

Lena Kutzner: Dazu sage ich jetzt mal nichts…

klassik-begeistert: Und in der nun beginnenden Spielzeit, was machst du in Meiningen?

Lena Kutzner: Da gebe ich die Csárdásfürstin. Seit langem mal wieder Operette, da freue ich mich sehr! Ich habe ja früher oft den Soubretten-Part gemacht und jetzt läuft das in der Wiederaufnahme mit sechs Vorstellungen. Ich singe nun mit der Partie der Silva Varescu die weibliche Hauptrolle. Die Musik ist toll, es ist phantastisch geschrieben, ich liebe Kálmán!

Und dann bringen wir etwas, was kein Mensch kennt. Camille Saint-Saëns hat ja nicht nur „Samson et Dalila“ geschrieben, sondern auch eine Oper über Heinrich VIII. Und das wird meine Neuproduktion in Meiningen, die kommt im Februar heraus. Es ist wunderschöne Musik, echte Grand Opéra mit Riesenchören. Ich freue mich total darauf und bin sehr gespannt. Übrigens singe ich die Catharine, also die Frau, die mit Scheidung davonkommt. Ich habe Glück, ich darf meinen Kopf behalten.

klassik-begeistert: Liebe Lena, wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und großartige Rollen! Vielen Dank für das Gespräch!

Interview mit den Sopranistinnen Trine Møller (Elektra), Lena Kutzner (Chrysotemis) und Edna Prochnik (Klytämnestra) Theater Lübeck, 15. März 2024

Der Ring des Nibelungen, nach Richard Wagner Bayreuther Festspiele, Kinderoper im Kleinen Festspielhaus,  27. Juli 2026

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