L’Opera Seria © Werner Kmetitsch
Trotz und gerade wegen des Titels dieses barocken Juwels: ein fulminanter musikalischer Spaß, darstellerisch perfekt bis ins letzte Detail – brillant inszeniert (Laurent Pelly) auf einer exzellent gestalteten Bühne und virtuos dirigiert (Christophe Rousset).
Zweifellos einer der absoluten Höhepunkte dieser Saison im preisgekrönten Musiktheater an der Wien.
Florian Leopold Gassmann, L’Opera Seria
Musikalische Leitung: Christophe Rousset
Inszenierung und Kostüme: Laurent Pelly
Bühne: Massimo Troncanetti
Koproduktion mit dem Teatro alla Scala Milano
Musiktheater an der Wien, 11. März 2026
von Dr. Charles E. Ritterband
Eine Satire über die Oper? Nicht unüblich im Theater des 18. Jahrhunderts. Literarische wie musikalische Größen wie Carlo Goldoni, Antonio Salieri und Mozart befassten sich mit diesem heiteren Thema.
Der Komponist dieser entzückenden Opernparodie, Leopold Gassmann, kam 1763 an den Wiener Hof, wurde 1772 zum Hofkapellmeister ernannt und komponierte rund 25 Opern, darunter „echte“ Opere serie mit Libretti des berühmten Pietro Metastasio und Opere buffe mit Texten von Goldoni. Salieri, den er „entdeckt“ hatte, wurde Gassmanns Nachfolger.

Der gefürchtete (und gehasste) Impresario ist in dieser Inszenierung – als einziger Darsteller im „heutigen“ Dreiteiler-Anzug – und in der Opernproduktion des 18.und 19. Jahrhunderts. In diesem Stück hat der Dichter Delirio (Delirium, die Namen, fast Übernamen, sprechen für sich…) und den Komponisten Sospiro (Seufzer!) beauftrag, eine neue Oper zu komponieren, die sie dann auch voll Stolz präsentieren.
Aber alles geht schief, scheitert an den Rivalitäten und Eitelkeiten der drei Sängerinnen und der Einfalt des Tenors, bis dann im dritten Teil, als endlich die großartigen Bühnenbilder der fiktiven Oper (im Stil von Radierung des 18. Jahrhunderts) in einem fantastischen Eklat und viel Getöse in sich zusammenstürzen. Am Schluss hört man nur noch das Trompeten des gewaltigen Papp-Elefanten, der natürlich unvermeidlich zu dieser exotischen Kulissenwelt dazu gehört.

Musikalisch ein Hochgenuss, subtil und zugleich temperamentvoll und doch kontrolliert das Hausorchester unter der souveränen und zugleich humorvollen (der Dirigent musste einspringen, als einer der Hauptakteure plötzlich aus gesundheitlichen Gründen ausfiel) Stabführung von Christophe Rousset, welcher den barocken Sound perfekt kalibriert aus dem Orchestergraben ertönen ließ.
Die drei rivalisierenden, kokettierenden Diven, von der alten bis zur jungen Anfängerin glänzten durch kraftvolle Stimmen, herrlich klingende Koloraturen und zugleich grandios humorvolle Mimik.
Die fantastischen barocken Kostüme und die umwerfend komischen Balletteinlagen, welche die Absurdität des Ganzen auf die Spitze trieben, machten diesen Abend zur einzigartigen musikalischen wie visuellen Delikatesse.
Der Schreibende konnte nicht genug kriegen von alledem und kam nicht weniger als drei Mal in diese fulminante Vorstellung – und das sagt doch schon alles!
Dr. Charles E. Ritterband, 14. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Besetzung:
Fallito: Pietro Spagnoli
Delirio: Roberto de Candia
Sospiro: Petr Nekoranec
Ritornello: Josh Lovell
Stonatrilla: Julie Fuchs Smorfiosa: Andrea Carroll
Porporina: Serena Gamberoni
Passagallo: Alessio Arduini
Pablo Luna, Benamor MusikTheater an der Wien, 7. Februar 2026
MusikTheater an der Wien Kammeroper, Wien, 21. Dezember 2025