Der RING nach der Götterdammerung in Wien: Dies ist ein eindrucksvolles Gesamterlebnis

Richard Wagner, Götterdämmerung, Wiener Staatsoper  klassik-begeistert, 15. Juni 2026

© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Die Götterdämmerung in Wien: Der letzte Tag der Götter

Von Kathrin Schuhmann

Am Ende des Siegfried schien für einen kurzen Moment alles möglich. Der Held hatte die Feuerwand durchschritten, Brünnhilde erweckt und die Liebe entdeckt. Doch wer glaubte, Wagner würde seinen Figuren ein Happy End gönnen, wurde in der Götterdämmerung eines Besseren belehrt. Was im Rheingold mit einem gestohlenen Goldschatz begann, fand nun seinen unausweichlichen Abschluss.

Mit der Götterdämmerung erreichte der aktuelle Ring-Zyklus der Wiener Staatsoper seinen letzten Abend. Nach Machtkämpfen, Familienkonflikten und Heldenabenteuern nimmt die Katastrophe nun ihren finalen Lauf. Wagner führt seine Figuren mit unerbittlicher Logik ihrem Schicksal entgegen.

Andreas Schager bestätigte als Siegfried eindrucksvoll seinen Erfolg der vorangegangenen Abende. Mit enormer Ausdauer und beeindruckender stimmlicher Präsenz gestaltete er einen Helden, der zwar keine Angst kennt, den Intrigen seiner Umwelt jedoch letztlich schutzlos ausgeliefert ist.

Siegfried, Nylund, Schager © Michael Pöhn

Zum eigentlichen Mittelpunkt des Abends wurde jedoch Camilla Nylund als Brünnhilde. Bereits in der Walküre und im Siegfried hatte sie die Entwicklung der Figur überzeugend gestaltet – in der Götterdämmerung dann übertraf sie sich gleichsam selbst. Mit größter Ausdruckskraft schuf sie ein eindrucksvolles Rollenporträt, das Brünnhilde sowohl in ihrer Verletzlichkeit als auch Entschlossenheit zeigte. Ihre Schlussszene, in dem sie dem Ring-Fluch ein Ende bereitete, geriet zum emotionalen Höhepunkt des gesamten Zyklus.

Auch Günther Groissböck überzeugte als bedrohlich autoritärer Hagen, wenngleich sein Organ der Klanggewalt des Orchesters nicht immer gewachsen war. Georg Nigl setzte mit seinem Auftritt als Alberich einen weiteren schaurig düsteren Akzent, der in Erinnerung rief, wie eng die Handlung der Götterdämmerung mit den Ereignissen des gefühlt schon lang zurückliegenden Rheingolds verbunden ist.

Wie schon an den vorangegangenen Abenden erwies sich Pablo Heras-Casado als zentrale musikalische Kraft des Ringes. Sein Dirigat war energiegeladen, das Orchester der Wiener Staatsoper folgte ihm mit beeindruckender Präzision. Insbesondere in den großen Zwischenspielen und im Trauermarsch entfaltete der Klangkörper enorme Wirkung.

Die Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf blieb ihrer bewährten Linie treu: Sie vertraut auf Werk, Figuren und Musik, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auch im Finale erwies sich diese Zurückhaltung als Stärke.

Besonders eindrucksvoll geriet die Schlussszene. Wenn Brünnhilde den Ring zurückgibt und die alte Welt in Flammen aufgeht, bündelt Wagner die Leitmotive des gesamten Zyklus in einem überwältigenden Höhepunkt.

Mit dieser Götterdämmerung gelang der Wiener Staatsoper ein würdiger Abschluss ihres aktuellen Ring-Zyklus’. Nach vier Opern, zahllosen Konflikten und vielen Stunden großartiger Musik endet Wagners Epos im Feuer. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Aufführungsserie, die durch eine außergewöhnlich geschlossene Besetzung, ein hervorragend disponiertes Orchester und die musikalische Leitung Pablo Heras-Casados getragen wurde. Alle beteiligten Akteurinnen und Akteure haben diesen Ring zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis gemacht. Das Publikum dankte es mit lang anhaltendem Applaus – und verabschiedete damit nicht nur die Götter von Walhall, sondern auch einen Ring-Zyklus, der über alle vier Abende hinweg auf bemerkenswert hohem Niveau begeisterte.

Kathrin Schuhmann, 15. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Richard Wagner, Das Rheingold Wiener Staatsoper, 6. Juni 2026

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Richard Wagner, Götterdämmerung Wiener Staatsoper, 4. Juni 2026

 

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