Elsa Dreisig ist an der Staatsoper Unter den Linden eine Sensation

Engelbert Humperdinck, Hänsel und Gretel,  Staatsoper Unter den Linden

Foto: Monika Rittershaus (c)
Engelbert Humperdinck, Hänsel und Gretel
Staatsoper Unter den Linden
, Berlin, 8. Dezember 2017
Sebastian Weigle Dirigent
Achim Freyer Inszenierung, Bühne, Kostüme
Roman Trekel Peter
Marina Prudenskaya Gertrud
Stephan Rügamer Die Knusperhexe
Katrin Wundsam Hänsel
Elsa Dreisig Gretel

von Yehya Alazem

Das Märchenspiel „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, das seine Uraufführung am 23. Dezember 1893 am Hoftheater Weimar feierte, ist eine Oper für ALLE. Egal ob man fünf, 50 oder 95 Jahre alt ist: diese Oper bietet höchsten Genuss und passt in die Weihnachtszeit wie kaum ein anderes Werk.

Am Premierenabend am Freitag bestand das Publikum Unter den Linden in Berlin hauptsächlich aus Eltern und Kindern. Die Erwartungen schienen hoch zu sein. Eine Premiere ist ja immer spannend, aber für viele im Publikum war das der erste Abend, an dem sie die Kunstform Oper zum ersten Mal erleben durften. Achim Freyer hat mit seiner Inszenierung die Kinder komplett begeistert.

Wir befinden uns in einem märchenhaften Kinderzimmer. Die schwarzen Wände sind mit Monden und Sternen bemalt, und von der Decke hängt eine Spiegelkugel. Während des Vorspiels und anderer Zwischenspiele tauchen verschiedene Tiere wie Katze, Ratte, Kaninchen auf der Bühne auf, und eine Spindel wird von oben nach unten gezogen.

Das Ganze wirkt wie ein Puppentheater in großem Format. Das Bühnenbild und das szenische Geschehen sind charmant, aber leider allzu eintönig – im Wald oder zu Hause, alles ist gleich. In den Zwischenspielen gibt es keine Kompatibilität zwischen Bühne und Musik. Alles endet mit einem großen Tiermaskenball.

Die Kostüme der Hauptfiguren sind äußerst außergewöhnlich. Hänsel und Gretel haben gigantische Köpfe, die den Gesang nicht beeinflussen – die Stimmen kommen durch ohne gedämpft zu werden. Gretel trägt ein blaues Kleid mit weißen Tupfen und einem großem „G“. Auf ihrer Stirn hat sie eine große blaue Fliege. Hänsel trägt ein grünes T-Shirt mit einem rotem „H“ und eine gelbe Hose, auf dem Kopf hat er eine gelbe Kappe und einen grünen Hahnenkamm.

Die Mutter Gertrud scheint mit ihrem roten, schwarzgetupften Kleid und ihrem weißgemalten Gesicht eine Clownin zu sein, der Vater Peter ist ein Bauer, der überdimensionierte bunte Kleidung trägt. Die Hexe, die in dieser Inszenierung von einem Tenor gesungen wird, ist eine total komische Figur. Die Augen, der Mund und die Zähne sind Süßigkeiten, die Nase ist ein großer Finger mit rotgemaltem Nagel, und auf dem Kopf trägt sie eine riesige Teetasse.

Die Staatskapelle Berlin unter dem deutschen Dirigenten Sebastian Weigle fängt ein wenig gedämpft an, erhebt sich aber schnell danach und bietet ein energisches, transparentes Spiel an. Besonders brillieren die Holzbläser und die Streicher, die wunderschöne Klänge liefern.

Die russische Mezzosopranistin Marina Prudenskaya singt eine charakterstarke Gertrud mit einem tiefen, dunklen Klang, aber ihr Gesang ist für eine solche Oper zu dramatisch. Roman Trekel als ihr Ehemann Peter singt wie ein Heldenbariton, das passt nicht. Seine szenische Darstellung ist großartig. Stephan Rügamer stellt eine überzeugende Hexe dar und singt mit Ausdruckskraft und Charakter.

Für Hänsel und Gretel hat man zwei Traumbesetzungen, die ein energie- und lustvolles Zusammenspiel bieten und die stimmlich schön kontrastieren. Die Oberösterreicherin Katrin Wundsam hat eine schöne, expansive Mezzostimme mit einem tiefen, runden Klang, der zu dieser Hosenrolle perfekt passt. Auch szenisch stellt sie Hänsel auf wunderbare, unschuldsvolle Art und Weise dar.

Die französische Sopranistin Elsa Dreisig, die 2016 den ersten Preis beim „Operalia“-Wettbewerb von Placido Domingo gewonnen hat, ist als Gretel eine Sensation! Sie besitzt eine warme, sympathische Stimme und eine hervorragende Technik mit einem bezaubernden Vibrato und liefert eine Leistung der höchsten Weltklasse, die man sich von einer 26 Jahre alten Sängerin nicht erwartet. Die neue Gundola Janowitz ist geboren!

Nach dem Ende der Vorstellung waren ein Großteil des Publikums, insbesondere die Kinder, restlos begeistert . Es gab viel Jubel aber auch einige Buhrufe wie an jedem Premierenabend.

Yehya Alazem, 10. Dezember 2017, für
klassik-begeistert.de

Foto: Monika Rittershaus

 

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