Spätromantische Klänge erwachen zu neuem Leben

CD-Rezension: Hans Rott, Orchestral Works Vol. 1, Gürzenich-Orchester Köln, Christopher Ward

CD-Rezension: Hans Rott, Orchestral Works Vol. 1
Capriccio C 5408

Gürzenich-Orchester Köln
Christopher Ward

von Peter Sommeregger

Der 1858 geborene österreichische Komponist Hans Rott ist beinahe so etwas wie ein Phantom der Musikgeschichte. Lange war von ihm nur eine Einschätzung Gustav Mahlers, seines Studienkollegen und Freundes bekannt, der meinte „Was die Musik an ihm verloren hat, ist gar nicht zu ermessen“.

Als schließlich 1989, gut ein Jahrhundert nach Rotts Tod sein Hauptwerk, die Symphonie Nr. 1 E-Dur endlich uraufgeführt wurde, verbreitete sich der Nachruhm des 25-jährig verstorbenen Komponisten schnell. Seither wurde der schmale Nachlass Rotts nach weiteren, aufführbaren Werken durchforstet. Die Ausbeute ist bis dato gering, der kurzen Lebenszeit des Komponisten geschuldet, fanden sich nur wenige fertiggestellte Kompositionen. Manche Stücke waren nur skizziert, manche unvollständig und mussten erst in eine spielbare Form gebracht werden.

Die nun vorliegende CD bringt mit der Hamlet-Ouvertüre sogar eine Ersteinspielung, darüber hinaus Bruchstücke einer Orchestersuite, ein Vorspiel zu „Julius Caesar“, ein kurzes Orchestervorspiel, Fragmente einer Suite in B sowie das Pastorale Vorspiel F-Dur. Letzteres ist das längste, aber auch reifste Werk dieser Zusammenstellung, das mit einer kunstvoll ausgeführten Fuge schließt. Die anderen Stücke können weniger überzeugen, schließlich blieben sie ja auch Fragment.

Johannes Volker Schmidt zeichnet für die Edition der fragmentarischen Stücke verantwortlich, das Kölner Gürzenich-Orchester unter dem britischen Dirigenten Christopher Ward musiziert höchst engagiert und stilsicher diese spätromantischen Tondichtungen, die trotz aller Kürze und Unvollkommenheit doch das große Potential des Komponisten Hans Rott dokumentieren. Dass der junge Komponist zuerst dem Wahnsinn verfiel und danach auch noch an Tuberkulose erkrankte, der er schließlich 1884 erlag, macht ihn zu einer tragischen Figur der Musikgeschichte.

Die CD als „Volume 1“ bezeichnet, erweckt die Hoffnung, dass mit der Edition weiterer Werke Rotts zu rechnen ist. Man darf gespannt sein!

Peter Sommeregger, 01. Oktober 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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