Ein Dirigent, ein Orchester und eine Super-Violinistin schaffen eine Sternstunde in Wien

Sir Antonio Pappano © Mark Allan

Endlich war wieder einmal das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold zu hören; ausgezeichnet durch eine der weltbesten Geigerinnen. Und das London Symphony Orchestra unter ihrem Chef Sir Antonio Pappano bewies erneut seinen Ruf als Weltklasseorchester.

Imogen Holst: Ouvertüre „Persephone“

Erich Wolfgang Korngold: Konzert für Violine und Orchester in D-Dur, op. 35

Dmitrij Schostakowitsch: Symphonie Nr. 5, op. 47

Vilde Frang, Violine

London Symphony Orchestra
Sir Antonio Pappano, musikalische Leitung

Musikverein Wien, 27. April 2026

von Herbert Hiess

Zuvor gab es eine interessante Erstaufführung; nämlich die Ouvertüre zu „Persephone“ – das Werk ist ein Chorwerk mit Orchesterbegleitung. Eigentlich eine Mischung von Oper, Oratorium und szenischem Oratorium. Komponistin ist niemand anderer als die Tochter des britischen Komponisten Gustav Holst, nämlich Imogen Holst. „Vilde Frang Violine, London Symphony Orchestra, Sir Antonio Pappano
Musikverein Wien, 27. April 2026 “
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Christian Thielemann steht unangefochten an der Weltspitze der Dirigenten

Archiv Staatskapelle Berlin, Christian Thielemann © Stephan Rabold

Es wundert nicht, dass man beim Lesen von Reviews über Christian Thielemann eine Art von Langeweile verspürt – denn sie sind immer hymnisch. Im Wiener Musikverein hat er Sonntagabend hören lassen, wie sehr er mit dem für ihn neuen Orchester harmoniert. Das untermauert seine Genialität vor allem in Sachen Richard Strauss.

Richard Strauss: Acht Orchesterlieder

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 6 in F-Dur, op. 68 “Pastorale”
Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel „Egmont“, op. 84

Julia Kleiter, Sopran
Konstantin Krimmel, Bariton

Staatskapelle Berlin
Dirigent: Christian Thielemann

Musikverein Wien, 19. April 2026

von Herbert Hiess

Die Monate April, Mai und Juni bedeuten für Rezensenten Monate der Schwerarbeit; man könnte fast täglich irgendwelche Veranstaltungen besuchen. Und in Wien ist es wie im Schlaraffenland. Wie die „Milchreisberge“ dort, kommt man da im Klassiksektor mit der Auswahl der besten Veranstaltungen kaum nach. „Staatskapelle Berlin, Christian Thielemann, Strauss und Beethoven
Musikverein Wien, 19. April 2026  “
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Mahler Neun im Musikverein: Sir Simon Rattle trifft den richtigen Ton

Sir Simon Rattle © Mark Allan

Beeindruckend, was Mahlers Musik mit Menschen machen kann. Beseelte Gesichter, wohin man blickt im Musikverein Wien, bevor das Adagio
der 9. Symphonie wie eine Kerze erlischt. Sir Simon Rattle macht nicht den Fehler, auf reinen Schönklang zu setzen. Der britische Dirigent, Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, holt alles aus den Wiener Philharmonikern heraus.

Gustav Mahler    Sinfonie Nr. 9 D-Dur

Wiener Philharmoniker
Sir Simon Rattle,
Dirigent

Musikverein Wien, Goldener Saal, 17. April 2026

von Jürgen Pathy

Ausnahmestimmung im Musikverein Wien. Schon vor dem Konzert spürt man: Da liegt etwas in der Luft. Sir Simon Rattle zieht, und die Leute kommen. Lange Schlange beim Stehplatz, kurz vor 19:30 Uhr. Als Rattle wenige Minuten später zum ersten Satz ansetzt, ist sofort klar: Die Wiener Philharmoniker haben einen außergewöhnlichen Abend erwischt. Unter Rattle vermeidet man genau das, was Mahler killt: bloßen Schönklang. „Mahler, Sinfonie Nr. 9 D-Dur, Sir Simon Rattle, Wr. Philharmoniker
Musikverein Wien, Goldener Saal, 17. April 2026“
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Ein italienisches Orchester und ein britischer Dirigent führen durch eine musikalische Europatour

Daniel Harding © Stephan Rabold

Endlich ist das römische Superorchester wieder auf Besuch in Wien. Gemeinsam mit Daniel Harding und dem Spitzenpianisten Daniil Trifonov konnte man ein besonderes Programm mit deutschen und tschechischen Werken erleben. Und ein italienisches Meisterorchester, das zusammen mit dem britischen Dirigenten Daniel Harding bestechend in die deutsche und tschechische Musikwelt eintaucht. Ein Konzert, das noch lange nachklingen wird.

Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur, op. 83
Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 7 in d-moll, op. 70

Daniil Trifonov, Klavier
Orchestra dell’Accademia nazionale di Santa Cecilia Roma
Daniel Harding, Dirigent

Musikverein Wien, 17. März 2026

von Herbert Hiess

Daniil Trifonov hat wieder einmal bewiesen, dass er unangefochten an der Weltspitze der Pianisten steht. Schon allein der Anfang des interessanten
2. Klavierkonzertes von Johannes Brahms mit dem fulminanten Solohorn sorgte für Gänsehaut. „Daniil Trifonov, Klavier, Orchestra S. Cecilia, Daniel Harding, Dirigent
Musikverein, 17. März 2026“
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Die Wiener Symphoniker unter Popelka begeistern mit einer erfreulichen Alpentour

Petr Popelka conducting © Werner Kmetitsch

Ein äußerst erfreuliches Konzert war im Musikverein zu hören; einerseits mit einem äußerst selten gespielten Werk von Béla Bartók und andererseits die auch nicht allzu oft gespielte „Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Das Konzert bewies, dass die Wiener Symphoniker auf einem sehr hohen Niveau spielen.

Béla Bartók, Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester, Sz 115

Richard Strauss: Eine Alpensinfonie op. 64

Lucas und Arthur Jussen, Klaviere
Thomas Schindl, Michael Vladar, Schlagzeug

Wiener Symphoniker
Dirigent Petr Popelka

Musikverein Wien, 26. Februar 2026

von Herbert Hiess

Eine interessante Begegnung gab es mit den niederländischen Klavier-Brüdern Jussen, die das technisch mehr als anspruchsvolles Werk von Béla Bartók interpretierten. Der ungarische Komponist schenkt den Künstlern absolut nichts; in dem dreisätzigen Werk springt man von einer zur nächsten fast nicht bewältigbaren Stelle. „Wiener Symphoniker, Dirigent Petr Popelka, Strauss, Alpensinfonie
Musikverein Wien, 26. Februar 2026      “
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Zubin Mehta blüht an seinem Lebensabend voll auf

Zubin Mehta © Monika Rittershaus

So traurig der Titel klingt – wenn man jedoch den Auf- und Abtritt des geschätzten Maestros Zubin Mehta, bald 90 Jahre alt, am Sonntag in Wien beobachten konnte, leidete man unwillkürlich an den Qualen mit, denen der liebenswürdige Stardirigent ausgesetzt ist. Dieser Konzertabend war  ungleich berührend, zumal das Orchester locker mit den sogenannten Meisterorchestern mithalten kann.

Musikverein Wien, 22. Februar 2026

Richard Wagner: Ouvertüre zur Oper Rienzi
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 8 in F-Dur, op. 93
Peter Iljitsch Tschaikowskij: Symphonie Nr. 4 in f-moll, op. 36

West-Eastern Divan Orchestra
Zubin Mehta, Dirigent

von Herbert Hiess

Was die Politik nicht zusammenbringt; das soll ein Orchester lösen, was man eigentlich nicht für möglich hält. 1999 wurde dieses Orchester unter anderem von Daniel Barenboim und Edward Said gegründet, das zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Mitgliedern besteht.

Der Name wurde von Goethes West-Östlichen Divan abgeleitet, einer Gedichtesammlung vom persischen Dichter Hafis und dessen Gedichtesammlung „Diwan“. „West-Eastern Divan Orchestra, Zubin Mehta
Musikverein, Wien, 22. Februar 2026“
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Andris Nelsons schnürt ein Überraschungspaket

Andris Nelsons © Julia Wessely

Die Wiener Philharmoniker treten demnächst eine größere Tournee an, und auch hier kann man sich über den Brauch freuen, dass die Konzerte in Wien zu Gehör kommen. Und auch hier kann man wieder erleben, dass die schönsten Vorurteile jene sind, die widerlegt werden. So konnte man die dirigentische Metamorphose von Andris Nelsons erkennen, der sich zu einem hochklassigen Dirigenten entwickelt hat.

Wolfgang Amadeus Mozart: Symphonie in C-Dur, KV 425 „Linzer Symphonie“

Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 6 in D-Dur, op. 60

Wiener Philharmoniker
Andris Nelsons, Dirigent

Musikverein, 14. Februar 2026

von Herbert Hiess

Es ist eine interessante Fügung, dass man mal in der Musik eine sowohl physische als auch musikalische Entwicklung beobachten konnte und durfte – nämlich die von Andris Nelsons. Der Karrierestart des Dirigenten war sicher etwas „eigenartig“; er wurde marketingtechnisch „gepusht“ und durfte sich vor Spitzenorchestern profilieren; übrigens genauso, wie der junge Finne Klaus Mäkelä. Dieser bedient sich eher an einer mehr oder minder fragwürdigen „Effekthascherei“. „Wiener Philharmoniker, Andris Nelsons
Musikverein, 14. Februar 2026“
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Yannick Nézet-Séguin versprüht beim Neujahrskonzert wienerischen Charme und erobert die Herzen

Yannick Nézet-Séguin © APA/WIENER PHILHARMONIKER/DIETER NAGL

Mehr oder minder per Zufall kam der großartige kanadische Dirigent (in weiterer Folge Yannick genannt) zu Ehren, dieses außergewöhnliche Event wienerischer (und genauso österreichischer) Geschichte leiten zu können. Und er wird seiner Aufgabe mehr als gerecht – das war ein Konzert, das man sich noch lange merken kann und muss.

Musikverein Wien, 1. Januar 2026

Wiener Philharmoniker
Dirigent: Yannick Nézet-Séguin

von Herbert Hiess

Bei der Pressekonferenz im Hotel Imperial erzählte Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer, wie Yannicks Engagement eigentlich zustande kam. Im Jahre 2022 hätte die Tournee des Orchesters in New York unter der Leitung von Valery Gergiev stattfinden sollen. Nun hat man nicht mit dem Verhalten der US-Veranstalter gerechnet, die den russischen Stardirigenten abgelehnt haben. „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, Dirigent: Yannick Nézet-Séguin
Wiener Musikverein, 31. Dezember 2025/1. Januar 2026        “
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„Einfach nur großartig: Dieses Neujahrskonzert war ein Ohren- und ein Augenschmaus!“

Foto © APA/WIENER PHILHARMONIKER/DIETER NAGL

Der Sog des Neujahrskonzerts 2026 –
klassik-begeistert-Leser berichten

Liebe Leserinnen und liebe Leser von klassik-begeistert!

Das Neujahrskonzert 2026 aus dem Musikverein Wien hat Maßstäbe gesetzt. Noch nie erreichten uns so viele Kommentare wie nach diesem Konzert. Bei über 300 Zuschriften lief das kb-Postfach über. Wir bekamen nur vier Meinungen, die dem größten Klassik-Event der Welt nichts abgewinnen konnten, drei von Ihnen lesen Sie gerne weiter unten.

klassik-begeistert-Leser waren beseelt, beglückt und betört ob der superben Leistung des kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin und des Welt-Orchesters Wiener Philharmoniker. Dieses Konzert machte die Zuschauer glücklich und war ein nachhaltiger Beitrag für die Gesundheit in diesem Jahr.

Der 1. Januar 2026 war der erfolgreichste in der fast 10-jährigen Geschichte von klassik-begeistert, dem größten Internet-Klassik-Blog in deutscher Sprache. Wir wünschen Ihnen ein gesundes, ein geschmeidiges, ein glückliches und ein gelassenes Jahr 2026.

Herzlich grüßt Sie und Euch,

Andreas Schmidt, Herausgeber

„Der Sog des Neujahrskonzerts 2026
klassik-begeistert-Leser berichten, 2. Januar 2026“
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Franz Welser-Möst wandelt auf Pfaden der Mittelmäßigkeit

Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal Musikverein / Amar Mehmedinovic

Um es kurz zu machen: Was nützt eines der besten Orchester der Welt, wenn der Dirigent es nicht versteht, dieses nicht nur bloß zusammenzuhalten, sondern eine veritable Interpretation zu vermitteln. Schade, denn das Programm war eigentlich vielversprechend.

Musikverein Wien, 18. Dezember 2025

Ludwig van Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. op. 72
Richard Strauss: Metamorphosen, Studie für 23 Solostreicher, AV 142
Ludwig von Beethoven: Symphonie Nr. 5 c-moll, op. 67

Wiener Philharmoniker
Dirigent: Franz Welser-Möst

von Herbert Hiess

Es ist eine wirkliche Rarität, dass in einem Konzert der Wiener Philharmoniker gleich zwei Konzertmeister zu finden sind – und das war Strauss’ „Metamorphosen“ geschuldet. Diese sogenannte Studie ist eines der anspruchsvollsten Werke der symphonischen Literatur.

Denn die 23 Musiker schlüpfen hier tatsächlich in die Rolle der Solisten; da hat der Dirigent wahre Mühe, dieses Ensemble auf einen einheitlichen Klang zu bringen. „Wiener Philharmoniker, Franz Welser-Möst Dirigent
Musikverein Wien, 18. Dezember 2025  “
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