„Fledermaus“ in Wien: Jonas Kaufmann behauptet sich in der Niavarani-Show

Diana Damrau (Rosalinde) und Jonas Kaufmann (Eisenstein) © Michael Pöhn

 

Michael Niavarani mag den Landsleuten in Deutschland vielleicht kein Begriff sein. In Österreich spielt der gebürtige Wiener mit persischen Wurzeln in der Topliga der Kabarettisten. Als Frosch setzt er an der Wiener Staatsoper nicht nur Akzente, sondern vereinnahmt diese Partie. Jonas Kaufmann gesellt sich als ausgezeichneter Sängerdarsteller dazu. Fledermaus in Wien – des is a Mordsgaudi.

Johann Strauss, Die Fledermaus
Libretto von Karl Haffner und Richard Genée
Wiener Staatsoper, 6. Januar 2026

von Jürgen Pathy

Nach der Vorstellung herrscht bei Teilen des Publikums Verwirrung. „Das muss ein Double gewesen sein“, zeigt sich ein Gast ungläubig. Dass der so gut Wienerisch spricht, verdeutliche diese Vermutung nur. Nein, Jonas Kaufmann war es an diesem Abend wirklich. Als Eisenstein brilliert der deutsche Startenor an der Wiener Staatsoper so richtig. Dass er angeblich ein „viel fescherer Kerl“ sei, mit weniger Leibesfülle und größerer Präsenz, macht den Herrn ebenfalls stutzig.

„Johann Strauss, Die Fledermaus
Wiener Staatsoper, 6. Januar 2026“
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Star-Tenor Jonas Kaufmann glänzt in der Fledermaus in Wien

Jonas Kaufmann © Gregor Hohenberg / Sony Classical

Die Fledermaus
Musik von Johann Strauß
Libretto von Karl Haffner und Richard Genée

Diesmal drehte sich die Wiener Silvesterfledermaus um Jonas Kaufmanns szenisches Eisenstein-Debüt, welches gemeinsam mit den weiteren überzeugenden Gesangsleistungen der 191. Aufführung von Otto Schenks Kultinszenierung einen umjubelten Erfolg bescherte! Michael Niavaranis sensationell origineller Frosch wurde zur zweiten Sensation des Abends, während Markus Poschner mit beschwingten Walzerklängen deutlich auf seine Dirigatsleistung aufmerksam machte.

Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025

von Johannes Fischer

Kein Silvester ohne Otto-Schenk-Fledermaus, so das Neujahrscredo der Wiener Opernfans. Bald feiert diese legendäre Inszenierung ihren 50. Geburtstag an der Staatsoper – sofern sie nicht vorher der Streichliste des Intendanten zum Opfer fällt. Ausgedient hat sie aber noch lange nicht, dieser Ball beim Prinz Orlofsky könnte genauso gut eine rauschende Silvesterfeier in einem prächtigen Hofburgsaal sein und auch die eine oder andere Champagnerflasche am Stehplatz gehört wohl heuer dazu. Und siehe da, man kann diese mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Bühnenbilder auch in zeitlose Aktualität neu beleben. Diese Vorstellung war nicht nur für Fans der alten Museumsregie ein köstliches Amüsement! „Johann Strauß, Die Fledermaus, Jonas Kaufmann
Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025“
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Der neue Wiener Fidelio: Regie top, Musik flop!

Eine Leonore als Denkmal: Schlussbild der neuen „Fidelio“-Produktion an der Wiener Staatsoper © Werner Kmetitsch

Während in der neuen Wiener Fidelio Nikolaus Habjans geniale Inszenierung mit noch genialerem Puppenspiel überzeugte, blieb der Gesang hinter den Erwartungen an diesem Haus. Auch Franz Welser-Möst konnte den Erfolg seines Auftritts im Musikverein vor Weihnachten nicht wiederholen. Einzig die beiden Baritone Don Pizarro und Don Fernando sorgten für zwei deutliche musikalische Lichtblicke.

Fidelio
Musik von Ludwig van Beethoven

Libretto von Joseph Sonnleithner und Georg Friedrich Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly

Wiener Staatsoper, 30. Dezember 2025

von Johannes Karl Fischer

Die erste gute Nachricht: Die alte, nichtsaussagende Otto-Schenk-Fidelio ist Geschichte. Die zweite gute Nachricht: Nikolaus Habjans mahnende, einfallsreiche Inszenierung ist genau das, was dieses kompositorisch nicht sehr gelungene Werk braucht! Das Leid der Gefangenen wird einem nicht erspart, die vergitterten Gefängnismauern verschwinden selbst neben dem pompösen Kerkermeisterzimmer nicht aus dem Blick und Marzellines und Jaquinos Arbeit in der Fabrik darf natürlich auch nicht fehlen. „Ludwig van Beethoven, Fidelio
Wiener Staatsoper, 30. Dezember 2025“
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„Elektra“ an der Wiener Staatsoper: Alexander Soddy entfesselt das Orchester

Foto © Alexandersoddy.com

„Es muss etwas geschehen sein“, heißt es in „Elektra“ von Richard Strauss. Ja, Dirigent Alexander Soddy und das Wiener Staatsopernorchester liefern vom Auftakt an „Spannung pur“. Aušrinė Stundytės metallischer Sopran ist eine Wucht. Nina Stemme klingt als Klytämnestra runder. Camilla Nylund als Chrysothemis unschuldiger. Derek Welton als Orest wie ein Wotan.

Richard Strauss, Elektra 
Tragödie in einem Aufzug

Text  Hugo von Hofmannsthal

Wiener Staatsoper, 23. Dezember 2025

von Jürgen Pathy

Wie Tag und Nacht – nach der musikalisch wenig beglückenden „Fidelio“-Vorstellung rückt das Wiener Staatsopernorchester alles wieder ins rechte Licht. Vom Auftakt an ist klar: Heute wird diese „Elektra“-Vorstellung ein Ereignis, solange Dirigent Alexander Soddy nichts versemmelt. Tut er nicht. Im Gegenteil: „Spannung pur“, bezeichnet ein Stammgast diese 4. Vorstellung der Serie. Unterschrift drunter. Das Staatsopernorchester agiert voller Harmonie, zupackend, mit einem Klang, der magisch wirkt.

„Richard Strauss, Elektra
Wiener Staatsoper, 23. Dezember 2025“
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Die Leonoren-Ouvertüre reißt das Publikum in Wien von den Sitzen

Fidelio an der Wiener Staatsoper © Werner Kmetitsch

Offenbar sind die schönsten Vorurteile die widerlegten. So betrat man mit einem eher mulmigen Gefühl die Wiener Staatsoper, um die aktuelle Neuproduktion dieser Freiheitsoper zu sehen. Und es erging einem wie bei der im Oktober im Theater an der Wien gespielten Produktion der „Fledermaus“ von Strauss jun. (Johann Strauss (jun.), Die Fledermaus Musiktheater an der Wien, 20. Oktober 2025 – Klassik-begeistert). Man war mehr als positiv beeindruckt von einer musikalisch wie szenisch hervorragenden Aufführung.


Ludwig van Beethoven, Fidelio                   
Oper in zwei Aufzügen

Text  Joseph Sonnleithner & Georg Friedrich Treitschke & Stephan von Breuning

nach  J.N. Bouilly

Mit  Simon Strazdas, Christopher Maltman, David Butt Philip, Malin Byström, Tareq Nazmi, Kathrin Zukowski, Daniel Jenz

Regie  Nikolaus Habjan

Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Dirigent   Franz Welser-Möst

Wiener Staatsoper, 22. Dezember 2025

von Herbert Hiess

Das Markenzeichen des Regisseurs Nikolaus Habjan sind seine überlebensgroßen Puppen, die hier als „Alter Ego“ für Florestan und Leonore eingesetzt wurden. Bis zur Pause war das keine Offenbarung –
im Gegenteil – es lenkte zu sehr von den realen Personen ab. „Ludwig van Beethoven, Fidelio
Wiener Staatsoper, 22. Dezember 2025  “
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„Fidelio“-Neuproduktion an der Wiener Staatsoper: Direktor Bogdan Roščić setzt auf die falschen Pferde

Bogdan Roščić © Lalo Jodlbauer

Kein großer Wurf. Die Maulpuppen von Regisseur Nikolaus Habjan erfüllen keinen Zweck, zumindest bei Beethovens „Fidelio“, einer Neuproduktion an der Wiener Staatsoper. Der Rest erweckt ebenfalls keine „namenlose Freude“.

Ludwig van Beethoven, Fidelio

Oper in zwei Aufzügen
Text  Joseph Sonnleithner & Georg Friedrich Treitschke & Stephan von Breuning

nach  J.N. Bouilly

Musikalische Leitung  Franz Welser-Möst

Inszenierung  Nikolaus Habjan


Wiener Staatsoper,
19. Dezember 2025

von Jürgen Pathy

Lange habe er überlegt, ob er die Puppen nicht weglassen solle. Das hatte Nikolaus Habjan bei der Sonntagsmatinee im Vorfeld der „Fidelio“-Premiere erwähnt. Gestört hätte es nicht, wenn er sich daran gehalten hätte.

Nicht, dass die Puppen aus der Reihe tanzen, sie sind einfach überflüssig. Im Gegensatz zur „Salome“-Produktion 2020 am Theater an der Wien vermitteln sie keinen Mehrwert. Dort hatte die lebensgroße Puppe mit ihren starrenden Augen einen Sinn. Alle Blicke waren auf Salome gerichtet. Beängstigend war es, wie die Augen der Puppe aufgerissen waren. Beim „Fidelio“ funktionieren sie als Verstärker der Emotionen nicht.

„Ludwig van Beethoven, Fidelio
Wiener Staatsoper, 19. Dezember 2025“
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Eine Diva ist geboren, und sie heißt Lady Asmik G.

A Diva is Born Grigorian © Ashley Taylor

Der Soloabend mit Asmik Grigorian und Hyung-ki Joo zeigte humorvoll und parodistisch angehaucht den steinigen Werdegang einer Diva. Grigorian begeisterte mit ihrer charismatischen Bühnenpräsenz und einer erstaunlichen sängerischen und darstellerischen Vielseitigkeit. Joo war ein brillanter Partner am Klavier und ein witziger Conferencier. Das Publikum im restlos ausverkauften Haus dankte mit lautstarkem Beifall.

A Diva is Born.

Konzipiert, kreiert und ausgeführt von:

Asmik Grigorian, Sopran
Hyung-ki Joo, Klavier und Gesang

Wiener Staatsoper, 2. Dezember 2025


von Dr. Rudi Frühwirth

Der Abend begann ernst, mit einem bezaubernden kurzen Klavierstück aus Hyung-ki Joos Album Childhood. Ein armenisches Volkslied klang traurig und einsam vom Balkon, vokalisiert ohne Text. Ein Klavierstück von Alexander Arutiunian und ein zweites armenisches Volkslied leiteten über zur Nummer 5 (Aria) aus den Bachianas Brasileiras von Heitor Villa-Lobos.

Grigorian ging langsam den Mittelgang Richtung Bühne, während sie die vorgeschriebenen Vokalisen sang. Weitere Vokalisen folgten: Souvenir de Constantinople von Reynaldo Hahn und Ravels Habanera. In diesen Stücken ist die menschliche Stimme ein Instrument, und zwar ein großartiges Instrument, wenn sie aus der Kehle von Asmik Grigorian kommt: rein, kontrolliert, mit einem zauberhaft klaren Piano in der Höhe und einer ausdrucksvollen mittleren und tiefen Lage. „Asmik Grigorian, Sopran, Hyung-ki Joo, Klavier und Gesang
Wiener Staatsoper, 2. Dezember 2025“
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Wien feiert Maria Nazarova als neue Staatsopern-Sensation!

Maria Nazarova © Liliya Namisnyk

Mit einer sensationellen Aufführung von Francis Poulencs Dialogues des Carmélites bringt die Wiener Staatsoper diese nicht sehr oft gespielte Oper auf die Bühne. Maria Nazarova gelang eine umjubelte Sensationsleistung, Robin Ticciati und das Orchester holten die in der Regie abwesende Revolutionsstimmung musikalisch nach.  

Dialogues des Carmélites
Musik und Libretto von Francis Poulenc

Text nach dem Drama von Georges Bernanos, bearbeitet mit der Genehmigung von Emmet Lavery nach einer Erzählung von Gertrude von Le Fort und einem Drehbuch von Pfarrer Bruckberger und Philippe Agostini

Wiener Staatsoper, 29. November 2025

von Johannes Karl Fischer

Ich traue meinen Augen nicht. Francis Poulenc, Dialogues des Carmélites, ausverkauft. Sowas kriegt auch nur die Wiener Staatsoper hin! Endlich bekommt diese musikalisch geniale und viel zu selten gespielte Oper mal eine verdiente Auslastung. „Francis Poulenc, Dialogues des Carmélites
Wiener Staatsoper, 29. November 2025“
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Wiener Staatsoper, mon amour 5: Der Wiener fühlt sich nur in einem Theatersessel richtig wohl

Wiener Staatsoper © Christian Öser

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Meine Rheinländer Kusine will es nicht wahrhaben, wenn wir sagen: „Die Wienerin, der Wiener fühlt sich nur in einem Theater- oder Konzertsaalsessel so richtig wohl.“ Jedes Mal, wenn Sylvia und ich mit der „Bim“ (Straßenbahn) an der Oper vorbeifahren, freuen wir uns auf die nächste, meist bald bevorstehende Aufführung. Für uns in Wien unvorstellbar in einer Stadt zu leben, wo keine Opernabende das Leben bereichern. In einer fremden Stadt ist daher unsere Suche nach einem Opernhaus.

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Szenen aus Aufführungen unsrer Wiener Oper am Ring nahmen wir in nächtliche Träume mit, wie „Wotans Abschied und Feuerzauber“. Es geschehen Offenbarungen wie der erste Richard Wagner mit „Parsifal“. Für mich als Sechzehnjährigen war Gurnemanz die reinste Verkörperung von Reife und Besonnenheit.

„70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper V
Wiener Staatsoper, 26. November 2025“
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Wiener Staatsoper, mon amour 4: Meine erste Liebe und mein zweites Zuhause

Blick auf den Beleuchtungskranz des Großen Saals der Wiener Staatsoper © Christian Öser

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Dr. Rudi Frühwirth

Mein erster Abend in der Staatsoper war im Jahr 1964, im zarten Alter von 12 Jahren. Auf der Bühne siechte Hilde Güden als Mimì dahin, an meinen Namensvetter Rodolfo habe ich keine Erinnerung – laut dem Archiv der Staatsoper war es Juan Oncina. Für die Inszenierung und das zauberhafte Bühnebild war Franco Zeffirelli verantwortlich, und ist es bis heute. „70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper IV
Wiener Staatsoper, 25. November 2025“
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