Ein spätromantisch blühender Mahler mit Robert Dean Smith und Sarah Connolly

CD-Rezension: Gustav Mahler, Das Lied von der Erde, Vladimir Jurowski

„An Einspielungen dieser Kompositionen herrscht kein Mangel, trotzdem kann man diese Veröffentlichung als eine Bereicherung des Katalogs ansehen.“

CD-Rezension: Gustav Mahler, Das Lied von der Erde (Pentatone PTC 5186760)

Dame Sarah Connolly Mezzosopran
Robert Dean Smith Tenor

Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin
Vladimir Jurowski Dirigent

von Peter Sommeregger

Dieses Werk, vielleicht Mahlers erfolgreichste und populärste Komposition, ist in der Form ein Mittelding zwischen Symphonie und Orchesterlieder-Zyklus. Das Gelingen einer Aufführung hängt immer stark von der Qualität der beiden Gesangsolisten ab. Für den erkrankten Tenor Torsten Kerl sprang bei dieser Aufführung am 14. Oktober 2018 kurzfristig Robert Dean Smith ein, ein vor allem mit seinen Wagner-Partien erfolgreicher Sänger und in Berlin kein Unbekannter.

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Die drei Lieder, die dem Tenor vorbehalten sind, erfordern eine ausgesprochen heldische Stimme, über die Smith grundsätzlich zwar verfügt, aber die Glanzzeit hat seine Stimme deutlich hörbar hinter sich. Er schlägt sich aber durchaus achtbar, singt textdeutlich und idiomatisch sauber.

Von Dixhuitiemiste – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61755544

Auch der schön gebildete Mezzosopran von Dame Sarah Connolly ist keine junge und frische Stimme mehr, aber bei ihr erfahren die dunkleren, schwermütigeren Teile des Zyklus eine interpretatorische Tiefe, wie sie Mahler wohl vorschwebte, die aber nur selten erreicht wird. Connolly lotet den Text mit perfekter Diktion aus. Es gelingt ihr, den Zuhörer in die elegische Stimmung dieser Lieder zu versetzen, ihr warmer, höhensicherer Mezzosopran ist geschmeidig und farbenreich.

Vladimir Jurowski entlockt seinem Rundfunk-Sinfonieochester wunderbare solistische Details, das spätromantisch aufblühende Orchester ist der eigentliche Star dieser Aufführung. Jurowski nimmt breite Tempi, speziell im letzten Lied „Der Abschied“, bei dem man auch daran erinnert wird, dass Mahler dieses Werk selbst nie gehört hat. Es wurde erst nach seinem Tod durch Bruno Walter in München uraufgeführt.

An Einspielungen dieser Kompositionen herrscht kein Mangel, trotzdem kann man diese Veröffentlichung als eine Bereicherung des Katalogs ansehen. Ein Zwischenfall während der Live-Aufführung, als eine der 2. Geigerinnen einen Schwächeanfall erlitt und ohnmächtig wurde, hat man aus dem Mitschnitt eleminiert. Hat man das Konzert aber miterlebt, erinnert man sich natürlich trotzdem daran.

Die Ausstattung der CD-Ausgabe ist geschmackvoll illustriert, das Booklet enthält neben den Liedtexten auch zahlreiche weiterführende Informationen und Fotos.

Peter Sommeregger, 15. September 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik- begeistert.at

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