René Pape – Selbstzerstörung eines Weltstars

Foto: Staatsoper-Berlin.de

von Peter Sommeregger

Drum singe, wem Gesang gegeben“- so sagt ein altes Sprichwort. Es ist Sängern, selbst solchen der ersten Garnitur, nicht gleichzeitig die Gabe der klugen Rede gegeben. Das muss man leider immer wieder feststellen, aktuell blamiert sich gerade der Superstar Anna N. mit widersprüchlichen Aussagen zum Krieg in der Ukraine und zu Putin, dessen Schoßhündchen sie seit Beginn ihrer Karriere war.

Noch grotesker mutet die aktuelle Aufregung um den Bassisten René Pape an, der ohne Not bei facebook seinen Rückzug von der New Yorker Met bekannt gibt, weil er deren Würdigung der LGTB-Community* nicht akzeptieren kann. Diese fragwürdige Aussage verbindet er noch mit abfälligen Bemerkungen über queere Menschen. Pape scheint nicht bewusst zu sein, dass gerade die von ihm deutlich beleidigten Menschen mit die glühendsten Fans und treuesten Besucher der Oper sind. Pape ist mit seinen Äußerungen völlig aus der Zeit gefallen, erstaunlich genug für einen Mann von erst 57 Jahren, der in der ganzen Welt zuhause ist. „René Pape: Selbstzerstörung eines Weltstars
klassik-begeistert.de 7. Juli 2022“
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Berliner Staatskapelle: Eine neue Beziehung kündigt sich vielversprechend an!

Christian Thielemann: © Matthias Creutziger

Staatsoper Unter den Linden, 28. Juni 2022

Richard Wagner: Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde“

Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7 E-Dur

Berliner Staatskapelle
Christian Thielemann, Dirigent

Christian Thielemann übernahm für Herbert Blomstedt

von Kirsten Liese

Dieses Konzert wird Geschichte schreiben. Vielleicht als dasjenige, mit dem der Grundstein für eine neue Partnerschaft gelegt wurde, die man sich nie hätte träumen lassen.

Aber der Reihe nach. Herbert Blomstedt, der die letzten Abonnementkonzerte dieser Saison mit der Berliner Staatskapelle leiten sollte, stürzte am Tag vor der Generalprobe unglücklich, so dass er ins Krankenhaus kam. Für ihn übernahm – und hier wird es pikant – Christian Thielemann. Die beiden Abende waren seine ersten mit diesem Orchester überhaupt.

Auch wenn öffentlich nicht ein schlechtes Wort gefallen ist, eine gewisse Rivalität existierte zwischen Barenboim und Thielemann natürlich  über viele Jahre, zumal beide Giganten dieselben Repertoire-Vorlieben teilen. 2004 verließ Thielemann bekanntlich die Deutsche Oper Berlin,  weil er  nicht hinnehmen wollte, dass sein Orchester tarifvertraglich schlechter gestellt wurde als Barenboims Staatskapelle. Das hätte jeder andere Spitzendirigent wohl genauso gemacht. Aber das sind alte Kamellen, so dass es Zeit wurde, darunter mal einen Schlussstrich zu ziehen. Jedenfalls dirigierte Thielemann jetzt  sozusagen das  „Konkurrenz“-Orchester. Und das ließ sich mit nur einer Probe so phänomenal gut an, dass man meinen könnte, da sei schon über lange Zeiträume etwas zusammengewachsen, was zusammengehört. „Berliner Staatskapelle Christian Thielemann, Dirigent
Staatsoper Unter den Linden, 28. Juni 2022“
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Elektra in der Lindenoper: So singt man die Hamburger Konkurrenz in Grund und Boden!

Foto: Vida Miknevičiūtė © Marius Vepsta design

Ein furchterregendes Agamemnon-Motiv, schon beginnt der fesselnde Strudel des Richard Strauss-Krimis. Keine einzige Rolle war unterbesetzt, bei Strauss eine wahre Herausforderung. Aus dem Graben kamen ordentlich krachende Klänge, die Aufführung war ein Sog von Anfang bis Ende!  

Staatsoper Unter den Linden, 19. Juni 2022

Elektra
Musik von Richard Strauss
Libretto von Hugo von Hofmannsthal

von Johannes Karl Fischer

An dieser Sängerin sollte sich alle Strauss-Sopranistinnen ein Beispiel nehmen. Vida Miknevičiūtė (Chrysothemis) war die unangefochtene Siegerin dieses Sängerkampfes, den Strauss zu Noten gebracht hat! Ihr bissiger Sopran schlug sich durch jeden noch so überwältigen Orchester-Klang durch, das konnte selbst Asmik Grigorian in Salzburg letztes Jahr nicht überbieten.

Das alles, nachdem (Elektra) in ihrem ersten Monolog „Allein! Weh, ganz allein“ mit ihrer ebenfalls kraftvollen, wenn auch etwas runderen Stimme die Ohren im Saal wie ein Orkan auf die Bühne gesaugt hat. Eine Mammut-Aufgabe, das zu toppen, sie stand auf der Bühne und war der unangefochtene Star dieser Szene. Besser könnte man die beiden Schwestern wohl kaum besetzen.  Am Ende die Morde, danach nochmal Chrysothemis’ „Orest! Orest!“, genauso furchterregend wie die fortissimo Pauken und Blechbläser am Anfang. Wie Elektra eben sein muss.

Ricarda Merbeth © Mirko Jörg Kellner

Waltraud Meier war für die Mutter der beiden Töchter mehr als eine Idealbesetzung. 1983 hat sie in Bayreuth als Kundry debütiert, auch ihre Isolde war legendär. Die stimmezerstörenden Wagner-Partien hat sie zum richtigen Zeitpunkt hinter sich gelassen und sich nun als Königin der Klytämnestras gekrönt. Dass sie im tiefen Register stark geglänzt hat, gab der Rolle der bösartigen Mutter eine passende, dämonische Färbung.

Foto: Waltraud Meier, © Monika Rittershaus

René Pape sang den Orest wie ein Göttervater. Seinen mächtigen Bass mit glasklarer Textverständlichkeit macht ihm im Moment keiner nach. Donnernd begann er die erste Zeile „Ich muss hier warten“ – man wusste kaum, ob das ein Gott oder ein Mensch sein sollte. Erst, als er sich seiner wahren Identität entpuppt „Die Hunde auf dem Hof erkennen mich“ wird klar, wen er eigentlich spielen soll. Dieser Sänger wäre die Idealbesetzung für den Wotan! Nur Schauspielern scheint nicht seine Stärke zu sein; über weite Strecken hätte man denken können, er sänge konzertant im Kostüm.  „Richard Strauss, Elektra,
Staatsoper Unter den Linden, 19. Juni 2022“
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„Turandot“ unter den Linden: Zubin Mehta bringt das Haus zum Kochen

Foto: Yusif Eyvazov (Calaf) und der Staatsopernchor, © Matthias Baus

Staatsoper Unter den Linden, Berlin
Premiere am 18. Juni 2022

Giacomo Puccini
Turandot

Staatskapelle Berlin
Zubin Mehta, Dirigent

von Peter Sommeregger

Diese Premiere fiel auf den bisher heißesten Tag des Jahres 2022. Dass die gefühlte Temperatur in dem gut klimatisierten Opernhaus ebenfalls Rekordwerte erreichte, lag aber am  Dirigenten, dem Altmeister Zubin Mehta. Vom ersten Takt an stellte er seine Kompetenz in Sachen Puccini, und speziell Turandot, unter Beweis und führte Chor, Orchester und Solisten mit sicherer Hand durch diese komplizierte Partitur.

Turandot ist eine ausgesprochene Chor-Oper, was diesem den ganzen Abend abverlangt wird, gelingt dem Staatsopernchor aber souverän und trägt damit wesentlich zum Gelingen dieser Aufführung bei. Auch die Staatskapelle zeigt sich unter Mehta in Bestform. Zeitweise wird es zwar sehr laut, aber das ist in dem Werk so angelegt. „Giacomo Puccini,Turandot
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 18. Juni 2022 PREMIERE“
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John Cranko schuf mit seiner Onegin-Choreographie ein wohl unsterbliches Ballett

Das Ensemble tanzte erstklassig, einschließlich der berühmten diagonalen Grand jetés der Damen, geführt an den Händen der Herren des Balletts. Die beiden großen Pas de deux im zweiten und im letzten Bild wurden dank Polina Semionova, die von Alexei Orlenco gut gepartnert wurde, zum Höhepunkt der Aufführung.

Das Onegin Ensemble beim Schlussbeifall: Yevgeniy Khissamutdinov (Gremin), Polina Semionova (Tatjana), Alexei Orlenco (Onegin), Alizée Sicre (Olga), Alexander Bird (Lenski) (Foto: RW)

Staatsoper Unter den Linden, 20. Mai 2022

Peter I. Tschaikowsky
ONEGIN

Ballett von John Cranko nach dem Versroman von Alexander S. Puschkin
Musik von Peter I. Tschaikowsky (eingerichtet und arrangiert von Kurt-Heinz Stolze)

 

Staatsballett Berlin
Staatskapelle Berlin
Ido Arad, Dirigent

von Dr. Ralf Wegner

John Cranko schuf mit seiner Onegin-Choreographie auf Puschkins Versroman ein wohl unsterbliches Ballett, in dem sich ein junges Mädchen vom Lande unglücklich in einen Nachbarn verliebt. Bei diesem Nachbarn handelt es sich um den dandyhaft auftretenden, des Lebens offenbar bereits überdrüssigen, reichen Eugen Onegin, der vor kurzem sein Landerbe angetreten hat. Der Dorfklatsch verkuppelt ihn mit der stillen Tatjana Larina, deren Schwester Olga bereits mit Onegins Gutsnachbarn Lenski anbandelte. Der erst 18jährige Wladimir Lenski schwärmt nicht nur für Olga, sondern auch für den lebenserfahreneren Onegin (Als hübscher Bursch mit viel Vermögen kam Lenski als ein Freiersmann den Landfamilien sehr entgegen…Doch Lenski schien aus guten Gründen solch zarte Fesseln noch zu scheun und wünschte, statt sich schon zu binden, vorerst Onegins Freund zu sein).

Onegin kennt Tatjana kaum, hat ihr gegen­über auch nicht andeutungsweise eine über das Förmliche hinausgehende Zu­neigung geäußert; und er reagiert auf den verliebten Jungmädchenbrief Tatjanas hochanständig, nutzt die Situation nicht aus. Auch Tatjanas Gefühle für Onegin entwickelten sich eher allmählich und nicht im Sinne einer Liebe auf den ersten Blick, wie Crankos Ballett es nahe legt. Erst der Dorftratsch ermuntert Tatjana, sich in eine Jungmädchenliebe hineinzusteigern (Tatjana ärgerten die Lügen. Dann, nach und nach, ganz insgeheim, empfand sie dabei doch Vergnügen. Unmerklich wuchs der Neigung Keim; bis endlich, was den Blick noch trüb­te, der klaren Sonne wich: Sie liebte). „Peter I. Tschaikowsky, ONEGIN, Ballett
Staatsoper Unter den Linden, 20. Mai 2022“
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20 ans Le Concert d’Astrée – reichhaltiges Bukett virtuoser Stimmen

Das barocke Feuer der Musik leuchtete mit einer Intensität, die das Publikum im nicht ausverkauften Opernhaus Unter den Linden, Tage später im Théâtre des Champs-Elysées in Paris zu wahrhaften Begeisterungsstürmen hinriss.

CD-Rezension:

20 ans Le Concert d’Astrée
Emmanuelle Haїm

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von Peter Sommeregger

Das von Emmanuelle Haïm 2000 begründete Barock-Ensemble Le Concert d’Astrée veranstaltete zur Feier seines 20-jährigen Bestehens Corona-bedingt sein Jubiläum etwas verspätet mit luxuriös besetzten Konzerten in Berlin und Paris.

Nur von einem Konzert zu sprechen ist eine Untertreibung.  Was Emmanuelle Haïm und ihr Ensemble, unterstützt durch 15 Solisten der Spitzenklasse, an diesen Abenden abliefern, ließ schlagartig jede November-Depression, jeden trüben Gedanken verschwinden. Das barocke Feuer der Musik leuchtete mit einer Intensität, die das Publikum im nicht ausverkauften Opernhaus Unter den Linden, Tage später im Théâtre des Champs-Elysées in Paris zu wahrhaften Begeisterungsstürmen hinriss. „CD-Rezension: 20 ans Le Concert d’Astrée, Emmanuelle Haїm
klassik-begeistert.de“
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Filigrane Finessen – dieses Mozart-Programm schwebt schwerelos

Foto: Wiener Philharmoniker, Daniel Barenboim, © Peter Adamik

Daniel Barenboim präsentierte mit den Wiener Philharmonikern ein reines Mozartprogramm

Staatsoper Unter den Linden, 6. April 2022

Wiener Philharmoniker
Daniel Barenboim  musikalische Leitung

Wolfgang Amadeus Mozart:

Sinfonie g-moll KV 183
Klavierkonzert B-Dur KV 595
Sinfonie D-Dur KV 504 „Prager“

von Kirsten Liese

An der Mozartinterpretation scheiden sich die Geister. Zweifellos hatte Nikolaus Harnoncourt seinerzeit mit seinen, an der historisch informierten Aufführungspraxis orientierten Einstudierungen bedeutsame Akzente gesetzt, ungemein schlank und transparent tönte da die Musik, Dissonanzen und Reibungen traten deutlich hervor, Klang wurde zur Rede.

Parallel dazu finden sich  immer noch und glücklicherweise bedeutsame Dirigenten, die Mozart mit modernen Instrumenten und jenseits dieser Stilistik wunderbar leichtfüßig und zärtlich musizieren und dankbarerweise mit Allegro oder Presto überschriebene Sätze weniger schnell herunter hasten als so manche sogenannten Originalklangensembles.

Der geniale Riccardo Muti gehört ganz vorne dazu und der ein Jahr ältere Daniel Barenboim, der nun  mit bald 80 Jahren immer mehr  einen sehr minimalistischen Altersstil ausprägt, der an Otmar Suitner erinnert, seinen einstigen Vorgänger an der Berliner Staatsoper, seinerseits ein grandioser Mozart-Dirigent. Da schließt sich der Kreis.

Kurzum, mit kleinsten Bewegungen erreicht Daniel Barenboim bei seinem  ersten Konzert der diesjährigen österlichen Festtage mit den Wiener Philharmonikern größte Wirkungen. „Wiener Philharmoniker, Daniel Barenboim, Mozart_programm
Staatsoper Unter den Linden, 6. April 2022  “
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Mozarts „Don Giovanni“ Unter den Linden: Acht Personen suchen einen Regisseur

Foto: Michael Volle (Don Giovanni), Serena Sáenz (Zerlina), David Oštrek (Masetto), Slávka Zámečníková (Donna Anna) und der Staatsopernchor © Matthias Baus

Staatsoper Unter den Linden Berlin,  2. April 2022   Premiere

Wolfgang Amadeus Mozart
Don Giovanni

Dramma giocoso in zwei Akten (1787)
Text von Lorenzo Da Ponte

Daniel Barenboim Dirigent

Staatskapelle Berlin
Staatsopernchor

von Peter Sommeregger

Das größte Ärgernis dieses Premieren-Abends an der Berliner Staatsoper ist das verschenkte Potential, das zur Verfügung gestanden hätte. Acht großartige Mozartsänger auf einen Streich, wann und wo könnte man so aus dem Vollen schöpfen? Aber was nützen die guten Sänger, wenn sie zum Rampensingen gezwungen sind, wenn es an der helfenden Hand eines fähigen Regisseurs fehlt. Und wenn aus dem Graben kein Impuls kommt?

Die ersten beiden Tutti-Schläge der Ouvertüre stimmen noch hoffnungsfroh, aber nach wenigen weiteren Takten ist klar, dass Daniel Barenboim sich abermals in dröger Selbstgefälligkeit ergehen wird, das nunmehr vierte Jahrzehnt (!) seiner GMD-Position am Haus beginnt nicht gerade hoffnungsfroh.

Als dritter und letzter Teil der Da Ponte-Trilogie steht der „Don Giovanni“, die „Oper aller Opern“ auf dem Programm. Nachdem der französische Regisseur Vincent Huguet bereits die „Nozze di Figaro“ und „Così fan tutte“ einfallslos und mit gewöhnungsbedürftigem Geschmack inszeniert hat, waren die Erwartungen nicht gerade hoch gespannt. Und eineinhalb Akte passiert auf der Bühne dann auch so gut wie nichts, hilflose Arrangements wechseln mit reiner Rampenbespielung. Die Handlung ist in die Gegenwart verlegt, Don Giovanni ist ein erfolgreicher, nicht mehr junger Starfotograf, was aber ohne jeglichen Erkenntnisgewinn für das Stück ist. Der Mann wird eigentlich ständig mehr von Frauen bedrängt, als dass er selbst als Verführer tätig wird. „Wolfgang Amadeus Mozart, Don Giovanni, br> Staatsoper Unter den Linden Berlin,  2. April 2022 Premiere“ weiterlesen

Leoš Janáčeks „Sache Makropulos“ Unter den Linden: Die Last von 300 Jahren

Foto: Marlis Petersen (Emilia Marty), Tänzer:innen
© Monika Rittershaus

Staatsoper Unter den Linden Berlin, 13. Februar 2022 PREMIERE

Leoš Janáček   Die Sache Makropulos

Simon Rattle Musikalische Leitung

Claus Guth Inszenierung
Étienne Pluss Bühnenbild
Ursula Kudrna Kostüme
Sebastian Alphons Licht
Sommer Ulrickson Choreographie

von Peter Sommeregger

Diese Oper, nach dem erfolgreichen Theaterstück Karel Čapeks entstanden, ist im Grunde ein Konversationsstück mit großer Textlastigkeit. Den internationalen Gepflogenheiten folgend spielt man das Werk heute auch im deutschen Sprachraum in der tschechischen Originalsprache, dank der Übertitelung ist der komplizierte Plot aber trotzdem verständlich.

Für die Berliner Neuinszenierung konnte man eine Reihe von Muttersprachlern gewinnen, die sich mit dem Text naturgemäß weniger plagen müssen. Das gibt der Aufführung auch ein großes Maß an phonetischer Authentizität, denn Janáček komponierte seine Musik im Duktus der Sprache. Der Rest der Besetzung schlägt sich tapfer mit dem komplizierten Idiom.

Das Drama um eine komplizierte Erbschaft, die nur den äußeren Rahmen für die Tragödie der seit dreihundert Jahren unter wechselnden Namen lebenden Elena Makropulos bietet, hat der Komponist sehr komprimiert in drei relativ kurze Opernakte gepackt. Der Regisseur Claus Guth erzählt die Handlung auf zwei Ebenen, zum einen die realistischen Abläufe, zum anderen eine verfremdete, verrätselte Bilderwelt. Zwischen den Akten wird eine stumme Pantomime gezeigt, die spätestens nach einer Minute etwas zu nerven beginnt. Auch die Choreographie, welche die Nebenfiguren gelegentlich zu lebenden Bildern erstarren lässt, schöpft diese Idee ein wenig zu penetrant aus und verliert damit ihre Originalität. Insgesamt gelingt es Guth aber, das komplexe Geschehen stringent umzusetzen und eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Daran, dass seine Figuren manchmal ein wenig zu handfest agieren, gewöhnt man sich im Laufe des Abends. „Leoš Janáček, Die Sache Makropulos,
Staatsoper Unter den Linden Berlin, 13. Februar 2022 PREMIERE“
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Le Concert d’Astrée : Ein barocker Feuerball erleuchtet den herbstgrauen Himmel über Berlin

Vor der Staatsoper wird man von unfreundlichem Regenwetter überrascht, man lächelt das, noch übervoll von den musikalischen Freuden, einfach weg.

Foto: Deckenansicht © Gordon Welters

Staatsoper Unter den Linden, Berlin 8. November 2021

Werke von:
Jean-Philippe Rameau, André Campra, Henry Purcell, Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi

Solisten:
Marie-Claude Chappuis, Lea Desandre, Natalie Dessay, Emmanuelle de Negri, Sandrine Piau, Lenneke Ruiten, Eva Zaïcik, Tassis Christoyannis, Andrea Mastroni, Laurent Naouri, Jarred Ott, Victor Sicard, Michael Spyres, Mathias Vidal, Carlo Vistoli

Emmanuelle Haïm, Sir Simon Rattle Dirigenten
Orchester und Chor Le Concert d’Astrée

von Peter Sommeregger

Das von Emmanuelle Haïm 2000 begründete Barock-Ensemble Le Concert d’Astrée veranstaltet zur Feier seines 20-jährigen Bestehens Corona-bedingt sein Jubiläum etwas verspätet mit luxuriös besetzten Konzerten in Berlin und Paris.

Nur von einem Konzert zu sprechen ist eine Untertreibung.  Was Emmanuelle Haïm und ihr Ensemble, unterstützt durch 15 Solisten der Spitzenklasse, an diesem Abend abliefern, lässt schlagartig jede November-Depression, jeden trüben Gedanken verschwinden. Das barocke Feuer der Musik leuchtet mit einer Intensität, die das Publikum im nicht ausverkauften Opernhaus Unter den Linden zu wahrhaften Begeisterungsstürmen hinreißt.

Wo beginnen bei dem reichhaltigen Bukett virtuoser Stimmen, starker künstlerischer Persönlichkeiten? Der erste Teil ist weitgehend Kompositionen Rameaus vorbehalten. Lenneke Ruiten, Mathias Vidal, Emmanuelle de Negri, Victor Sicard, Tassis Christoyannis, Laurent Naouri und Sandrine Piau strafen das Vorurteil Lügen, Rameaus Musik wäre trocken. Die Arien und Ensembles aus „Dardanus“, „Les Indes galantes“ und „Hippolyte et Aricie“ bilden einen passenden Einstieg in den an Höhepunkten reichen Abend. Als Gast am Dirigentenpult beschließt Sir Simon Rattle den ersten Teil mit der Orchestersuite aus „Les Boreades“. „Jean-Philippe Rameau, André Campra, Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Jubiläumskonzert Le Concert d’Astrée,
Staatsoper unter den Linden, 8. November 2021“
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