Viel Applaus für einen Abend mit Feuerwerk

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Peter Ruzicka, Sarah Maria Sun,  Elbphilharmonie

Foto: C. Höhne (c)
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Dirigent: Peter Ruzicka
Sopran: Sarah Maria Sun
Franz Schubert, Fantasie f-Moll für Klavier zu vier Händen D 940 (1828)
Bearbeitung für Orchester: Rolf Liebermann (1996)
Peter Ruzicka, Mnemosyne/ Erinnerung und Vergessen für Sopran, 18 Streicher und Schlagzeug (2016/ Uraufführung)
Gustav Mahler,Sinfonie Nr. 4 G-Dur (1899-1901)
Bearbeitung für Kammerensemble: Erwin Stein (1921)

Elbphilharmonie, 6. Mai 2017

von Bianca Heitzer

Ein Dirigent, der die Uraufführung seines eigenen Werkes dirigiert, eine Sopranistin, die kurzfristig einspringt, viel Trubel um den Hafengeburtstag und am Ende ein großes Feuerwerk – dieser Konzertabend in der Elbphilharmonie sollte ein Abend voller Überraschungen werden.

Zunächst präsentierte Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Peter Ruzicka eine Bearbeitung von Schuberts Fantasie f-Moll. Rolf Liebermann hatte diese Klaviersinfonie zu vier Händen 1996 in eine Fassung für Orchester umgewandelt, ohne dabei jedoch den Charakter des Stücks aus den Augen zu verlieren.

Klangvoll und sehr weich leiteten die Holzbläser das Allegro molto moderato ein. Aus den schwermütigen Klagelauten der Streicher führten das Fagott und die Oboe souverän heraus, hin zu einem heiteren, tänzerischen Motiv. Heiterkeit und Melancholie, Schönheit und tiefe Traurigkeit – diese Gegensätze stehen sich in Schuberts Werk stets gegenüber, wobei die Übergänge und Grenzen fließend sind. Der erste Fagottist der Kammerphilharmonie brillierte von Beginn an mit präzisem Spiel und elegischen, warmen Tönen; allerdings hätte man sich manchmal vom Orchester insgesamt etwas mehr Differenziertheit und musikalische Transparenz gewünscht.

Mit viel Spannung erwarteten die Zuhörer dann das darauffolgende Stück: Mnemosyne/ Erinnerung und Vergessen für Sopran, 18 Streicher und Schlagzeug, komponiert vom Dirigenten persönlich: Peter Ruzicka. In Anlehnung an Friedrich Hölderlins Hymne Mnemosyne verwendete Ruzicka Textfragmente aus dessen Werk und verwob diese zusammen mit härteren, schrofferen Elementen zu einem flirrenden Klangteppich.

Anna Prohaska, die eigentlich den Sopranpart an diesem Abend hätte übernehmen sollen, musste krankheitsbedingt absagen, stattdessen konnte kurzfristig Sarah Maria Sun gewonnen werden. Die Sopranistin, deren Repertoire von Liedern und Oratorien bis hin zu zahlreichen Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts reicht, meisterte diese anspruchsvolle Aufgabe großartig. Kühne Intervallsprünge, Phrasen, die ins Nichts verklingen und immer wieder gesprochene Passagen – Ruzicka verlangt seiner Sängerin wirklich einiges ab. Auch die Streicher mussten sich durch ein Dickicht an harmonischen Herausforderungen und rasanten Läufen kämpfen.

Für prägnante Impulse im musikalischen Durcheinander sorgten dabei immer wieder die beiden Herren am Schlagwerk: Stefan Rapp und Raúl Camarasa. Durch unerwartete, interessante Geräusch- und Klangmomente fühlte man sich manchmal gar in eine Hetzjagd à la Alfred Hitchcock versetzt. Trotz dieser tollen, spannenden Elemente weist Ruzickas Mnemosyne auch lange Streicherpassagen auf, in denen kaum neue Motive erscheinen, was leider an diesem Abend für Ungeduld und Unruhe im Publikum sorgte.

Mit frischer Konzentration dann nach der Pause der Schlusspunkt des Abends: Erwin Steins Bearbeitung von Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4 G-Dur. In ganz kleiner Besetzung spielte das Kammerensemble träumerisch schwebend und die musikalischen Scherze voll auskostend – jeder Orchestermusiker freut sich zwischendurch darüber, auch einmal ganz Solist sein zu können. Mit viel Applaus für alle Beteiligten und den letzten Minuten des Feuerwerks endete dieser Abend voller Überraschungen in der Elbphilharmonie.

Bianca Heitzer, 8. Mai 2017 für
klassik-begeistert.de

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