Karin Beier und ihr Inszenierungsteam (Foto: RW)
Maria Stuarda
Musik von Gaetano Donizetti
Libretto von Giuseppe Bardini nach Friedrich Schiller
Paukenschlag am Gänsemarkt: Mit einer großartigen Maria Stuarda feiert die Hamburgische Staatsoper erstmals Donizettis gesangliches Meisterwerk in all seiner stimmlichen Pracht! Auch die verständliche, vielseitige Regie der Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier überzeugt.
Hamburgische Staatsoper, 25. März 2025
von Johannes Karl Fischer
Mit wortwörtlich blutbeschmierten Händen schreitet die machthungrige Königin Elisabetta über die Bühne, während das Publikum Marias hilfloses Schicksal omnipräsent zu Augen bekommt: Im Vordergrund dieses einmaligen Opernabends stand Karin Beiers durchsichtige, die vielseitige Handlung erklärende Regiearbeit. Vielleicht kein Riesen-Regiewurf, kein Serebrennikov-Don-Carlo (leider), aber dem eher raren Stück wird’s gerecht. Und ganz nebenbei eine erfreuliche 180-Grad-Wende von ihrem fünf Jahre alten Schostakowitsch-Nasen-Totalausfall!
Mitbringsel aus dem Schauspielhaus
Zur wohl größten operntechnischen Regieüberraschung des Abends wurden die beiden akteröffnenden, gesprochenen Monologe. Vielleicht ein kleines Sprechtheater-Mitbringsel der Schauspielhaus-Intendantin. Das funktionierte auch in dieser Sparte, stellte auf sehr zugängliche Weise Kontakt mit dem Publikum her. Selbst die deutsche Sprache – vor der ich impulsiv beinahe fluchtartig das Haus verlassen hätte – hat in dieser milden Dosierung überraschenderweise nicht gestört.
Jaho und Ismatullaeva räumen ab
Auch gesanglich geriet der Abend zu einer spektakulären Spitzenleistung! In der Titelpartie zog Ermonela Jahos rührender, fesselnder Sopran das Publikum in die tiefe Leidenschaft ihrer Rolle, ließ ihre emotionalen Ausbrüche tief ins musikalische Herz des Publikums eindringen. Völlig verzweifelt ihrem unschuldigen Todesurteil hilflos entgegenstehend sang sie im dritten Akt noch einmal ihren ganzen sopranistischen Leib und ihre Seele aus, ließ das Publikum zu Tränen gerührt ihr Schicksal mitfühlen.

Ihrer königlich-cousinlichen Rivalin stand auch Barno Ismatullaeva (Elisabetta) stimmlich um nichts nach. Die furchterregende Macht der thronenden Herrscherin spürte man in ihrer strahlenden Stimme, mit einem kämpferischen, fast schon donnernden Auftritt zementierte sie ihre Partie an der Spitze der Handlung und der Musik. Ihr schlagkräftiger Sopran haute das Publikum und die gesangliche Konkurrenz regelrecht um, selbst den von ihr geliebten Roberto stellte sie musikalisch deutlich in den Schatten.
Gemischtes Urteil zu den tiefen Stimmen
Bei den tiefen Stimmen sorgte Gezim Myshketa mit einem schlagkräftigen, souveränen Cecil für Aufsehen! Sein Bariton röhrte ordentlich durch die skrupellose Partie als würde er Marias Todesurteil schon bei der Verkündung vollstrecken und sie gleichzeitig auch noch zum Protestantismus zwangskonvertieren wollen – sorry, aber das ist in etwa die Zusammenfassung dieser Rolle und genauso sang er sie auch. Demgegenüber brachte Alexander Roslavets den von Donizetti deutlich üppiger komponierten Talbot zwar routiniert und solide zu Gehör, wirkte aber gerade im Vergleich zu Herrn Myshketa ein wenig mutlos und unemotional.

Auch der Tenor des Abends, Long Long (Roberto), sang seine Arien zwar solide, verzierte die Melodien aber vor allem mit viel Vibrato und ließ die gefühlvolle Wirkung seiner Partie ein wenig auf der Strecke liegen. Trotzdem glänzte seine makellose Technik strahlend klar vor der haushohen stimmlichen Konkurrenz, mühelos segelten seine hohen As in den Saal. Zurecht erntete er dafür viel – vor allem an den Beifallstandards dieses Hauses gemessen – verdienten Applaus!

Viele Beifall für das Orchester
Reichlich Begeisterung zeigte das Publikum auch für das Philharmonische Staatsorchester unter der Leitung von Antonino Fogliani. Der Chef am Pult holte einen routiniert souveränen Klang aus dem Graben, selbst an diesen eher nach Schema 0815 komponierten Orchestermelodien schienen die Musiker mächtig Spaß zu haben und versorgten den Opernabend mit viel musikalischer Frische. Auch der Chor zeigte sich in gewohnter gesanglicher Stärke und setzte souverän die Krone auf eine insgesamt herausragende musikalische Darbietung!
Frau Beiers letztes Opernexperiment an diesem Haus, die 2019 aufgeführte Schostakowitsch-Nase, wurde nicht einmal in der Originalsprache aufgeführt und ist seitdem Gott sei Dank von Herrn Delnons Spielplan ferngeblieben.
Demgegenüber war dieser Opernabend auch aus internationaler Sichtweise ein Erfolg auf ganzer Linie. Ein Muss für alle Maria-Stuarda-Fans!
Johannes Karl Fischer, 27. März 2025 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Gaetano Donizetti, Maria Stuarda Hamburgische Staatsoper, 22. März 2025
Gaetano Donizetti, Maria Stuarda Staatsoper Hamburg, 16. März 2025 Erstaufführung