Der Schlauberger 48: Uschi, es ist zum Heulen – mal was zum Lachen

Der Schlauberger 48: Uschi, es ist zum Heulen – Mal was zum Lachen

Marianne Rosenberg (2018), Foto: von Sven Mandel, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73777439

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

von Reinhard Berger

Die Zeit, als der Fußballspieler von „meiner Uschi“ sprach, ist gottlob vorbei. Sie gehört ihm nicht, also ist es auch nicht seine. In einer Zeitungskolumne hat ein Kollege das besitzanzeigende Fürwort in den Schwitzkasten genommen und ein erschütterndes Genderproblem ans Licht gezerrt.

Die Sache ist doch ganz einfach: Meine Nanne ist nicht mehr meine Nanne und ich bin nicht mehr ihr Berger, wie sie immer so schön sagt. Was ist daran so verkehrt? Gar nichts. Sie gehört nicht mir, und ich gehöre nicht ihr. Basta.

„Guten Tag, darf ich Ihnen meine Frau vorstellen?“ Was ist denn das für eine verstaubte Formulierung? Ja, wo leben wir denn? Das ist gar nicht meine Frau und erst recht nicht – noch viel blöder – die Frau an meiner Seite. Auch wenn sie gerade neben mir steht.

So ist es korrekt:

„Guten Tag. Ich heiße Berger, und diese Frau, die hier neben mir steht, heißt auch Berger. Wir sind miteinander verheiratet und leben in einem Haushalt.“ Könnte ja, dem Namen nach, auch meine Schwester oder Tochter sein.

Und was genauso wenig geht, ist: „Darf ich Ihnen meinen Sohn vorstellen?“ Da haben wir’s schon wieder. Mein Sohn. Korrekt ist: „Darf ich Ihnen diesen Mann vorstellen, der auch Berger heißt und der aus der Ehe zwischen mir und dieser Frau, die hier neben mir steht und ebenfalls Berger heißt und mit mir verheiratet ist und in einem Haushalt lebt, zwecks Fortpflanzung hervorgegangen ist?“

Marianne Rosenberg war ihrer Zeit weit voraus, als sie 1975 sang: „Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür.“ Eine weitsichtige Umschreibung eines bekannten Zustands.

Achtung, gemeine Fallen! Heute: Klogeschichte am Abend

Am besten, Sie lesen diese Kolumne morgens. Von mir aus auch am Morgen. Da sind Sie vielleicht noch fit für die Finessen unserer Sprache.

Ich kam durch diese Zeitungsmeldung über Vandalismus in einem öffentlichen WC darauf: „Die Tat ereignete sich abends vor 20 Uhr“, hieß es darin. Und sofort hat’s bei mir geklingelt. Erstens: Abends vor 20 Uhr ist doppelt gemoppelt. 20 Uhr ist IMMER abends. 20 Uhr morgens? Quatsch. Das ist 8 Uhr. Kennen Sie den Film „Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung“? Klasse. Aber sprachlich ein weißer Schimmel.

Zweitens: Die Tat ereignete sich abends, heißt: an mehreren Abenden. Gemeint ist aber ein bestimmter Abend, also am Abend.

Da windet sich sogar der Duden und lässt, wie so oft, alle Möglichkeiten offen. Der Schreibtrainer der Uni Duisburg-Essen hat mehr Mut mit diesem Beispiel: „Frau X ist montags nicht in der Firma.“ Gemeint ist jeden Montag. Sonst müsste es heißen: „… ist am Montag …“ (an einem bestimmten Montag).

Ist denn das so schwer?

Reinhard Berger, 16. Mai 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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Reinhard Berger

Allerleikeiten: Reinhard Berger, geboren 1951 in Kassel, Journalist, Buchautor, Hunde- und Hirnbesitzer.
Vergänglichkeiten: Vor dem Ruhestand leitender Redakteur der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA).
Herzlichkeiten: verheiratet, zwei Söhne, zwei Schwiegertöchter, drei Enkel, ein Rottweiler.
Anhänglichkeiten: Bach, Beethoven, Bergers Nanne (Ehefrau).
Auffälligkeiten: Vorliebe für Loriot, Nietzsche, Fußball, Steinwayflügel, Harley-Davidson.
Öffentlichkeiten: Schlauberger-Satireshow, Kleinkunstbühne.
Alltäglichkeiten: Lebt auf einem ehemaligen Bauernhof.


www.facebook.com/derschlauberger

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