Brittens War Requiem in Berlin: Mahnung in unruhigen Zeiten

Foto: Marcus Ebener (c)
Staatsoper Unter den Linden, Berlin,
26. Juni 2018
Abonnement-Konzert VIII
Benjamin Britten, War Requiem

von Peter Sommeregger

Als Schluss-und Höhepunkt ihrer diesjährigen Abonnements-Konzerte hatte die Staatskapelle Berlin das War Requiem op. 66 von Benjamin Britten gewählt. Das 1962 für die Einweihung des Neubaus der Kathedrale von Coventry geschaffene Opus ist wie wenige Werke der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in das Standard-Programm großer Orchester und Chöre aufgenommen. „Benjamin Britten, War Requiem,
Staatsoper Unter den Linden, Berlin“
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Staatsoper Berlin: Placido Domingo in ganz großer Form

Foto: Bernd Uhlig (c)
Staatsoper Unter den Linden, Berlin,
21. Juni 2018
Giuseppe Verdi, MACBETH

von Dr. Ingobert Waltenberger (Neuer Merker)

Gespielt wird Macbeth in der Pariser Fassung 1865 (allerdings ohne Ballett) in italienischer Sprache mit dem Florentiner Schluss ohne Chor nach der ersten Fassung 1847.

Inszeniert hat Altmeister Harry Kupfer in Bühnenbildern vom langjährigen künstlerischen Weggefährten Hans Schavernoch. Das Publikum soll den Eindruck bekommen, das Stück spielt in einer modernen Welt, in einer Welt, die an Diktaturen in Südamerika der 60-er oder 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts erinnern soll. Aber natürlich handelt es sich um ein Gleichnis. Es ist eine konventionelle Inszenierung mit sparsamer Personenführung geworden. Die Arrangements könnten auch vor dreißig Jahren so ausgesehen haben, wenn da nicht teils spektakuläre Videos (Thomas Reimer) den Bühnenhintergrund beleuchten würden. Sie stellen Kriegsszenen mit brennenden Städten,  Ruinen aus dem schottischen Mittelalter und dem England des 17. Jahrhunderts, aber auch gewaltige Naturszenen, wie Gewitter, Vulkanausbrüche, Waldbrände oder gebirgige Winterlandschaften dar. Der Wechsel zwischen Innen und Außen wird entsprechend der neuen Bühnentechnik mit Hubpodien bewerkstelligt. Abwechselnd gibt es düstere Natur und nächtliche Städte zu sehen bzw. eine schicke anthrazitgrau marmorne Neureichenbehausung mit weißer Ledergarnitur à la Chesterfield. Darin tummeln  sich die Personen des Stücks ein wenig unbeholfen und harmlos. „Giuseppe Verdi, MACBETH, Anna Netrebko, Placido Domingo,
Staatsoper Unter den Linden, Berlin“
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Anna Netrebko in Berlin: Die Lady ist eine Wucht!

Foto: Bernd Uhlig (c)
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 17. Juni 2018
Giuseppe Verdi, Macbeth

von Kirsten Liese

Es ist die richtige Oper zur richtigen Zeit. Mitten hinein in ein politisches Beben, wo die Regierungsparteien kurz vor einem Zerwürfnis stehen, bringen Daniel Barenboim und Harry Kupfer an der Berliner Staatsoper Verdis „Macbeth“. In dem schottischen Königsdrama geht es um all das, was die Gemüter gerade erhitzt: unerschütterliche Machtbesessenheit,  die Beseitigung von Gegnern und die Unterdrückung einer ganzen Nation. „Dieses Land ist eine Mördergrube geworden“, heißt es da, es ist viel von verlorener Heimat die Rede. Gesundheitsminister Jens Spahn, Merkels größter Widersacher, der trotz paralleler Krisensitzung im Kanzleramt neben Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zugegen war, dürfte so manche Textzeile aus der Seele gesprochen haben. „Giuseppe Verdi, Macbeth,
Staatsoper Unter den Linden“
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Im Gemälde gefangen:
„Pelléas et Mélisande“ in der Staatsoper Berlin

Foto: Tatjana Dachsel (c)
Claude Débussy, Pelléas et Mélisande, Staatsoper Unter den Linden,
Berlin, 14. Juni 2018

Daniel Barenboim, Musikalische Leitung
Ruth Berghaus, Inszenierung
Hartmut Meyer, Bühnenbild, Kostüme
Raymond Hughes, Chor
Wolfgang Schöne, Arkel
Anna Larsson, Geneviève
Rolando Villazón, Pelléas
Michael Volle, Golaud
Marianne Crebassa, Mélisande
Solist des Tölzer Knabenchors, Yniold
Dominic Barberi, Arzt, Hirte
Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin

 von Gabriel Pech

Eine tiefe Melancholie erfüllt den Saal, wenn Claude Débussys „Pelléas et Mélisande“ erklingt. Die Bühne der Staatsoper Berlin malt ein impressionistisches Gemälde, in dem sich die Charaktere verfangen. Ein Entrinnen aus dem immer gleichen Zustand scheint unmöglich, einzig Mélisande ist fleischgewordener Hoffnungsschimmer. „Claude Débussy, Pelléas et Mélisande, Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 14. Juni 2018“ weiterlesen

"Tosca" in Berlin: Simone Young ist ein Gewinn am Pult der Staatskapelle Berlin

Foto: Berthold Fabricius (c)
Staatsoper Unter den Linden
, 7. Juni 2018
Giacomo Puccini, Tosca

von Martin Schüttö

Die Schauplätze der Tosca versprühen ein römisches Lokalkolorit, das bis in unsere Zeit nachvollziehbar bleibt. Die Kirche Sant’Andrea della Valle, in der uns der Maler Mario Cavaradossi und seine eifersüchtige Floria Tosca gegenübertreten, der Palazzo Farnese, in dem Scarpia residiert und Gefangene verhört, und schließlich die Engelsburg – Ende des 18. Jahrhunderts ein Staatsgefängnis und die Kulisse für das Ende der beiden Liebenden aus der barocken Kirchenszenerie vom Beginn. Die Voraussetzungen sind bekannt, und Alvis Hermanis scheut sich für seine Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden nicht, mit den bekannten Kulissen zu arbeiten. „Giacomo Puccini, Tosca,
Staatsoper Unter den Linden“
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Star-Alarm auf dem Bebelplatz: „Staatsoper für alle“ am 16. und 17. Juni 2018 in Berlin

Foto: Michael Pöhn (c)
„Staatsoper für alle“, Staatsoper Unter den Linden, Berlin

 von Gabriel Pech

„Viele freuen sich, dass es etwas anderes gibt als Fußball!“ So bewirbt Matthias Schulz, neuer Intendant der Staatsoper Berlin, das Event „Staatsoper für alle“ am 17. Juni. Daniel Barenboim ergänzt: „…und anders als beim Fußball gibt es niemanden, der gegen uns spielt!“ „„Staatsoper für alle“, Staatsoper Unter den Linden, Berlin“ weiterlesen

Klangreiches Farbspiel mit psychologischer Tiefe – "Pelléas et Mélisande" in Berlin

Foto: (c) http://rolandovillazon.com / Centre Stage Artist Management
Staatsoper Unter den Linden
, Berlin, 31. Mai 2018
Claude Debussy, PELLÉAS ET MÉLISANDE

Musikalische Leitung Daniel Barenboim
Inszenierung Ruth Berghaus
Bühnenbild, Kostüm Hartmut Meyer
Arkel Wolfgang Schöne
Pelléas Rolando Villazón
Golaud Michael Volle
Mélisande Marianne Crebassa
Geneviève Anna Larsson
Arzt, Hirte Dominic Barberi
Yniold Solist des Tölzer Knabenchors
Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin

von Martin Schüttö

Ankündigungen vor der Vorstellung sind selten ein gutes Omen. Doch an diesem Abend in der Staatsoper Unter den Linden gab es keine erkrankten Sänger, sondern eine kaputte Drehscheibe. Die händisch rotierenden Bühnenarbeiter, die dem Publikum versprochen wurden, konnte man aber nicht sehen und überdies präsentierte sich die Inszenierung von Ruth Berghaus aus dem Jahre 1991 erstaunlich frisch. Das symbolistische Spiel mit Licht und Farbe eröffnete einen halb abstrakten, halb träumerischen Bühnenraum, dessen Konzept über den ganzen Abend tragen sollte. „Claude Debussy, PELLÉAS ET MÉLISANDE,
Staatsoper Unter den Linden, Berlin“
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Eine großartig verrückte Tosca in Berlin  

Fotos © Hermann und Clärchen Baus
Staatsoper Unter den Linden
, Berlin, 2. Juni 2018
Giacomo Puccini, Tosca

von Sarah Schnoor

Tosca. Egal wie oft man diese Oper hört, sie ist immer wieder spannend. Das opernübliche Paar – Sopran und Tenor – tritt auf und steht einem der bösesten Figuren der Oper gegenüber, Baron Scarpia. Hinterhältig, machthungrig und eigentlich ungeliebt giert er mit den gröbsten Mitteln nach der Sängerin Tosca. „Giacomo Puccini, Tosca,
Staatsoper Unter den Linden“
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"La Traviata" in Berlin – zum Weinen schön!

Foto: Bernd Uhlig (c)
Staatsoper Unter den Linden
, Berlin, 1. Juni 2018
Giuseppe Verdi, La Traviata

von Sarah Schnoor

Die Liebe verklärt jedes Leid. Ist das überhaupt Liebe? Zumindest für Verdi schien es Liebe und nicht Obsession und Besitzanspruch zu sein, was Alfredo für seine schwer kranke Violetta fühlt und andersrum.

Schon mit den ersten Tönen entführt die Staatskapelle Berlin das von der heißen Sommerluft noch schwitzende Publikum in die Traumwelt der Oper. Unter der Leitung von Domingo Hindoyan spielt sie herrlich fein, präzise und phrasiert wunderbar. Großartig berührende Solopartien spielen besonders die Holzbläser, allen voran der Soloklarinettist (Matthias Glander). Ob Tanz- oder Trauermusik, ob Begleitung oder Orchesterpart: Mit der Staatskapelle macht Verdi Freude, musikalisch ganz groß! „Giuseppe Verdi, La Traviata,
Staatsoper Unter den Linden“
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Staatsoper Berlin: Rolando Villazon bekommt Buh-Rufe in "Pelléas et Mélisande"

Foto: (c) http://rolandovillazon.com / Centre Stage Artist Management
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 27. Mai 2018
Claude Debussy, PELLÉAS ET MÉLISANDE

von Peter Sommeregger

Die Wiederaufnahme der legendären Ruth-Berghaus-Inszenierung an diesem schwül-feuchten Maisonntag stand unter keinem allzu glücklichen Stern. Dabei hatte die Staatsoper Unter den Linden ihren Generalmusikdirektor sowie eine höchst prominente Besetzung für die Hauptpartien aufgeboten. „Claude Debussy, PELLÉAS ET MÉLISANDE,
Staatsoper Unter den Linden, Berlin“
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