Richard Wagner sorgt für magische Momente in Riga

Andris Nelsons, Bayreuth Festival Orchestra Klaus Florian Vogt, Christine Goerke  Riga Jurmala Music Festival, 3. September 2021, Lettische Nationaloper Riga

Riga Jurmala Music Festival, 3. September 2021
Lettische Nationaloper Riga

Das Beste von Richard Wagner

Auszüge aus „Lohengrin“, „Parsifal“, „Die Walküre“ und „Götterdämmerung“

Andris Nelsons, Dirigent
Bayreuth Festival Orchestra
Klaus Florian Vogt, Tenor
Christine Goerke, Sopran

Fotos: Riga Jurmala Music Festival ©

von Andreas Schmidt

Der Maestro hob den Stab für das Vorspiel zum „Lohengrin“, da ertönte ein lautes Handyklingeln in der Lettischen Nationaloper zu Riga. Der lettische Nationalheld Andris Nelsons blieb unbeeindruckt und führte nach einer halben Minute Ruhe in das wohl romantischste Vorspiel des Jahrtausendkomponisten Richard Wagner.

Es war der Auftakt zu einem magischen Abend in der wunderbaren Oper in der Hansestadt Riga. Dieser Abend war Werbung par exellence für diesen Richard Wagner, der so viele unsinnige Ansichten hatte und so viel sinnige Musik schuf.

In Riga hob Richard Wagner (1813-1883) von 1837 bis 1839 als Kapellmeister den Taktstock am städtischen Deutschen Theater. Das lettische wie internationale Publikum des Riga Jurmala Musikfestivals bekam das Beste vom Besten aus Wagners Leben geboten. Dabei sorgten die beiden Solisten und ganz besonders das Bayreuther Festspielorchester für musikalische Sternstunden in der lettischen Hauptstadt.

Wenn Sie das Bayreuther Festspielorchester sehen wollen, dürfen Sie nicht nach Bayreuth fahren. Denn dort hat es seine Arbeit wohlverborgen in einem nach hinten abfallenden Orchestergraben zu verrichten, den Wagner den »mystischen Abgrund« nannte. Hier in Riga saßen die Musikerinnen und Musiker auf der Bühne – und es war eine Freude ihre unglaubliche Spielfreude zu erleben. Der wunderbare Andris Nelsons holte das Beste aus dieser Formation hervor – lieber Andris, Sie sollten sehr bald wieder Opern in Bayreuth dirigieren!

Dieses Orchester, in dem vor allem herausragende deutsche Musiker spielen, spielt nicht Richard Wagner. Es atmet Richard Wagner. Es ist Richard Wagner.

Der Star des Abends war zweifelsohne der Norddeutsche Klaus Florian Vogt. Wie er „In fernem Land“ darbot, die Gralserzählung, war stimmlich gesehen von einem anderen Stern. Vogt brillierte stimmlich von der ersten bis zur letzten Sekunde in maximaler stimmlicher Verfasstheit.

Der Tenor aus Brunsbüttel sang makellos. Rein. Frisch. Herausragend. Weltklasse! Klar, fein, in den Höhen sauber und sehr kraftvoll – atemberaubend beim Amfortas-Ruf. Bis zum Ende überzeugte der 51-Jährige mit bombastischer Kondition, mit Klangschönheit und –fülle. Berührend und erhaben seine Interpretation dieser unglaublich schönen Passage aus der Gralserzählung im „Lohengrin“:

„…alljährlich naht vom Himmel eine Taube,
um neu zu stärken seine Wunderkraft.“

Wie zart und sanft Klaus Florian Vogt das Wort „Taube“ sang,
war in Anmut und Hingabe nicht zu überbieten.

Dem lettischen und internationalen Publikum dieses bedeutenden Festivals gefiel am besten der Karfreitagszauber aus dem „Parsifal“ – er sorgte für überbordenden Beifall –, der Walkürenritt aus der „Walküre“ sowie Siegfrieds Rheinfahrt und Siegfrieds Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“.

Eine sehr solide Leistung zeigte auch die Sopranistin Christine Goerke, die nach etwas verhaltenem Anfang eine sehr gute Brünnhilde in dem Schlussteil des dritten Aufzuges („Starke Scheite schichtet mir dort“) bot. Für meinen Geschmack hätte Frau Goerke diese phantastische Partie der Brünnhilde etwas differenzierter singen können.

Was bleibt, ist ein phantastischer Opernabend in einem wunderbaren Opernhaus in einer sehr vitalen Hauptstadt im Baltikum, einer Stadt reich an Geschichte und Geschichten.

Andreas Schmidt, 4. September 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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