Yannick Nézet-Séguin versprüht beim Neujahrskonzert wienerischen Charme und erobert die Herzen

Yannick Nézet-Séguin © APA/WIENER PHILHARMONIKER/DIETER NAGL

Mehr oder minder per Zufall kam der großartige kanadische Dirigent (in weiterer Folge Yannick genannt) zu Ehren, dieses außergewöhnliche Event wienerischer (und genauso österreichischer) Geschichte leiten zu können. Und er wird seiner Aufgabe mehr als gerecht – das war ein Konzert, das man sich noch lange merken kann und muss.

Musikverein Wien, 1. Januar 2026

Wiener Philharmoniker
Dirigent: Yannick Nézet-Séguin

von Herbert Hiess

Bei der Pressekonferenz im Hotel Imperial erzählte Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer, wie Yannicks Engagement eigentlich zustande kam. Im Jahre 2022 hätte die Tournee des Orchesters in New York unter der Leitung von Valery Gergiev stattfinden sollen. Nun hat man nicht mit dem Verhalten der US-Veranstalter gerechnet, die den russischen Stardirigenten abgelehnt haben. „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, Dirigent: Yannick Nézet-Séguin
Wiener Musikverein, 31. Dezember 2025/1. Januar 2026        “
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„Einfach nur großartig: Dieses Neujahrskonzert war ein Ohren- und ein Augenschmaus!“

Foto © APA/WIENER PHILHARMONIKER/DIETER NAGL

Der Sog des Neujahrskonzerts 2026 –
klassik-begeistert-Leser berichten

Liebe Leserinnen und liebe Leser von klassik-begeistert!

Das Neujahrskonzert 2026 aus dem Musikverein Wien hat Maßstäbe gesetzt. Noch nie erreichten uns so viele Kommentare wie nach diesem Konzert. Bei über 300 Zuschriften lief das kb-Postfach über. Wir bekamen nur vier Meinungen, die dem größten Klassik-Event der Welt nichts abgewinnen konnten, drei von Ihnen lesen Sie gerne weiter unten.

klassik-begeistert-Leser waren beseelt, beglückt und betört ob der superben Leistung des kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin und des Welt-Orchesters Wiener Philharmoniker. Dieses Konzert machte die Zuschauer glücklich und war ein nachhaltiger Beitrag für die Gesundheit in diesem Jahr.

Der 1. Januar 2026 war der erfolgreichste in der fast 10-jährigen Geschichte von klassik-begeistert, dem größten Internet-Klassik-Blog in deutscher Sprache. Wir wünschen Ihnen ein gesundes, ein geschmeidiges, ein glückliches und ein gelassenes Jahr 2026.

Herzlich grüßt Sie und Euch,

Andreas Schmidt, Herausgeber

„Der Sog des Neujahrskonzerts 2026
klassik-begeistert-Leser berichten, 2. Januar 2026“
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Franz Welser-Möst wandelt auf Pfaden der Mittelmäßigkeit

Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal Musikverein / Amar Mehmedinovic

Um es kurz zu machen: Was nützt eines der besten Orchester der Welt, wenn der Dirigent es nicht versteht, dieses nicht nur bloß zusammenzuhalten, sondern eine veritable Interpretation zu vermitteln. Schade, denn das Programm war eigentlich vielversprechend.

Musikverein Wien, 18. Dezember 2025

Ludwig van Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. op. 72
Richard Strauss: Metamorphosen, Studie für 23 Solostreicher, AV 142
Ludwig von Beethoven: Symphonie Nr. 5 c-moll, op. 67

Wiener Philharmoniker
Dirigent: Franz Welser-Möst

von Herbert Hiess

Es ist eine wirkliche Rarität, dass in einem Konzert der Wiener Philharmoniker gleich zwei Konzertmeister zu finden sind – und das war Strauss’ „Metamorphosen“ geschuldet. Diese sogenannte Studie ist eines der anspruchsvollsten Werke der symphonischen Literatur.

Denn die 23 Musiker schlüpfen hier tatsächlich in die Rolle der Solisten; da hat der Dirigent wahre Mühe, dieses Ensemble auf einen einheitlichen Klang zu bringen. „Wiener Philharmoniker, Franz Welser-Möst Dirigent
Musikverein Wien, 18. Dezember 2025  “
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Jakub Hrůša und die Wiener Philharmoniker gestalten eine atemberaubende Matinee

Jakub Hrůša © Dieter Nagl

Die Wiener Philharmoniker machten einen Ausflug in die ungarisch-tschechische Musiklandschaft. Werke von Zoltán Kodály, Béla Bartók, Antonín Dvořák und Leoš Janáček standen auf dem Programm des
3. Abonnementkonzertes. Mit höchster Präzision und gewaltiger Intensität errichteten sie unter der Leitung von Jakub Hrůša spektakuläre Klanggebäude.

Zoltán Kodály
Tänze aus Galánta für Orchester

Béla Bartók
Der wunderbare Mandarin. Konzertsuite, op. 19

Antonín Dvořák
Holoubek. Symphonische Dichtung c-Moll, op. 110, „Die Waldtaube”

Leoš Janáček
Taras Bulba. Rhapsodie für Orchester nach einer von Nikolaj W. Gogol bearbeiteten Sage

Wiener Philharmoniker
Jakub Hrůša, Dirigent

Musikverein,  Großer Saal, Wien, 7. Dezember 2025

von Dr. Rudi Frühwirth

Mit einem klagenden, samtig-weich intonierten Motiv in den Celli beginnen Zoltán Kodálys Tänze aus Galánta. Sofort greift das erste Horn das Thema auf – in voller Lautstärke und mit absolut sicherer Intonation. Die Klarinette übernimmt es anschließend, klangschön und höchst ausdrucksvoll. Unter den Holzbläsern spielt die Soloklarinette durchgehend die tragende Rolle, doch auch Oboe und Fagott beeindrucken mit ihrer exzellenten Klangkultur und feinen Phrasierung. „3. Abonnementkonzert, Wiener Philharmoniker, Jakub Hrůša, Dirigent
Musikverein,  Großer Saal, Wien, 7. Dezember 2025“
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Herbert hört hin 8: Der Bariton Matthias Goerne versteht offenbar Franz Schubert nicht

Goerne, Trifonov 24112025 ©Julia Wesely

Franz Schubert
Sonate in G-Dur, D 804
Schwanengesang D 957

Daniil Trifonov, Klavier
Matthias Goerne, Bariton

Musikverein Wien, 28. November 2025

von Herbert Hiess

Eigentlich hätte da eine stinknormale Rezension über Franz Schuberts Liederzyklus „Schwanengesang“ stehen sollen, die vom Papier her überaus prominent besetzt war.

Auf der einen Seite der überaus geniale Pianist Daniil Trifonov und auf der anderen Seite der angesehene Bariton Matthias Goerne. Nur hatte der Abend einen gewaltigen Schiefstand, weil nämlich der Begleiter zum Hauptereignis wurde. „Herbert hört hin 8: Matthias Goerne
Musikverein Wien, 28. November 2025“
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Wenn Trifonov Schubert spielt, wird es totenstill im Goldenen Saal

Daniil Trifonov und Matthias Goerne © Julia Wesely

Am dritten Abend des Schubert-Minifestivals spielte Daniil Trifonov die G-Dur Sonate D 894. Seine Interpretation ist von berückender Klangkultur geprägt, der das Publikum andächtig lauschte. Der folgende Schwanengesang mit Matthias Goerne war ein würdiger Abschluss.

 Franz Schubert

Sonate für Klavier G-Dur, D 894
Schwanengesang, D 957

Liederzyklus nach Texten von Ludwig Rellstab

Matthias Goerne  Bariton
Daniil Trifonov Klavier

Musikverein Wien, Großer Saal, 28. November 2025

von Dr. Rudi Frühwirth

Bei Schubert ist Trifonov kein Mann der lauten Töne. Das zeigte sich deutlich an seiner Interpretation der G-Dur Sonate, die er mit unglaublicher Delikatesse zu Gehör brachte. Sie zwang auch das Publikum zu höchster Konzentration – ich habe noch nicht oft eine so absolute Stille im Goldenen Saal erlebt. Selbst die jungen Damen in der Umgebung verstauten ihre Mobiltelefone in der Tasche, was zu meiner Bestürzung bei der Winterreise vor ein paar Tagen nicht immer der Fall war. „Matthias Goerne Bariton, Daniil Trifonov Klavier, Franz Schubert
Musikverein Wien, 28. November 2025“
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Der Bach, die Müllerin und der Tod: Goerne und Trifonov führen uns in die Transzendenz

Daniil Trifonov und Matthias Goerne © Julia Wesely

Nach der “Winterreise” nun “Die schöne Müllerin” – von Zuversicht über jubelnde Liebe, harte Enttäuschung und tiefe Melancholie bis in den sanften Tod reicht der Bogen dieser Liederfolge. Goerne und Trifonov beweisen wieder ihre überragende Kunst der Interpretation.

Franz Schubert
Die schöne Müllerin, D 795

Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller

Matthias Goerne   Bariton
Daniil Trifonov   Klavier

Musikverein Wien, 26. November 2025

von Dr. Rudi Frühwirth

Der Schubert-Schwerpunkt im Großen Musikvereinssaal wurde mit dem Liederzyklus Die schöne Müllerin  fortgesetzt. Es war wieder ein großer, zutiefst berührender Abend mit Matthias Goerne und Daniil Trifonov. Der Zyklus beginnt unschuldig heiter, steigert sich zum Jubel der gewonnen Liebe und endet mit der Katastrophe der wieder verlorenen Liebe. Der selbstgewählte Tod des Erzählers wird als sanfter, verzichtender Übergang in die Transzendenz verklärt. „Goerne und Trifonov, Franz Schubert, Die schöne Müllerin
Musikverein Wien, 26. November 2025“
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Tränen im Schnee: Goerne und Trifonov lassen uns bis ins Herz erschauern

Daniil Trifonov und Matthias Goerne © Caroline Portes de Bon

Ein durch und durch erschütterndes Erlebnis ist Schuberts Winterreise in der Interpretation durch Matthias Goerne und Daniil Trifonov. Im perfekten Zusammenspiel zweier großer Künstler werden die kleinsten Gemütsregungen ausgeleuchtet und zu einem großen Bogen zusammengefügt, der uns von traurigem Abschiednehmen bis in die kaum mehr sagbare Verzweiflung führt.

Franz Schubert,  Winterreise  D 911
Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller

Matthias Goerne   Bariton
Daniil Trifonov   Klavier

Musikverein Wien, Großer Saal, 24. November 2025

von Dr. Rudi Frühwirth

Am ersten Abend des Schubert-Schwerpunkts im Wiener Musikverein erklang die Winterreise – jenes singuläre Kunstwerk, das uns die Katastrophe verschmähter Liebe wie auch die schmerzhaft kalten, ja als sinnlos erlebten Nachtseiten der Existenz wie kaum ein anderes miterleben und mitleiden lässt. Wenn dann ein großer Sänger und ein nicht minder großer Pianist zusammen musizieren, geschieht das Unerklärliche: Wort und Musik verschmelzen zu einem Ganzen, das uns bis ins Tiefste zu erschüttern vermag. „Matthias Goerne, Bariton, Daniil, Trifonov Klavier
Musikverein Wien, Großer Saal, 24. November 2025“
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"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne": Paavo Järvi dirigert Mahlers 1. Symphonie in Wien

Sol Gabetta und Paavo Järvi © Blende Drei

Manchmal muss man Hermann Hesses Satz aus dem Gedicht „Stufen“ heranziehen, um seine Eindrücke zu formulieren. Denn Paavo Järvi, der aktuelle Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich, präsentierte mit den Symphonien Nr. 1 und 2 von Gustav Mahler den Beginn des neuen Mahler-Zyklus mit seinem hervorragenden Orchester.

Robert Schumann: Konzert für Violoncello und Orchester a-moll, op. 129

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 1 D-Dur

Sol Gabetta, Violoncello

Paavo Järvi, musikalische Leitung
Tonhalle-Orchester Zürich

Musikverein Wien, 21. November 2025

von Herbert Hiess

Das Schweizer Orchester ist eines der führenden Klangkörper in Europa und nimmt auch weltweit einen gebührenden Platz ein. Und unter Paavo Järvi und zuvor unter David Zinman hat es berechtigterweise einen wohlverdienten Platz innerhalb der Orchesterlandschaft eingenommen. „Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi
Musikverein Wien, 21. November 2025 “
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Bruckner Fünf im Musikverein: Thielemann schenkt Frieden

Christian Thielemann © Michael Pöhn

Bruckner und Thielemann – das ist eine eigene Liga. Im Musikverein Wien durfte man Zeuge werden – keiner versteht Bruckner wie der Herr Kapellmeister. Der letzte Ton ist verklungen, und man bettelt nur: Christian, bitte halt die Hände oben. Stille, denn keiner traut sich zu applaudieren, solange Thielemann die Spannung nicht löst.

Wiener Philharmoniker
Christian Thielemann, Dirigent

Musikverein Wien, Goldener Saal, 2. November 2025

von Jürgen Pathy

Zuvor gab’s eine Lehrstunde, wie man Bruckner 5 gestaltet – wie ein Heiligtum. Ohne Gewalt, sanft und leise beinahe, soweit das bei Bruckner halt geht. Ja nichts zerbrechen. Und: die Zerrissenheit, die muss man unter einen Nenner bringen. Satz drei und vier vor allem, eins und zwei gestalten sich harmonischer.

„Wiener Philharmoniker, Christian Thielemann
Musikverein Wien, Goldener Saal, 2. November 2025“
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