Halle (Saale): das Händel Festspielorchester und der Cembalist Kristian Bezuidenhout brillieren

Bach / Händel / Bernhard Forck, Kristian Bezuidenhout, Händelfestspielorchester Halle,  Freylinghausen-Saal, Franckesche Stiftungen Halle

Foto: (c) Falk Wenzel
Freylinghausen-Saal, Franckesche Stiftungen Halle,
 20. September 2018

Bernhard Forck, Leitung und Violine, Kristian Bezuidenhout, Cembalo, Händelfestspielorchester Halle auf historischen Instrumenten

Von Guido Müller

Das Händelfestspielorchester Halle mit seinen 35 Musikern feiert seinen fünfundzwanzigsten Geburtstag mit der Anschaffung eines neuen Cembalos und einem festlichen Konzert. Einer der derzeit spannendsten und bedeutendsten Cembalisten, Kristian Bezuidenhout, weihte als Continuo-Spieler, als Solist und Konzertspieler das neue Instrument ein. Seit 2017/18 leitet Bezuidenhout das Freiburger Barockorchester und ist ständiger Gastdirigent des English Concert.

Als Teil eines großen städtischen Sinfonie- und Opernorchesters, der Staatskapelle Halle, stellt das Händelfestspielorchester eine in Deutschland einmalige Institution dar. Auf historischen Instrumenten führt das Händelfestspielorchester nicht nur im Opernhaus jährlich eine Händel-Oper auf, sondern gestaltet auch verschiedene Alte-Musik-Reihen in Halle und wirkt an Oratorienaufführungen u.a. mit dem Stadtsingechor Halle mit. Außerdem gastiert es im In- und Ausland mit großem Erfolg und hat bereits zahlreiche CD-Einspielungen vorgelegt.

Das Konzert eröffnet die nach französischem Modell gestaltete lebhafte Ouvertürensuite in e-Moll des Eisenacher Johann Bernbach Bach (1676 – 1749), die sich in Johann Sebastian Bachs Notenbibliothek erhalten hat. Der Streicherklang ist frisch, präsent und differenziert. Die melancholischen Airs werden zart und duftig gespielt. Der Satz Les Plaisirs erklingt in feinsten dynamischen und rhytmischen Schattierungen, die Bernhard Forck ein besonderes Anliegen sind. Ein frischer Rigaudon rundet die eindrucksvoll musizierte Suite ab.

Danach folgt mit Carl Philipp Emanuel Bachs (1714 – 1788) Konzert für Cembalo, Streicher und Basso Continuo C-Dur von 1746 eine atemberaubend intensive Interpretation durch Kristian Bezuidenhout. Frühromantisch fährt das Orchester zu Beginn auf und führt damit bereits in die Welt des Sturm und Drang. Mit größter Zartheit und eleganter Innerlichkeit des Klangs antwortet das Cembalo. Besonders im Andante-Mittelsatz fasziniert das perlende und feine Spiel auf gedämpftem Streicherklang. Im Schlusssatz brilliert Kristian Bezuidenhout mit instrumentaler Virtuosität und Delikatesse. Großer langanhaltender Beifall und Bravorufe des Publikums.

Nach Georg Friedrich Händels (1685-1759) Concerto grosso in G-Dur op. 6 Nr.1 spielen Bernhard Forck und Kristian Bezuidenhout die von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) um 1732/33 wohl für seinen gräflichen Schüler Heinrich Abraham von Boineburg komponierte G-Dur-Sonate für Violine und Basso Continuo. Nach einem höfisch-duftigen Auftakt im ersten Adagio-Satz spielt Fock den Vivace-Satz mit feiner Virtuosität und harmoniert perfekt mit der perlenden Eleganz des Musizierens von Bezuidenhout.

Glänzend schließt Kristian Bezuidenhout das Konzert mit dem d-moll-Konzert für Cembalo, Streicher und Basso Continuo G-Dur von Bach ab. Mit allen rhetorischen Finessen und sehr intensivem Spiel des Cembalos beeindruckt Bezuidenhout das atemlos lauschende Publikum und zeigt, warum er zu den bemerkenswertesten Pianisten unserer Zeit zählt. Perfekt begleitet ihn Forck auf der Violine und in zahlreichen Schattierungen der Streicher und des Basso Continuo. Da flüstert und haucht es, wispert und brummt es, zärtlich und ruppig: welche Vielfalt des Klangs historischer Streichinstrumente in geradezu impressionistischer Vielfalt der Farben.

Den nicht enden wollenden Beifall des Publikums dankt Bezuidenhout mit der Allemande aus Händels d-moll-Suite als Zugabe. Bereits vor dem Konzert hatte der Oberbürgermeister der Stadt Halle Dr. Bernd Wiegand die weitere finanzielle Absicherung dieses ausgezeichneten Klangkörpers und Aushängeschildes der Händelstadt Halle für die nächsten Jahre zugesichert. Darauf können sich alle Liebhaber Alter Musik freuen. In der Qualität schließt das Händelfestspielorchester Halle an die führenden Ensembles an, die auf historischen Instrumenten spielen.

Dr. Guido Müller, 21. September 2018, für
klassik-begeistert.de

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