DVD-Rezension: Im Garten der verwirrten Gefühle

DVD-Rezension: Wolfgang Amadeus Mozart, „La finta giardiniera“  klassik-begeistert.de

Wolfgang Amadeus Mozart
La finta giardiniera
Orchestra del Teatro alla Scala
Diego Fasolis
Naxos 2.110689-90

von Peter Sommeregger

Mozarts 1774 für München komponierte Opera buffa „La finta giardiniera“ ist bereits ein reifes Werk des 18-jährigen Komponisten. Das italienische Libretto wurde später ins Deutsche übersetzt, als „Gärtnerin aus Liebe“ hatte das Werk 1780 seine Erstaufführung.

Die vorliegende DVD zeigt eine Inszenierung von Frederic Wake-Walker, die bereits 2014 in Glyndebourne ihre Premiere hatte, 2018 dann an die Scala di Milano übernommen wurde. In Bühnenbildern und Kostümen von Antony McDonald wird dieses halbernste Verwirrspiel um drei Liebespaare, die sich erst nach zahlreichen Irrwegen finden auf die Bühne gebracht. Wake-Walker lässt die gesamten drei Stunden Spieldauer das Ensemble im Stile der Commedia dell’arte agieren, die Figuren bewegen sich wie Marionetten und erstarren zeitweise in der Bewegung. Das ist ein origineller Ansatz, der allerdings über die doch lange Dauer der Aufführung ermüdend wirkt. Eine weniger gute Idee verlangt allen Protagonisten im Laufe der Handlung einen Striptease ab, der jeweils recht unmotiviert erfolgt und ein wenig peinlich wirkt. Auch die Zerstörung des (stimmungsvollen) Bühnenbildes durch die Sänger gegen Ende der Aufführung wirkt aufgesetzt und deplatziert.

Mozarts Musik wechselt zwischen zwei Stilen, buffonesken Arien und solchen, die stilistisch schon eher auf die opera seria verweisen. Es ist bewunderungswürdig, wie differenziert der junge Komponist diese stilistischen Unterschiede zu einem Ganzen zusammenfügt.

Die Sängerbesetzung der Aufführung kommt ohne große Namen aus, führt aber trotzdem ein stimmiges Ensemble zusammen. Krešimir Špicer als Podestà, Giulia Semenzato als Serpetta, Mattia Olivieri als Nardo gelingen stimmige Rollenporträts. In der Hosenrolle des Ramiro kann Lucia Cirillo mit einem etwas trockenen Mezzosopran weniger überzeugen, das gilt auch für die makellos singende Julie Martin du Theil als Titelfigur Sandrina, die als Figur doch recht hölzern wirkt und wenig begeistert. Bernard Richter als Belfiore bringt einen kultivierten Mozart-Tenor mit und ist auch im Spiel temperamentvoll. Den stärksten Eindruck hinterlässt Anett Fritsch als Arminda. Ihr gelingt es als Einziger, ihrer Interpretation Feuer und Temperament zu verleihen. Diego Fasolis, ausgewiesener Spezialist für Barockmusik, bereitet den Sängern mit dem Orchester der Scala einen Klangteppich, auf dem sie sich sicher fühlen können. Eine solide Aufführung, der es nur ein wenig an Pfeffer fehlt.

Peter Sommeregger, 27. August 2021,
für klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

 

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