Jonas Kaufmann und der Dirigent Jochen Rieder vor Mitgliedern der Philharmonie Baden-Baden (Foto: RW)
Wer wegen Jonas Kaufmann kam, wurde mit der Marke Kaufmann hinreichend bedient, wenngleich mit Mikrofonverstärkung. Von den insgesamt 16 Gesangsstücken inklusive 4 Zugaben sang der Tenor achtmal allein, Malin Byström dreimal, fünfmal traten beide zusammen auf.
Magische Töne, Sehnsuchtsorte in Oper und Operette
Werke von Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Johann Strauß (Sohn), Ferenc Erkel, Karl Goldmark und u.a. Paul Abraham
Jonas Kaufmann, Tenor
Malin Byström, Sopran
Philharmonie Baden-Baden, Leitung: Jochen Rieder
Laeiszhalle, Hamburg, Großer Saal, 11. April 2026
von Dr. Ralf Wegner
Begleitet von der Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Jochen Rieder absolvierten die schwedische Sopranistin Malin Bystöm und der Münchner Tenor Jonas Kaufmann ein ambitioniertes Programm mit Auszügen vorwiegend aus Operetten ungarischer Komponisten.
Das Publikum schmolz dahin. Wieso schaffen es zwei Operettensänger an einem Abend in der neobarocken Hamburger Laeiszhalle gut 2.000 Zuschauer hinter sich zu versammeln, während gleichzeitig in der Oper Klaus Florian Vogt als Lohengrin unter der Leitung von Omer Meir Wellber kein Ausverkauft melden kann? Nun ja, Operette wird in Hamburg eigentlich kaum gespielt, und Jonas Kaufmann verfügt wie wohl kein anderer deutscher Sänger über eine treue, ihm ergebene Fangemeinde. Kaufmann hätte mit diesem Operettenprogramm wohl auch die (von der Platzzahl her etwas kleinere Oper) gefüllt, möglicherweise auch als Sänger des Lohengrin. Da bin ich mir aber nicht mehr so sicher.
Jonas Kaufmann wird in diesem Jahr noch in Turandot, Aida und Tannhäuser auftreten. Malin Byström war in Amsterdam als Isolde besetzt und wird demnächst in Cleveland die Fidelio-Leonore singen. Erst einmal touren sie mit diesem Operettenprogramm über München, Paris, Wien nach Budapest und weiter.
Beides sind also Sänger mit dramatischen Stimmen, die sicher problemlos den nicht eben riesigen Saal der Hamburger Laeiszhalle beschallen könnten. Warum dann noch vor den beiden Mikrophone und zusätzlich Lautsprecher aufgestellt waren, ließ Schlimmeres ahnen.
Vielleicht sollte stimmlich auch den durchgängig zu laut aufspielenden Philharmonikern aus Baden-Baden vorgebeugt werden. Schon beim ersten Stück, der Ouvertüre aus Gräfin Mariza, klang das Blech überdeutlich heraus, so dass der musikalische Gesamteindruck eher einem nach rechts gedrehten Treble-Regler am Verstärker, also mit helleren Höhen, aber auch schneidenderem Klang, nahe kam.
Das Orchester konnte auch wunderbar Piano spielen, so dass Jonas Kaufman bei der klangschön mit Kopfstimme gesungenen Arie Magische Töne, berauschender Duft aus der Oper Die Königin von Saba von Karl Goldmark auch etwas vom Mikrofon Abstand nahm. Eindringlich und gefühlvoll gelang ihm auch die Arie Hazam, hazam, te mindenem aus der Oper Bánk Bán von Ferenc Erkel.

Beide Opern waren mir unbekannt, und doch ließen beide Arien etwas von der tiefen Empfindung der jeweiligen Operngestalt spüren. Es war gefühlt und nicht gefühlig, wie in den vor und nachgehenden Operettenarien wie beim Wolgalied Allein, wieder allein aus Lehárs Der Zarewitsch oder bei dem Stück Immer nur Lächeln aus seiner Operette Das Land des Lächelns.
Wenn das Orchester lauter wurde, und das geschah häufig recht abrupt, ging Kaufmann näher ans Mikrophon. Der Klangeindruck seiner Stimme veränderte sich dadurch. Es klang, wenn man nicht hinsah, eher wie eine Radioübertragung als ein Gesangsvortrag in einem Konzertsaal.
Wer aber wegen Jonas Kaufmann gekommen war, wurde mit der Marke Kaufmann hinreichend bedient. Von den insgesamt 16 Gesangsstücken inkl. 4 Zugaben sang der Tenor achtmal allein, Malin Byström dreimal, fünfmal traten beide zusammen auf. Der Zusammenklang zwischen beiden erwies sich aber nicht als optimal. Mit ihrer Isoldenstimme emittierte sie so laut, ob mit oder ohne Verstärkung, da bin ich mir nicht ganz sicher, dass das Trommelfell der Zuhörer übermäßig in Schwingungen gebracht wurde. Als Isolde oder Leonore würde ich sie mit ihrem stahlblauen Timbre gern wieder hören, aber nicht als Operettensängerin.
Das Publikum genoss die Aufführung, die hohen Preise von bis zu gut 200 Euro hatten nicht abschreckend gewirkt. Der Beifall war zwar nicht enthusiastisch, aber langandauernd und sehr herzlich, vermischt mit Bravorufen.
Dr. Ralf Wegner, 12. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Liederabend Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch Wiener Konzerthaus, 12. Januar 2026
Johann Strauß, Die Fledermaus, Jonas Kaufmann Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025
1/3 über Mikrofone, 1/3 über Orchesterlaustärke und 1/3 über geringe Teile des Programms. Kein Wort über die 6 (!) Zugaben, kein Wort über das Konzept des Programms (und der „dazugehörigen“ CD)…
Vielleicht sollte der Rezensent das nächste Mal doch lieber zu Vogt in die Oper gehen.
DI Waltraud Becker
Liebe Frau Becker, es waren gestern vier Zugaben, es sei man wertet die Duette als jeweils 2 Zugaben.
Herzliche Grüße, Ihr Ralf Wegner
Mir wurde von 6 berichtet, aber 4 ist ja auch schon nicht übel.
Mal sehen/hören, was sich in „meiner“ Vorstellung tut.
Ich hoffe, dass dann sich ein Berichterstatter findet, der auch über das Programm etwas verlauten lässt und ein wenig mehr Freude an der Veranstaltung hat.
DI Waltraud Becker
Ja Frau Becker, den Eindruck hatte ich auch, ziemlich lieblos der Bericht von Herrn Dr. Wegner ! Es war halt kein Ballett an diesem Abend und John Neumeier war auch nicht beteiligt …
In gewisser Weise bin auch ich zwar Teil einer scheinbar sehr großen JK-Fangemeinde, in erster Linie begeistert mich aber seine außergewöhnliche musikalische Begabung und eine Ausnahmestimme, die für mich seit Fritz Wunderlich im deutschsprachigen Raum ihresgleichen sucht. Zu gerne wäre ich auch dabei gewesen, aber die Deutsche Bahn hat uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht – der ICE strandete bereits kurz nach München, sehr ärgerlich !
Gott sei Dank habe ich noch eine „zweite Chance“ -am kommenden Mittwoch in der Isarphilharmonie bei Jonas Kaufmanns Heimspiel sozusagen. Und da hoffe ich ebenso wie Frau Becker auf eine Berichterstatterin oder Berichterstatter, denen schöne Melodien wichtiger sind als Mikrofone und Lautsprecher.
Franz Büchel
Die vier Zugaben des Abends waren:
Nico Dostal, Frag nur dein Herz was Liebe ist, aus: Die ungarische Hochzeit /
Paul Abraham, Will dir die Welt zu Füßen legen, aus: Die Blume von Hawaii /
Franz Lehár, Meine Lippen, sie küssen so heiß, aus: Giuditta /
Fred Raymond, Die Juliska aus Budapest, aus: Maske in Blau
Ralf Wegner
Das Konzert in der Hamburger Laeiszhalle, über das Herr Dr. Wegner berichtet hat, war wohl der Auftakt der Werbetour für das neue Album von Jonas Kaufmann. Man kann die „Magischen Töne“ als ungarisches Operettenalbum bezeichnen. Alle Komponisten in dieser Zusammenstellung sind durch Geburt oder Libretto mit Ungarn verbunden. Jonas Kaufmann wird auf der CD vom Orchester der Ungarischen Staatsoper unter Dirk Kaftan begleitet, seine Gesangspartnerin ist Nikola Hillebrand. Die Aufnahmen entstanden in Budapest und die ersten drei Titel „spielen“ auf dem Landgut der „Gräfin Mariza“, wobei Kaufmann in der Rolle des Tassilo die melancholische Erinnerung an die Frauen im schönen Wien in ungarischer Sprache singt – und die Liebesgrüße somit nach Budapest gehen.
Ich kann als Operettenfreund nur schwärmen von dieser CD. Sie ist seit Freitag beim Streaming-Portal meiner Wahl online und die titelgebenden „Magischen Töne“ aus einer Oper von Karl Goldmark betreffen durchgehend alle 22 Titel, die in einer tollen Melange aus populären, gänzlich unbekannten und eben ungarischen Titeln zusammengestellt wurden. Große Klasse, Jonas Kaufmann!!!
Ralf Krüger