Stefan Herheim inszeniert das Verwirrspiel in der römischen Götterwelt

Francesco Cavalli: La Calisto, L’Arpeggiata / Christina Pluhar  MusikTheater an der Wien, 26. September 2026

La Calisto © Matthias Baus

Es gibt wenige Barockopern, wo kaleidoskopartig die prominentesten Vertreter der römischen Götter präsentiert werden. Was sehr leicht in ein langweilendes Durcheinander münden kann; daraus machte der Regisseur und Intendant des Hauses Stefan Herheim eine grandiose und mitreißende Darstellung dieser Eskapaden. Und daraus wurde gemeinsam mit der exzellenten musikalischen Leitung eine Traumaufführung. 

MusikTheater an der Wien, 26. September 2026

Francesco Cavalli
La Calisto
Dramma per Musica in drei Akten

Besetzung
Vera-Lotte Boecker, Milan Siljanov, Luciana Mancini, Arnaud Glück …

Inszenierung:  Stefan Herheim
Bühne:  Silke Bauer
Choreographie:  Beate Vollack

L’Arpeggiata

Musikalische Leitung:  Christina Pluhar
Koproduktion mit der Staatsoper Unter den Linden, Berlin

von Herbert Hiess

Das MusikTheater an der Wien war schon immer ein „Spezialitätenhaus“ für barocke Opern und Konzerte. Und in einer Zeit der absurden und abstrusen Inszenierungen in den Opernhäusern der Bundestheater überhaupt die erste Adresse für Opernaufführungen.

Stefan Herheim, der norwegische Intendant und Regisseur des Theaters an der Wien, nahm sich dieser Aufgabe an und machte aus dem komplexen Werk über die römischen Göttersagen eine fast musical- bzw. revueartige Interpretation über die zugegebenermaßen recht diffizilen Beziehungen der Götter und der übrigen Darsteller.

In brillante Farben getaucht; gewürzt mit mitreißenden und perfekt choreographierten Tanzeinlagen, entließ einen diese Aufführung auch nur eine Sekunde lang in eine Art Langeweile. Dazu kommt auch noch die Kompositionstechnik dieser Zeit, wo man mehr Opern in eine fast lose Aneinanderreihung von musikalischen Szenen und Rezitativen formt und nicht, wie später üblich, eine klare Trennung von Arien und eben der Rezitative. Und gerade diese manchmal sogar langatmigen Arien mit gefühlt unendlichen Variationen belastet nicht nur die Sänger und das Orchester und nicht selten genug auch das Publikum.

Der Librettist Giovanni Faustini und Francesco Cavalli, der Komponist von „La Calisto“, tauchten dieses Verwirrspiel nach den Metamorphosen von Ovid in wunderbare Szenen und (auch klangliche) Farben.

La Calisto © Matthias Baus

Und Stefan Herheim gelang es, dieses Barockwerk in eine sozusagen zeitgenössische (oder moderne?) Szenerie zu versetzen, ohne jedoch Cavallis szenisches Konzept auch nur eine Sekunde lang zu verbiegen.

Atout dieser Produktion war das Ensemble „L’Arpeggiata“ unter seiner langjährigen Leiterin Christina Pluhar. Frau Pluhar erstellte einige Arrangements im Stile des Komponisten; aber mit zeitgenössischen Mitteln. Das trifft vor allem die Tanzszenen, die auch orchestral mit prickelnden Rhythmen so richtig mitrissen. Trotzdem kamen alle barocken Instrumente aus der Zeit der Komposition zum Erklingen. Vor allem der Zink, ein trompetenhaft klingendes Instrument, das wie ein Holzblasinstrument gebaut und gespielt wird.

Gesanglich war vor allem der strahlende Sopran von Vera-Lotte Boecker ein Ereignis, die auf Weltklasseniveau aus dieser Rolle ein Erlebnis machte. Auch die anderen Sänger wie Milan Siljanov als Jupiter und Giuseppina Bridelli, seine Frau Juno, konnten überzeugen. Luciana Mancini als Diana ist ebenso erwähnenswert.

La Calisto © Matthias Baus

Man kann dem Theater an der Wien nur zu dieser Produktion gratulieren; traurig nur, dass der Zauber dieser Serie nach nur sechs Vorstellungen vorbei sein soll. Vielleicht kann man sich trotzdem zu einer Wiederaufnahme entscheiden. Das wäre tatsächlich ein Ereignis.

Herbert Hiess, 27. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Francesco Cavalli, La Calisto, L’Arpeggiata, Christina Pluhar  MusikTheater an der Wien, 21. September 2026

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