James Gaffigan © Miguel Lorenzo
Richard Strauss / Macbeth – Sinfonische Dichtung op. 23
Grażyna Bacewicz / Konzert für Viola und Orchester
Felix Mendelssohn Bartholdy / Ouvertüre zu Ein Sommernachtstraum op. 21
Sergej Prokofjew / Romeo und Julia – Auszüge aus den Ballett-Suiten Nr. 1 op. 64a, Nr. 2 op. 64b und Nr. 3 op. 101 (zusammengestellt von James Gaffigan)
NDR Elbphilharmonie Orchester
James Gaffigan / Dirigent
Lawrence Power / Viola
Elbphilharmonie, Großer Saal, 19. März 2026
von Jörn Schmidt
Bereits am 23. Januar 2025 war der amerikanische Dirigent James Gaffigan beim NDR Elbphilharmonie Orchester zu Gast. „Der amerikanische Dirigent James Gaffigan ist für seine natürliche Lockerheit und seinen außergewöhnlich kollaborativen Arbeitsgeist bekannt“, stand seinerzeit im Programmheft.
Wie so ein lockerer Kollaborateur dirigiert, können Sie in Folge 41 meiner Kolumne nachlesen. Aber Menschen entwickeln sich weiter. Genetisch und kulturell. Ich zum Beispiel bin jetzt bei Folge 84 angelangt.
Und nach einem Blick ins Programmheft war klar, auch James Gaffigan hat sich weiterentwickelt. Im Programmheft der gleiche Einstieg in seine Vita, aber bei den besonderen Eigenschaften wurde im Detail nachjustiert:
„Der amerikanische Dirigent James Gaffigan ist bekannt für seine natürliche Souveränität und seinen außergewöhnlichen Teamgeist.“ Souverän statt locker und teamfähig statt kollaborativ. Das ist mal ein Upgrade?
Das mit der Lockerheit schien mir ohnehin ein Bärendienst zu sein. Gelten doch Höflichkeit, Respekt, Empathie und Demut als Antonym der Lockerheit. Ein Dirigent ohne Demut vor dem Werk? Undenkbar.
Es gab weitere Parallelen zum Konzert im Januar 2025. Das heutige Programm war ein bunter Mix, die programmatische Klammer dieses Mal William Shakespeare. So wie Gaffigans Dirigat erneut leichtfüßig daherkam.
Mit brutalem Fokus auf Klangschönheit und ziemlich laut. Wie sich das Macbeth-Motiv entwickelt, immer weiter verdüstert, das ging unter. Desgleichen klag des Helden Verhältnis zu Lady Macbeth recht unkompliziert. Usf.
Zu wenig geschärft desgleichen, wie die einzelnen Motive aufgenommen, von den Instrumentengruppen beantwortet und verknüpft werden. Teamfähigkeit hat eben nicht nur Vorteile.
Zu den Nachteilen der Teamarbeit zählen Koordinationsverluste, Gruppenzwang und Konformität. Sage nicht ich, sondern Wirtschaftspsychologen – und das zeigte sich desgleichen anlässlich von Mendelssohns Sommernachtstraum-Ouvertüre und Prokofjews Romeo und Julia Potpourri.
Stets das gleiche Klanggewand. Aber man kann eben nicht alles haben, die Spielkultur des NDR Elbphilharmonie Orchesters jedenfalls war superb.

So blieb es wie schon im Januar 2025 dem Solisten überlassen, interpretatorische Akzente zu setzen. Das Violakonzert der polnischen Komponistin Grażyna Bacewicz bot Lawrence Power unendliche Möglichkeiten, sich an seinem hochemotionalen Instrument abzuarbeiten, es möglichst vielen weiteren Komponisten anzuempfehlen.
Das Konzert verbindet polnische Volksmusik mit Kompositionstechniken, wie sie zur Uraufführung am 20. Juni 1969 gängig waren. Power führte diese Welten im Sinne der Komponistin zusammen.
Er zwingt die Klangräume, die das Orchester schafft, in ein schillerndes Korsett. Und scheut nicht das Duell mit den Attacken des Schlagwerks. Technische Herausforderungen sind ohnehin nicht Powers Problem.
Der Brite schafft, was Gaffigan mit seinen orchestralen Teamplayern nicht gelang: Er kommunizierte mit seiner Bratsche facettenreich und brillant.
Jörn Schmidt, 20. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Auf den Punkt 41: Hang loose, James Elbphilharmonie, Großer Saal, 23. Januar 2025
Auf den Punkt 83: Vorsicht vor Schlagerfuzzis Deutsche Oper Berlin, 1. März 2026
Auf den Punkt 82: Il signor Wellber parla italiano… Hamburgische Staatsoper, 20. Dezember 2025