Spirituelle Tiefe in der Laeiszhalle Hamburg: Der Symphonische Chor Hamburg und der Flensburger Bach-Chor begeistern mit Gounod und Dvořák

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Foto:© Symphonischer Chor Hamburg
Die Darbietung des „Stabat Mater“ begeistert in dem 100 Jahre alten Konzerthaus im Herzen Hamburgs. Chor und Orchester führen dieses emotionale und bewegende Werk mit tiefer Innerlichkeit in elysische Sphären und bringen es zum Abschluss. Nachdem der letzte Ton verklungen ist, geht ein Raunen durchs Publikum. Man ist andächtig, bewegt und beeindruckt im Großen Saal der Laeiszhalle. Mit frenetischem Beifall und Standing Ovations bedankt sich das Publikum für diese großartige Leistung.

Laeiszhalle Hamburg, 18. November 2018
Charles Gounod, Cäcilienmesse
Antonín Dvořák
, Stabat Mater
Symphonischer Chor Hamburg
Flensburger Bach-Chor
Sønderjyllands Symfoniorkester
Leitung: Matthias Janz
Johanna Winkel, Sopran
Wiebke Lehmkuhl, Alt
Sebastian Kohlhepp, Tenor
Wilhelm Schwinghammer, Bass

von Leonie Bünsch

Bis unters Dach gefüllt war der Große Saal der Laeiszhalle Hamburg am Sonntagnachmittag. Teils treue Fans, teils neugierige Erst-Hörer versammelten sich, um den Symphonischen Chor Hamburg und den Flensburger Bach-Chor zu hören, begleitet vom Sønderjyllands Symfoniorkester, geleitet von Matthias Janz. Auf dem Programm standen Charles Gounods „Cäcilienmesse“ sowie Antonín Dvořáks „Stabat Mater“. Zwei tief religiöse Werke im Zwiespalt zwischen traditionsbewusster Einfachheit und zukunftsorientierter symphonischer Monumentalität.

Die „Cäcilienmesse“, der Schutzpatronin der Kirchenmusik gewidmet, ist eines der umfangreichsten kirchenmusikalischen Werke der französischen Musikgeschichte. Die 1855 uraufgeführte Messe verlangt eine sehr üppige Orchesterbesetzung. Gounod vereint darin Gregorianik und Oper. Immer wieder wechselt die Musik zwischen intimer Einfachheit und pompöser Monumentalität. Dabei kommt die Messe überraschenderweise ohne große Chorfugen aus.

Die beiden norddeutschen Chöre und das dänische Sinfonieorchester meistern die Messe hervorragend. Die Qualität des über 162 Köpfe umfassenden Chores zeigt sich schon im „Gloria“, in dem er den Kontrast zwischen sanftem Background um dem mächtigen, glanzvollen „Laudamus“ schön herausarbeitet. Auch im unisono-Beginn des „Credos“ zeigt der Chor einen schön einheitlichen Klang. Lediglich der Sopran hat in den hohen Lagen einige Intonationsschwierigkeiten.

Das Orchester spielt seinen Part ebenfalls ganz fabelhaft. Auch wenn die Einsätze nicht immer ganz exakt zusammen sind, bilden die dänischen Musikerinnen und Musiker einen angenehmen Klangraum, in dem insbesondere die Bläser eine glänzende Leistung darbieten. Das Horn-Solo im „Gloria“ klingt so butterweich, dass man sich in den Ton hineinlegen möchte. In den mächtig-prächtigen Passagen des Werkes aber zeigt sich, dass die Balance zwischen Chor und Orchester nicht ganz ausgewogen ist. Gegen die fortissimo-Klanggewalt des Orchesters kommt selbst die personelle Masse des Chores nicht an.

In Dvořáks „Stabat Mater“ hört sich das schon besser an. Dieses ausgesprochen bewegende wie tragische Werk berührt an diesem Nachmittag zutiefst. Während der Werkgenese starben alle drei Kinder Dvořáks. Dieser an Tragik nicht zu überbietende Umstand sorgte wohl dafür, dass der Komponist sich bestens mit der Mutter Jesu identifizieren konnte, die im „Stabat Mater“ den Tod ihres Sohnes beklagt. Dvořáks Vertonung ist geprägt von Leid und Schmerz, aber auch vom Glauben an die Erlösung und damit verbundener Hoffnung.

Bereits im instrumentalen Vorspiel ist der düstere Charakter des Stückes hörbar, durch den Einsatz des Chores wird der Schmerz noch expressiver dargestellt. Der wunderbar homogene Klang des norddeutschen Chores, auch innerhalb der Stimmgruppen, ermöglicht ein transparentes Zuhören und Heraushören der einzelnen Motive. Insbesondere beim Männerchor und den a-capella-Passagen kann der Chor seine Qualität unter Beweis stellen. Professor Matthias Janz gibt präzise Einsätze, und die Emotionalität, mit der er die Musik erlebt, ist spür- und sichtbar.

Auch die Solisten sind – mit einer Ausnahme – an diesem Nachmittag in Hochform. Nach der Bass-Arie im „Stabat Mater“ haucht es im Publikum nur: „Fantastisch!“ Und das war sie! Wilhelm Schwinghammer beeindruckt durch sein warmes Timbre und die tiefe Ruhe, die er ausstrahlt. Der Tenor Sebastian Kohlhepp kann da locker mithalten. Er singt präzise und ausdrucksstark, aber ohne Affektiertheit.

Auch die Bayreuth- und Royal-Opera-House-erfahrene Mezzosopranistin Wiebke Lehmkuhl berührt mit ihrem weichen, vollen Klang und singt ihre Arie einfach hinreißend! Wunderbar!

Leider kann man das von der (gesundheitlich angeschlagenen, Anmerkung des Herausgebers) Sopranistin Johanna Winkel an diesem Nachmittag nicht behaupten, die mit ihrer Leistung hinter ihren Kolleg/innen zurückbleibt. Beim Singen wirkt sie angestrengt. Ihr Klang ist immer wieder gepresst und schrill, von Unsauberkeiten durchzogen. Bei ihren Amen-Einwürfen zum Schluss des „Stabat Mater“ zucken einige im Publikum zusammen. Ihre Textverständlichkeit ist an diesem Nachmittag verbesserungswürdig.

Insgesamt begeistert die Darbietung des „Stabat Mater“ in dem 100 Jahre alten Konzerthaus im Herzen Hamburgs. Chor und Orchester führen dieses emotionale und bewegende Werk mit tiefer Innerlichkeit in elysische Sphären und bringen es zum Abschluss. Nachdem der letzte Ton verklungen ist, geht ein Raunen durchs Publikum. Man ist andächtig, bewegt und beeindruckt im Großen Saal der Laeiszhalle. Mit frenetischem Beifall und Standing Ovations bedankt sich das Publikum für diese großartige Leistung.

Leonie Bünsch, 19. November 2018, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

2 Gedanken zu „Charles Gounod, Cäcilienmesse, Antonín Dvořák, Stabat Mater, Symphonischer Chor Hamburg Flensburger Bach-Chor, Sønderjyllands Symfoniorkester, Matthias Janz,
Laeiszhalle, Hamburg“

  1. Als aktiv Beteiligter an diesem Abend zwingt mich Ihre Kritik an dieser Stelle einmal Partei für die recht harsch angegriffene Sopranistin Johanna Winkel zu ergreifen. Sie führen zu Recht an, dass Johanna Winkel, die unter anderem in vielen gemeinsamen Aufführungen mit dem Symphonischen Chor Hamburg ihr überragendes Talent unter Beweis gestellt hat, an diesem Abend gesundheitlich angeschlagen war, und dennoch Ihren Auftritt – wie sonst bei Sängern dieser Klasse üblich – nicht abgesagt hat. Meinen Sie nicht, dass es unnötig ist, nach korrekter Angabe der Diagnose, nun genüsslich negativ deren Symptome zu beschreiben? Eigentlich hätte eine nüchterne Feststellung der Umstände gereicht, meine ich. Als Mitglied des Symphonischen Chores Hamburg möchte ich Johanna Winkel danken, dass sie uns nicht im Stich gelassen hat und freue mich auf weitere gemeinsame Projekte mit ihr. Dieses ist meine persönliche Meinung, aber ich bin sicher, dass sie von einer überragenden Mehrheit der Sängerinnen und Sänger, incl. Prof. Janz, geteilt wird. Mit freundlichen Grüßen und einem Dank für die ansonsten verteilten Lorbeeren.
    Dr. Marc Voß

    1. Sehr geehrter Herr Dr. Marc Voß,
      vielen Dank für Ihren Kommentar zu der absolut unpassenden Kritik der Blogschreiberin zu Johanna Winkel: als begeisterter Zuhörer (und passives Mitglied) des Symphonischen Chores stimme ich 100%ig zu!
      Stefan Schulz

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